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Erlanger Schwimmer: Bestleistungen trotz Verbandsquerelen

Standort dürfte zwei weitere Nachwuchs-Athletinnen fürs Nationalteam stellen - 22.12.2020 14:32 Uhr

Neue (und alte) bayerische Rekordhalterin über 100 Meter Brust: Kellie Messel vom Turnerbund Erlangen.

21.12.2020


Es waren keine einfachen Wochen für seine Schwimmerinnen und Schwimmer, sagt Roland Böller. Mit einem offenen Brief hatten sich seine Athleten zuletzt noch einmal dafür eingesetzt, dass der Landesstützpunkt in Erlangen, an dem sie bei ihrem Coach Böller trainieren, nicht geschlossen und nach Nürnberg verlegt wird. Bislang – und die Zeit läuft ab – ohne Erfolg.

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"Sie hatten eine schwere Zeit, und da vieles noch ungelöst ist, wird es wohl eine schwere Zeit bleiben", sagt Böller. Doch zumindest im Wasser haben sich die Sportler von den Querelen nicht beeinflussen lassen. "Als Sportler hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man lässt sich unterkriegen, oder man steht auf und kämpft", erklärt der Trainer.

Zwei Wettkämpfe in Würzburg und Neckarsulm

Genauer gesagt, sind seine Athleten losgeschwommen und haben gekämpft, bei zwei Wettkämpfen in Neckarsulm und Würzburg. Die wurden eigens für die Kadersportler ausgerichtet, die von den Corona-Beschränkungen ausgenommen sind und unter strengen Vorgaben weiter ihrem Sport nachgehen können.

Und die Leistungen der Erlanger fielen überzeugend aus. Die 16 Jahre alte Kellie Messel übertraf über 100 Meter Brust ihren eigenen bayerischen Rekord. Sie schlug in 1:09,44 Minuten am Beckenrand an. Sie war damit die erste bayerische Schwimmerin, die unter 1:10 Minuten blieb. Nur der WM-Finalistin Anna Elendt (Darmstadt) musste sie sich knapp geschlagen geben.

Erstmals vor der Europameisterin

Die Forchheimerin Annalena Wagner erreichte über 200 Meter Rücken eine persönliche Bestleistung: 2:16,74 Minuten. Damit landete sie erstmals vor der amtierenden Europameisterin Jenny Mensing aus Wiesbaden. Und Nikita Rodenko gewann in Würzburg die 200 Meter Freistil mit einer persönlichen Bestleistung über 1:50,87 Minuten.

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Noch erfolgreicher liefen die Wettkämpfe für zwei Nachwuchsschwimmerinnen: Anouk Walther über 400 Meter Lagen (5:22,90 Minuten) und Nerea Gutierrez über 100 Meter Rücken (1:07,63 Minuten) knackten die Normen, die für die Jugend-Nationalmannschaft gefordert sind. Nun muss sie der Deutsche Schwimmverband auf Empfehlung des Jugend-Bundestrainers nominieren. Normalerweise passiert das auch. "Ich freue mich für die Athleten sehr", sagt Böller. "Die Mannschaft ist hochmotiviert in dieser Situation."

Bald sieben Erlanger im Bundeskader?

Sollten die beiden wie erwartet nominiert werden, würde Erlangen sieben Schwimmerinnen und Schwimmer im Bundeskader stellen – so viele wie kein anderer Standort in Bayern.

Ungeachtet dessen rückt die geplante Schließung des hiesigen Landesstützpunktes am 31. Dezember immer näher. Aus Sicht der Erlanger sind viele Fragen noch ungeklärt. Einen neuen Stand gibt es derzeit aber wohl nicht. "Ich habe vom Bayerischen Schwimmverband nichts Neues gehört", sagt Böller.

"Es geht einem das Herz auf"

Doch zumindest in Erlangen erfährt das Leistungsschwimmen weiter großen Zuspruch. "Wir haben in Erlangen eine riesige Unterstützung. Sowohl was die Stadt und das zur Verfügung stellen von Trainingsflächen angeht. Als auch die Stadtwerke, die uns bei den Hallenmieten entgegengekommen sind", sagt der Trainer.

Auch der Sponsorenpool habe toll reagiert. "Es geht einem das Herz auf, wenn man solche Gespräche führen kann. Da wird einem immer wieder bewusst, welchen Stellenwert das Schwimmen in Erlangen hat und wie groß die Unterstützung dafür ist", sagt Böller. "Wir sind optimistisch, dass wir eine Lösung finden." Nach schweren Wochen zeichnet sich also zumindest eine Perspektive ab.

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