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Corona und Triathlon: "Wir arbeiten völlig ruhig weiter"

Athleten-Frust und "ein Blick in die Glaskugel" - 15.03.2020 21:56 Uhr

Kienle und der Triathlon in Roth: Kommt man wie geplant zusammen? © André De Geare


Am Sonntagvormittag ist die Guardia Civil sogar in der Hotelanlage auf Fuerteventura angerückt, um sich zu vergewissern, dass die in Spanien verhängte Ausgangssperre auch eingehalten wird. "Der Pool ist geschlossen. Ich darf die Anlage nicht mehr verlassen, um Rad zu fahren, und Laufen ist nur noch auf dem Hotelgelände erlaubt", sagt Profi-Triathlet Sebastian Kienle, Sieger beim Ironman Hawaii 2014 und Erster beim Challenge Roth 2018, in einem Telefonat mit der NZ. "Das ist eine Katastrophe für mich. Es spielt aber vielleicht auch keine so große Rolle, weil es auf absehbare Zeit vermutlich keine Wettkämpfe gibt.“

Kienle hat angekündigt, wie auch der dreifache Hawaii-Sieger Jan Frodeno und Roth-Vorjahressieger Andreas Dreitz am 5. Juli beim Challenge Roth zu starten. Ob die weltweit größte Veranstaltung über die Langdistanz wie geplant stattfinden kann, hängt allerdings von der weiteren Verbreitung des Coronavirus ab. "Das ist heute noch gar nicht abschätzbar", sagt Challenge-Geschäftsführer Felix Walchshöfer. "Wir arbeiten aber völlig ruhig weiter. Unser Vorteil ist: Wir sind im Juli und haben noch viel Zeit zu reagieren."

+++ Challenge Roth in Gefahr: "Veranstalterszene in Aufruhr +++

"Sollte das Virus abebben..."

Anders als im Fußball und beim Eishockey trifft nicht ein Verband wie die Deutsche Triathlon-Union oder die Liga die Entscheidung, sondern die jeweilige Genehmigungsbehörde und das Gesundheitsamt, im Fall des Challenge Roth das Landratsamt Roth. Mit dem Landratsamt, mit der Politik und mit anderen Veranstaltern steht Walchshöfer in regem Austausch. Am Montag gibt es eine Telefonkonferenz mit dem Konkurrenzunternehmen Ironman. "Die Situation ändert sich jeden Tag. Es wäre fahrlässig, eine Entscheidung zu treffen. Für mich ist es schwer, in die Glaskugel zu schauen." Aus diesem Grund finden alle angesetzten Besprechungen statt, Bestellungen für Material werden aufgegeben. "Sollte das Virus abebben und wir können den Challenge durchführen, müssen wir schließlich vorbereitet sein."

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Dennoch werde parallel an einem "Plan B und C" gearbeitet, erläutert Walchshöfer. Dies könne eine Verschiebung in einen späteren Monat genauso sein wie eine komplette Absage für das Jahr 2020. Um deutlich zu zeigen, dass derzeit wie gewohnt weitergearbeitet wird, hat der Rennleiter in der vergangenen Woche die neue Radstrecke vorgestellt. Beim kleineren Rothsee-Triathlon über die olympische Kurzdistanz, der auf den 20. und 21. Juni terminiert ist, sieht man ebenfalls keinen Grund für voreilige Festlegungen: "Wir lassen es einfach auf uns zukommen", sagt Frank Kräker, einer der beiden Geschäftsführer der TSG 08 Roth Service GmbH. "Wenn die Behörde sagt, das Rennen fällt aus, dann fällt es aus. Wir geben die Veranstaltung aber nicht selber auf."

"Die Athleten sind an der frischen Luft"

Vorsichtshalber wurden die Helfer-T-Shirts in diesem Jahr ohne Jahreszahl bestellt, um diese notfalls auch im Jahr 2021 verwenden zu können. Den sportlichen Wettkampf als solchen sieht Kräker ohnehin nicht als Problem: "Die Athleten sind an der frischen Luft und den ganzen Tag unterwegs. Bei den Überlegungen geht es mehr um die Verpflegungsstationen, den Biergartenbereich für die Besucher, die Ansammlung der Menschen und die Getränkegläser, die zurückgegeben werden." Erst im April beginnt traditionell das Genehmigungsverfahren, der Aufbau erst am Freitag vor dem Rennen. "Ich bin zuversichtlich, dass weder der Rothsee noch der Challenge in Gefahr sind."

Athlet Marcus Schattner will so lange "business as usual“ machen, bis der Rothsee-Triathlon abgesagt werde. "Ich muss aber in jedem Fall weiter trainieren, weil ich sonst in meinem Alter nicht mehr reinkomme", erläutert der 52-jährige vierfache Rothsee-Sieger. "Wenn's ganz dumm kommt, trainiere ich 2020 ohne Wettkämpfe." Bis 19. April hat der Mathematik- und Physiklehrer vom Neuen Gymnasium Nürnberg nun sogar mehr Zeit fürs Training. "Online-Unterricht vorzubereiten ist zwar zeitaufwändiger als Unterricht in der Schule, aber ich bin zeitlich flexibler."

Auf Fuerteventura wird's "von Tag zu Tag ungemütlicher"

Diese Trainingsbedingungen dürfte sich derzeit sicherlich auch Sebastian Kienle wünschen. Sein Rückflug war für den 21. März geplant. "Wir Triathleten schauen, möglichst bald von Fuerteventura wieder wegzukommen, weil es durch die verschärften Maßnahmen hier von Tag zu Tag ungemütlicher wird." Weil man in Spanien weiter zur Arbeit fahren dürfe, hoffe er auf ein Schlupfloch für sich: "Das würde dann ja vielleicht auch bedeuten, dass ich Radfahren darf." Nicht verstehen kann er, warum das Buffet im Hotel geöffnet bleibe, aber ein vierstündiges Rad-Training verboten sei. "Bei den ganzen Maßnahmen haben sie aber verständlicherweise nicht in erster Linie uns zehn Profiathleten im Blick."

"... aber das kann niemand seriös beantworten"

Der Ironman Südafrika, an dem er als nächstes teilnehmen wollte, fällt in jedem Fall aus. "Die ganze Saisonplanung steht in den Sternen", sagt Kienle, der im vergangenen Jahr Dritter beim Ironman auf Hawaii geworden war. "Wir hoffen zwar, dass ab Juni, Juli wieder Rennen stattfinden, aber das kann niemand seriös beantworten."


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Markus Kaiser

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