Schwimmen: Lügt der Präsident im Streit um Erlangen?

9.12.2020, 09:00 Uhr
Erfolgstrainer seit mehr als 25 Jahren: Roland Böller hat in Erlangen zahlreiche Spitzenschwimmer trainiert. 

Erfolgstrainer seit mehr als 25 Jahren: Roland Böller hat in Erlangen zahlreiche Spitzenschwimmer trainiert.  © Klaus-Dieter Schreiter

Die Antworten der Nachwuchssportler sind zahlreich und diesmal sogar handschriftlich. Auch das zeigt, wie wichtig ihnen die Sache ist. In einem offenen Brief hatten sie sich an den Bayerischen Schwimmverband (BSV) und seinen Präsidenten, Harald Walter, gewandt. Der Verband möchte den Landesstützpunkt (LSP) in Erlangen zum Jahresende schließen und hat stattdessen bereits einen neuen Stützpunkt in Nürnberg eröffnet.


Kommentar: BSV handelt gegen die eigenen Sportler


Die Schwimmer aus Erlangen aber wollen nicht dorthin wechseln - sie möchten bei ihrem Trainer Roland Böller bleiben, mit dem sie sich in die nationale und internationale Spitze ihrer Altersklassen geschwommen haben. Auf den offenen Brief antworteten Vertreter des BSV, aber nicht Walter persönlich. Viele Fragen seien zudem weiterhin ungeklärt, meinen die Athleten. Sie alle haben ihre Anmerkungen aufgeschrieben, Annalena Wagner ebenso wie Kellie Messel, Nikita Rodenko, Lars Schuseil, Helene Schall und Anouk Walther. Die Antworten liegen der Redaktion vor.

Förderung der Spitzensportler: Die Zeit drängt

Die jungen Sportler fragen sich, warum nicht Harald Walter selbst geantwortet hat. Sie fragen aber auch ganz konkret, warum ihr Trainer nicht mehr Landesstützpunktleiter sein darf oder welche Konsequenzen ihnen drohen, wenn sie nicht am Frühtraining in Nürnberg teilnehmen. Eine offizielle Antwort auf das Schreiben des BSV kam zudem von Matthias Thurek, dem Vereinspräsidenten des Erlanger Turnerbunds. Hier stellt auch er noch einmal weiterführende Fragen, wie das Training und die Förderung der Spitzensportler von Januar an gelöst werden kann. Die Zeit drängt.

Wichtig ist, ob die Athleten weiterhin die Sportförderklassen an der Bertold-Brecht-Sportschule besuchen dürfen und ob für sie ein Frühtraining unter ihrem angestammten Trainer Roland Böller möglich ist. Abermals fordert Thurek den Verband auf, in einen Dialog zu treten. Bislang, betonen Thurek und Trainer Roland Böller, habe es keine Gespräche gegeben - abgesehen vom "Verkündungstermin" im Sommer.

"Kündigung ohne ein persönliches Gespräch"

Der BSV-Präsident hingegen hatte gegenüber unserem Medienhaus erklärt, noch im September mit den Athleten gesprochen zu haben. Diese Behauptung weist der Turnerbund zurück. Harald Walter habe "mit keinem Erlanger Athleten oder Funktionär über die Verlegung des LSP gesprochen", heißt es in Thureks Brief. Genau diese "verwehrte Kommunikation ist die Grundlage der entstandenen Konfrontation".

Roland Böller, der Trainer der Erlanger Spitzensportler, ist ebenfalls fassungslos über die Aussagen von Harald Walter. Mit ihm, betont der Coach noch einmal, habe in dieser Sache noch niemand vom Verband gesprochen. "Es hat mich überrascht, dass mir eine Kündigung überreicht wird über einen Anwalt ohne ein persönliches Gespräch." Böller ist noch bis Ende des Jahres Stützpunktleiter in Erlangen. "Wir können nur immer wieder sagen, dass wir für Gespräche bereit stehen, nur fanden die nicht statt."

"Die Entscheidung liegt bei den Sportlern"

Für den Trainer ist es eine schwierige Situation, schließlich droht ihm der Verlust des Arbeitsplatzes. Am Herzen aber liegen ihm vor allem seine Sportler: "Es ist wichtig, dass man sich wertschätzt", sagt Böller. "Ich bin ja auch von meinen Athleten überzeugt, genauso müssen sie von ihrem Trainer überzeugt sein." Und das sind sie, das sagen die Nachwuchsschwimmer immer wieder. "Die Entscheidung liegt bei den Sportlern. Sie wollen keine neuen Einflüsse, weil sie Erfolg haben. Der Standort Erlangen", sagt Böller, "hat nachgewiesen, dass er Weltklasse-Athleten hervorbringen kann." Im BSV ist man anderer Meinung.

Verzweifeln wird Roland Böller deshalb nicht. Die Unterstützung, finanziell und strukturell, auch von Seiten des Turnerbunds und der Stadt Erlangen, sei aktuell sehr groß. Eine Lösung brauche es nun aber vor allem für das Frühtraining, das für die Spitzenschwimmer neben der Einheit am Abend extrem wichtig ist.

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