Deutsche NHL-Stars der Zukunft: Es begann in Nürnberg

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

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5.10.2020, 18:06 Uhr
Ein großer Moment: Tim Stützle (links) hat in Nürnberg in seinem ersten Profi-Spiel mit seinem ersten Schuss sein erstes Tor erzielt.

© Sportfoto Zink / ThHa Ein großer Moment: Tim Stützle (links) hat in Nürnberg in seinem ersten Profi-Spiel mit seinem ersten Schuss sein erstes Tor erzielt.

Die Aufgabe war nicht allzu schwer. Die Ice Tigers hatten ihm höflich Platz gemacht. Der Pass war perfekt und er stand alleine vor Niklas Treutle, immerhin einem Nationaltorhüter. Tm Stützle aber ließ dem bislang einzigen Nürnberger Eishockey-Profi, der es in die National Hockey League geschafft hat, keine Chance. In seinem ersten Spiel, in seinem ersten Wechsel, mit seinem ersten Schuss hatte Stützle sein erstes Tor erzielt - so beginnen große Karrieren, so wie einst die des großen Mario Lemieux. Ein Jahr ist seitdem vergangen und am Dienstag wird passieren, woran an diesem Freitagabend im September 2019 schon niemand mehr gezweifelt hat. Tim Stützle, 18 Jahre alt, wird in die beste Liga der Welt aufgenommen.

Wobei es schon lange nicht mehr um das Ob geht, sondern um die Fragen, von welchem Klub und wie groß der Druck sein wird. Das alles entscheidet sich am Draft, einem Geheimnis der Unberechenbarkeit der NHL. Nach dem Stanley Cup-Finale werden die verheißungsvollsten Talente verteilt, wobei der schlechteste Klub die größte Chance hat, den vermeintlich besten Spieler zu nehmen. Tatsächlich ist es noch etwas komplizierter, der Draft aber ist ein Eishockey-Feiertag, an dem die Branche in die Zukunft blickt. Über Jahre werden Jugendliche von Scouts beobachtet, bewertet, eingeordnet. Es ist ein Spiel im Spiel, ein Business im Business. Und an diesem Tag werden die großen Fragen beantwortet: Die New York Rangers hatten das Glück, als erster Klub ziehen zu dürfen, sie werden sich für Alexis Lafreniere entscheiden - der Franko-Kanadier gilt als der nächste Superstar. Aber für welchen Spieler entscheiden sich die Los Angeles Kings dahinter - für Marco Rossi, den quirligen Österreicher, für Quinton Byfield, den kräftigen Kanadier, für den vielseitigen Schweden Lucas Raymond oder für Stützle, den eleganten Flügelstürmer aus Viersen?


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Höher als Leon Draisaitl?

Natürlich wird diesmal alles anders sein. Diesmal werden sich die stolzen jungen Männer nicht die Trikots ihrer neuen Klubs schon auf der Bühne überziehen. Stützle wartet mit Familie und Freunden in einer Sportsbar in Mannheim darauf, die richtige Mütze aufzusetzen. Allen Talenten, die in der ersten von sieben Runden gezogen könnten, hat die NHL die Schirmmützen aller 31 Teams zugeschickt, damit sie im Livestream standesgemäß eingeblendet werden können. „Mein Ziel ist es, so hoch wie möglich gedraftet zu werden“, sagte Stützle bei einer ebenfalls virtuellen Pressekonferenz in der Vorwoche. „Da macht es keinen Unterschied, ob man vor Ort ist oder es über eine Liveschalte läuft.“


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Er hat ohnehin keinen Einfluss darauf, ob er seine NHL-Karriere von Los Angeles, Ottawa oder Detroit aus startet. Dass er das Talent für die NHL mitbringt, das war schon vor einem Jahr in der Arena Nürnberger Versicherung klar. Nach einer herausragenden ersten Saison in der DEL mit dem Adlern Mannheim aber gilt Stützle als kommender Star. Eine Garantie ist eine hohe Draftposition natürlich nicht. Leon Draisaitl aber wurde 2014 von den Edmonton Oilers an dritter Stelle ausgewählt. Kürzlich wurde der Kölner zum wertvollsten Spieler der NHL gewählt.

Der Sohn von Martin Reichel

Ein Nürnberger in Nürnberg: Lukas Reichel (rechts) ist vor 18 Jahren in Nürnberg geboren worden, als Spieler der Eisbären Berlin ist er zurückgekehrt. 

Ein Nürnberger in Nürnberg: Lukas Reichel (rechts) ist vor 18 Jahren in Nürnberg geboren worden, als Spieler der Eisbären Berlin ist er zurückgekehrt.  © Sportfoto Zink / ThHa

Stützle ist aber nicht der einzige Deutsche, der sich Hoffnungen machen darf, in der ersten Runde aufgerufen zu werden und nicht erst später am Mittwoch in den Runden zwei bis sieben. Mit John-Jason Peterka (Red Bull München) und Lukas Reichel (Eisbären Berlin) werden zwei weitere Stürmer aus der DEL hoch gehandelt. Reichel hat nicht sein erstes Profitor in Nürnberg geschossen, aber sein erstes Profispiel hat er in Nürnberg gesehen - auch wenn er sich daran kaum wird erinnern können. Lukas ist der Sohn von Martin Reichel, der sechs Jahre für die Ice Tigers gespielt hat. Und Lukas Reichel ist am 17. Mai 2002 in Nürnberg geboren. Das Eishockey spielen aber hat er in Rosenheim gelernt.


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Egal, welche Mütze Stützle, Reichel und Peterka künftig tragen, sie werden alle nicht wissen, wann sie auch ihre neuen Trikots auf dem Eis tragen dürfen. Ähnlich wie die DEL weiß auch die NHL nicht, wann sie unter welchen Umständen wieder wird loslegen können.

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