Erik Shuranov: Der 150-Tore-Stürmer beim FCN

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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1.4.2021, 05:55 Uhr
Da geht’s aus dem Tabellenkeller: Auf Erik Shuranov ruhen beim 1. FC Nürnberg plötzlich viele Hoffnungen.

Da geht’s aus dem Tabellenkeller: Auf Erik Shuranov ruhen beim 1. FC Nürnberg plötzlich viele Hoffnungen. © Foto: Daniel Marr/Zink

Der letzte Satz wirkt nach. "Macht nicht zu viel über ihn", bittet Dieter Nüssing. Macht ihn bitte nicht verrückt, den Jungen. Weil Nüssing in den vergangenen Jahrzehnten auch über dem Sportpark Valznerweiher schon etliche Sternchen hat verglühen sehen.

Nicht nur Niklas Hörber oder Markus Mendler trauten sie bei konsequenter Förderung im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg eine Profi-Karriere zu. Der eine oder andere wie Cedric Teuchert hat’s tatsächlich gepackt, viele aber eben auch nicht. Oder blieben höchstens als One-Hit-Wonder in Erinnerung.

Erik Shuranov könnte es ebenfalls schaffen, dauerhaft, seine ersten Arbeitsnachweise in der zweiten Liga sind vielversprechend. 15 Mal stand er 2020/21 bereits im Spieltags-Aufgebot von Robert Klauß, in fünf Kurz-Einsätzen deutete er seine Möglichkeiten an. Ehe sein Stern im Fürther Ronhof kürzlich richtig zu leuchten begann. "Dass er ein richtig guter Stürmer ist, wussten wir vorher", meinte sein Trainer nach dem 2:2, "wir mussten ihn aber erst an den Profifußball gewöhnen."

"Es gibt nichts Geileres"

Vor allem läuferisch und taktisch musste Shuranov zulegen. Vor ungefähr vier, fünf Wochen scheint er auf gewünschtem Niveau angekommen zu sein, was ihn folgenden Satz in Mikrofone sprechen ließ: "Es gibt nichts Geileres, als im Derby ein Tor zu schießen", sagte Shuranov nach seiner ersten Startelf-Nominierung. Wobei er gerade natürlich davon profitiert, dass mit Pascal Köpke, Felix Lohkemper und Robin Hack drei potenzielle Offensivstammkräfte verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen; auch am Sonntag, im Heimspiel gegen den SC Paderborn, dürfte Shuranov deshalb wieder mehr sein als eine spannende Alternative.


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Im vergangenen Sommer hatten sie beim 1. FC Nürnberg beschlossen, den damals 18-Jährigen in Marek Mintals U21 einzugliedern und hin und wieder bei den Profis mittrainieren zu lassen. Mittlerweile sei er körperlich in einer Verfassung, "mit der er bei uns im Kader gut mithalten kann", versichert Klauß, einfach auf einem anderen Level als noch im Herbst. Auch dank der vielen Vorbilder ringsum.

Lernen von den Größeren und Älteren: So in etwa lief das bis jetzt fast immer seit 2010, als der kleine Erik bei einem so genannten Talentetag auf dem Vereinsgelände vordribbelte. Den Beobachtern soll vereinzelt der Mund offen gestanden sein; Oscar Cuquejo, im NLZ unter anderem für das Scouting zuständig, kann sich noch genau an den Knirps vom FC Bayern Kickers erinnern. Und an seinen Okocha-Trick: Ball mit rechts an die linke Hacke, Sprung, Heber nach vorn in den Lauf. "Den können viele Profis nicht", sagt Cuquejo.

Mit zehn in die U13

"Nicht schwer" sei es gewesen, Shuranovs außergewöhnliche Begabung gleich zu erkennen, sagt Cuquejo, seine Technik fiel auf. Die Shuranov, der Frühreife, fortan auch geschickt zu nutzen verstand. Praktisch keine U-Mannschaft, in der er nicht mit deutlichen Vorsprung Torschützenkönig geworden wäre, in der U11 traf er 150 Mal. Und weil er so gut war, haben sie ihn stets ein Jahr früher nach oben und in die nächsthöhere Altersstufe gezogen als nötig, mit zehn sogar gleich in die U13. Und so weiter.

In der abgebrochenen U19-Bayernliga-Saison 2019/20 glückten ihm 37 Tore in 16 Spielen, in der nach wie vor unterbrochenen U19-Bundesliga-Saison 2020/21 sieben Tore in drei Spielen, allein vier gegen den SC Freiburg. Und ungefähr so geht das jetzt schon seit elf Jahren. Dass der gebürtige Bamberger überhaupt noch für den 1. FC Nürnberg stürmt, ist deshalb nicht normal; die halbe Bundesliga war schon hinter ihm her, darunter der FC Bayern und die TSG Hoffenheim.


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Shuranov möchte und wird aber beim Club bleiben, vorerst zumindest; am 1. Juli tritt sein erster Profi-Vertrag in Kraft, den noch Robert Palikuca mit ihm schloss. Natürlich muss Shuranov auch noch viel lernen. "Aber was er hat, kann man nicht lernen", behauptet Urgestein Nüssing, das berühmte Näschen für Zeit und Raum ist angeboren. "Wenn der Ball irgendwo im Sechzehner runterfällt, kann man davon ausgehen, dass da der Shuranov steht."

Eiskalt schlägt er dann zu, demnächst wohl auch für den DFB. Seit kurzem hat Shuranov neben dem ukrainischen auch den deutschen Pass; Christian Wörns, der Sportliche Leiter der nationalen U19-Auswahl, und Trainer Peter Hermann wollen ihn zum nächsten Lehrgang einladen. Noch so ein Tag, den Shuranov bestimmt nicht vergessen wird.

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