Froh in Fürth: Green lässt die Vergangenheit ruhen

22.9.2018, 13:22 Uhr
In Fürth und im US-Nationalteam spielt Julian Green sich langsam von seinem Ruf als gescheitertes Talent frei.

In Fürth und im US-Nationalteam spielt Julian Green sich langsam von seinem Ruf als gescheitertes Talent frei. © Sportfoto Zink / MeZi

Sie erdrückten ihn fast, die Mitspieler, die Auswechselspieler, die Betreuer. Alle fielen ihm jubelnd um den Hals. Am 13. Mai 2018 sicherte Julian Green der Spielvereinigung Greuther Fürth mit seinem Tor gegen Heidenheim nach einigem Zittern den Klassenverbleib. Knapp vier Monate später winkt Green ab, wenn er auf den Treffer angesprochen wird. "Klar war es ein schöner Moment. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich daran nicht mehr so oft denke. Im Fußball zählt die Vergangenheit nicht viel."

Er selbst hat das schmerzlich lernen müssen. Mit 16 wechselte er von seinem Heimatverein SG Hausham zum FC Bayern. Mit 18 wurde er Profi, spielte Champions League, schoss bei der WM 2014 für die USA ein Tor im Achtelfinale gegen Belgien. Joachim Löw lobte sein Talent, Pep Guardiola und US-Trainer Jürgen Klinsmann waren seine Förderer.

Doch mit einer Leihe zum Hamburger SV geht es bergab. Trainer Mirko Slomka, der ihn unbedingt wollte, wird eine Woche, bevor Green kommt, entlassen. Bei Nachfolger Josef "Joe" Zinnbauer ist er außen vor. Auch beim VfB Stuttgart, zu dem er 2017 wechselt, kann er sich nicht durchsetzen. In der Nationalmannschaft kommt er nach Klinsmanns Entlassung und seinem Formtief zwischen 2016 und 2018 gar nicht mehr zum Einsatz.

Green muss ein paar Schritte zurückgehen, um wieder nach vorne kommen zu können. Die Leihe nach Fürth in die zweite Liga war der erste Schritt. Der US-Amerikaner bekommt, was er dringend braucht: Trainer Damir Buric macht ihn zum Stammspieler, nie steht dieser Status ernsthaft infrage. "Ich spüre das Vertrauen des Trainers und des ganzen Vereins", sagt Green.

Er zahlt dieses Vertrauen zurück, mit dem wichtigen Tor gegen Heidenheim, aber auch mit der Unterschrift unter einen Vertrag bis 2020. Auch für die Nationalmannschaft hilft es ihm, im Verein jedes Wochenende auf dem Rasen zu stehen.

Unter Nationaltrainer Dave Sarachan kehrt Green 2018 in die Nationalmannschaft zurück. Vier Spiele hat er seitdem gemacht. Zuletzt stand er im September gegen Brasilien (0:2) und Mexiko (1:0) auf dem Rasen. In den US-Medien, die Greens Weg immer noch genau verfolgen, wurde er gelobt. Seine Einwechslung gegen Mexiko sei spielentscheidend gewesen, schrieb etwa das Internetportal Yahoo Sports. Dass er fast alle Positionen in der Offensive spielen kann, tut auch dem US-Team gut. "Seine Variabilität ist seine Qualität", sagt Kleeblatt-Coach Buric.

In Fürth saß Green gegen Kiel nach der Länderspielreise auf der Bank, wegen der Reisestrapazen. Die knapp 21 Minuten Spielzeit, die er bekam, nutzte er aber für seinen ersten Saisontreffer. Das 4:1 grätschte er mit Vehemenz ins Netz.

Das sei natürlich eines der Ziele für diese Saison, sagt er: "Die Torquote, meinen linken Fuß, es gibt viele Dinge zu verbessern." Vor allem wird es darum gehen, seine technischen Qualitäten konstanter auszuspielen. Der Start in die Saison geriet für Green etwas holprig, zu Beginn fehlte ihm manchmal die Anbindung ans Fürther Spiel. Wegen der Länderspiele war er mit zweieinhalb Wochen Verspätung in die Vorbereitung eingestiegen. Das mache ihm nichts aus, sagt er: "Ich fühle mich gut und fit."

Die Ziele bleiben groß

Die Erwartungshaltung hat Green immer begleitet, auch nach Fürth. Er schiebt das beiseite: "Das belastet mich nicht. Das gehört dazu. Die Erwartungen sind immer da. Ich erwarte ja auch selbst viel von mir." Sein Anspruch ist es immer noch, irgendwann wieder in einer der großen Ligen zu spielen. "Da werde ich dranbleiben", verspricht Green.

Doch eigentlich will er gar nicht so weit vorausblicken. Sein Fokus richtet sich auf Sonntag, wenn das Kleeblatt wieder in Heidenheim (Anpfiff 13.30 Uhr) spielt: "Wir tun gut daran, jedes Spiel neu zu sehen." Wenig Sinn mache es, auf die Tabelle zu schauen, in der Fürth auf Platz zwei steht, sagt Green: "Eine Momentaufnahme, darauf dürfen wir uns nicht ausruhen, sondern weiterarbeiten." Die Vergangenheit zählt nicht – nur die Gegenwart. Und die Zukunft. Bei allem, was er in seiner Karriere schon erlebt hat, ist Green doch erst 23 Jahre alt.

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