Erst 6:0, dann 0:6! Stuttgart deklassiert desaströsen FCN

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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21.6.2020, 17:48 Uhr
Der Beginn des Schützenfests: Silas Wamangituka nutzt einen Margreitter-Blackout und leitet die Club-Klatsche ein.

Der Beginn des Schützenfests: Silas Wamangituka nutzt einen Margreitter-Blackout und leitet die Club-Klatsche ein. © Sportfoto Zink / Daniel Marr

Ruhm ist vergänglich, so ein Abstieg offenbar auch. Dass der 1. FC Nürnberg und der VfB Stuttgart erst im Mai des vergangenen Jahres zusammen die Erste Liga verlassen mussten, ging am Sonntag praktisch unter beim Wiedersehen im Max-Morlock-Stadion. Zu viel stand für beide Mannschaften auf dem Spiel, als dass sich noch irgendjemand für die jüngere Vergangenheit interessierte.


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Ihre Wege trennten sich trotzdem wieder; die einen wollen sofort wieder aufsteigen, die anderen nach diversen Zielkorrekturen nicht absteigen, irgendwie. Nach der auch in dieser Höhe verdienten 0:6 (0:3)-Heimniederlage wird es für den Club am letzten Spieltag in Kiel nochmal richtig eng. Wie gewonnen, so zerronnen - obwohl es nach der zeitgleichen Niederlage von Wehen Wiesbaden (1:3 in Darmstadt) und dem 3:3 der Karlsruher gegen Bielefeld (nach 0:3-Rückstand) nur noch darum geht, mit zwei Punkten Vorsprung auf den KSC (am Sonntag zu Gast in Fürth) irgendwie die Relegation zu verhindern.

Zwei Änderungen hatte Trainer Keller vorgenommen im Vergleich zum angeblich geschichtsträchtigen 6:0 in Wiesbaden am Dienstag. Für Sorg verteidigte wieder Valentini rechts hinten, Nürnberger ersetzte den gesperrten Erras im defensiven Mittelfeld.

0:3 zur Pause

Kurz vor der Pause fragten sich die wenigen Zuschauer, ob das wirklich so eine gute Idee war. Nürnberger hatte im Mittelfeld den Ball verloren und konnte auch den Konter nicht mehr unterbinden; Wamangituka, mit acht Millionen Euro Ablöse teuerster Transfer der Zweitliga-Geschichte, lief auf rechts allen auf und davon und legte auch noch mustergültig in die Mitte, wo Kalajdzic nur noch einschieben musste. Zum 0:3 (41.).

Weil die Nürnberger auch vor dem 0:1 und 0:2 entscheidend gepatzt hatten, durften sie sich ob des deutlichen Rückstands schon zur Pause nicht beschweren. Erst vertändelte Margreitter als letzter Mann die Kugel gegen den pfeilschnellen Wamangituka (11.), eine Viertelstunde später verlor Behrens nach einem Eckstoß das entscheidende Kopfballduell gegen Kempf, Karazor erledigte den Rest.

Keller platzt der Kragen

Der VfB unheimlich effektiv und konsequent, der Club vor allem mit dem Tempo heillos überfordert; Hack (19.) und Frey (28.) schossen mehr oder weniger deutlich vorbei, ansonsten passierte in der gegnerischen Hälfte so gut wie nichts. Und auch in der Rückwärtsbewegung offenbarten die Gastgeber eklatante Schwäche. "Alle so weit weg", rief Torhüter Mathenia nach einer halben Stunde quer über den Platz - und musste wenig später einen Endo-Schuss um den Pfosten lenken.

Das Torverhältnis ist ja gerade auch nicht ganz unwichtig; auf dessen Rettung schien sich der Club vor allem konzentrieren zu wollen nach dem Seitenwechsel, blieb aber weiter hoffnungslos unterlegen. Nach dem 0:4 platzte auch Keller der Kragen: Kalajdzic durfte, nur halbherzig gestört von Nürnberger und Handwerker, noch flanken, innen ging Valentini nicht zum Ball und schaute stattdessen dem heranfliegenden Gonzalez bei seinem wuchtigen Kopfstoß nur zu (52.).

Stuttgart fehlt ein Millimeter zur Bundesliga

Und es sollte so weitergehen. Die 63. Minute: Ecke vom Ex-Nürnberger Klement, Kopfballverlängerung Kaminski, Torschütze erneut Karazor - der wohl noch nie derart unbedrängt abstauben durfte. Vor dem 0:6 hatte auch Kollege Gonzalez erstaunlich viel Platz, gegen seinen Schlenzer war Mathenia wiederum machtlos.

Nürnberg spielte wie ein Absteiger, Stuttgart wie ein Aufsteiger und ist es nach Heidenheims 2:1 in der Nachspielzeit gegen den HSV auch so gut wie, was hinterher zu Jubelszenen auf dem Platz führte. Beim Club dagegen ist tatsächlich noch nichts entschieden. So surreal das auch klingen mag nach einem 0:6.

Nürnberg: Mathenia; Valentini, Sörensen, Margreitter (56. Mühl), Handwerker – Geis, Nürnberger – Dovedan (64. Schleusener), Behrens (64. Zrelak), Hack (86. Heise) – Frey (86. Lohkemper).

Stuttgart: Kobel; Stenzel, Karazor, Kempf (61. Kaminski) – Wamangituka (57. Mola), Endo, Gonzalez – Klement (73. Klimowicz), Mangala – Förster – Kalajdzic (57. Al Ghaddioui).

Schiedsrichter: Jöllenbeck (Weilertal). - Tore: 0:1 Wamangituka (11.), 0:2 Karazor (26.), 0:3 Kalajdzic (41.), 0:4 Gonzalez (52.), 0:5 Karazor (63.), 0:6 Karazor (76.). - Gelbe Karten: Mathenia, Geis / Förster.

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