Die schönsten Laufstrecken: Joggen im Tennenloher Forst

15.4.2021, 06:00 Uhr
Immer durch den Wald: Gerhard Müller joggt für die neue Serie

Immer durch den Wald: Gerhard Müller joggt für die neue Serie "Wegweiser" im Tennenloher Forst. © Klaus-Dieter Schreiter, NN

Der Ausblick ist unbezahlbar. Alles sieht man von dieser Anhöhe, die Nürnberger Burg, das Hochhaus der Nürnberger Versicherung und den Fernsehturm. "Dort verweile ich manchmal auch", sagt Gerhard Müller. "Ich genieße den Ausblick, schaue, wie die Wolken stehen. Manchmal sieht man ein Flugzeug. Es wirkt, als würde es direkt durch die Burg durchfliegen." Den 75-Jährigen beeindruckt diese Aussicht. Und das für sich ist schon beeindruckend - denn Gerhard Müller hat so viele Laufstrecken gesehen wie wohl kaum jemand aus dieser Stadt.


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Müller ist Lauf- und Triathlon-Coach, macht alle fünf Jahre beim Langdistanz-Rennen des Challenge Roth mit und ist schon zig Marathon-Wettbewerbe gelaufen. Die Strecken rund um Erlangen kennt er auswendig. "Vor 40 Jahren habe ich begonnen, sie abzumessen und in eine topografische Landkarte einzutragen. So habe ich alles auch kilometermäßig erfasst, insgesamt sind das 200 Kilometer." Was heute durch Lauf-Apps jeder kann, hat Müller bereits vor fast einem halben Jahrhundert begonnen.

Für Gerhard Müller ist es daher auch gar nicht so leicht, eine Lieblingsstrecke auszuwählen. "Ich liebe sie alle", sagt der Vorsitzende des TDM-Franken, "und wechsle die Strecken immer ab und laufe nie die gleiche zweimal hintereinander." Der einstige Handball-Torwart organisiert schließlich auch den Möhrendorfer Karpfenweiherlauf, dessen Strecken an 77 Karpfenweihern vorbei führt. "Ich habe Strecken in allen Himmelsrichtungen", sagt Müller, "auch über Adelsdorf, Kalchreuth, Marloffstein, Adlitz, ..." Er könnte alle Ortschaften im Landkreis aufzählen.

Hier geht es zur Lieblingsstrecke von Gerhard Müller auf komoot.

© OpenStreetMap-Mitwirkende

Hier geht es zur Lieblingsstrecke von Gerhard Müller auf komoot. © OpenStreetMap-Mitwirkende

Als "Wegweiser" aber will Müller dann doch eine Runde durch den Tennenloher Forst empfehlen. Los es geht quasi vom Obi-Baumarkt Erlangen Ost, Start- und Ziel ist direkt am Wildscheingehege. Und das ist nicht der einzige tierische Höhepunkt der Laufrunde. Nach fünf Kilometern erreicht man schon die Zäune der Wildpferd-Gehege, zwischen Kilometer sechs uns achten stehen auch ein paar Ziegen am Wegrand, bei Kilometer acht joggt man am Steinbruch Ohrwaschl vorbei. Der schönste Punkt der Strecke ist aber an der Anhöhe bei Kilometer sechs, von dort sieht man über ganz Nürnberg.


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Insgesamt aber ist die Runde nicht wirklich schwer, viele Höhenmeter muss man nicht überwinden. "Einen Rekord aufstellen kann man hier aber auch nicht wirklich", sagt Müller. Denn die Wege sind zum Teil schmal und richtige Trail-Pfade, über Wurzeln und kleine Bäche. Nicht zum Sprinten, sondern zum Genießen. "Diese Strecke wählt man, um etwas zu sehen."

Die Vorbereitung für den Challenge Roth läuft

Alle zwei bis drei Wochen ist Müller hier unterwegs - bei fast jedem Wetter. "Ich laufe bis -10 Grad, und immer mit kurzen Hosen", sagt Müller. "Pro Woche komme ich auf 50 bis 100 Lauf-Kilometer." Wie viele es sind, hängt stark vom gesamten Trainingsplan ab, der 75-Jährige ist schließlich Triathlet. Im Winter radelt er zu Hause auf der Rolle. Normalerweise würde noch Schwimmen dazu kommen, im Frühjahr geht es sonst ins Trainingslager in die Toskana. "Das ist in diesem Jahr aber nicht möglich."

Für Müller ist das doppelt problematisch, denn eigentlich ist 2021 wieder ein "Challenge-Jahr." Alle fünf Jahre, immer wenn er in eine neue Altersklasse aufrückt, startet der Möhrendorfer beim Langdistanz-Triathlon in Roth. "Dann ist der Zeitaufwand besonders groß." Zusätzlich zum Ausdauertraining macht der Senior Gymnastik, Übungen für die Rumpf- und Baustabilisation sowie für die Armmuskeln. "Das brauche ich in meinem Alter", sagt er. Zeit, um seine Laufrunden zu genießen, aber hat Müller immer.

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