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Fürths Kunstschütze Green: "Nicht reden, Leistung bringen"

Der Ballstreichler steht persönlich vor einer wichtigen Saison - 06.08.2019 10:44 Uhr

Zu viel Platz sollte man Julian Green zentral vor dem Tor nicht geben. Auf St. Pauli gelang dem Fürther US-Boy ein Traumtor. © Sportfoto Zink


Am Freitag war es wieder mal soweit. Da blitzte die Genialität des schmächtigen Offensiv-Allrounders nicht nur kurz auf, sondern hinterließ mächtig Eindruck. Der technisch versierte Weitschuss zum 3:1 der Fürther entschied nicht nur das Duell mit dem
FC St. Pauli, noch aus einem anderen Grund war Greens erstes Saisontor durchaus bemerkenswert.

Den Fußball, den der Sohn einer Deutschen und eines längst wieder in den Staaten lebenden GIs schon immer am liebsten spielt, ja zelebriert, ist technisch, feingliedrig, geschickt und schlau. Das ist immer wieder schön anzusehen, Fußball für Ästheten. Nur lässt sich sein Stil eher selten als meistens mit den Anforderungen im deutschen Unterhaus in Einklang bringen. "Die zweite Liga ist eine Kampfliga", sagte erst eine Woche zuvor sein Mitspieler Marvin Stefaniak gerade so, als müsste diese nicht eben neue Erkenntnis einem wie Green ins Gedächtnis gerufen werden.

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In Hamburg beherzigte er das Zusammenspiel zwischen Kampf und Kunst: Erst eroberte Green im Mittelfeld entschlossen den Ball, ehe er ihn Sekunden später aus rund 20 Metern ins Tor zirkelte. Für die Balance zwischen feiner Klinge und aggressiver Physis, die Trainer Leitl auch von ihm einfordert, war Fürths dritter Treffer ein Paradebeispiel. "Aus der Tiefe, mit dem Ball am Fuß, das liegt mir", analysierte der US-Nationalspieler.

Stärke in den Zwischenräumen

In Fürth hat auch Stefan Leitl lange gesucht, bis er eine Position gefunden hat, die zu Green passt. Ganz vorne mag er gefährlich sein, mit eher zart anmutenden 69 Kilo bei 1,73 Metern wird es gegen die Innenverteidiger der zweiten Liga, die gut und gerne als Holzfäller durchgehen könnten, aber schwer. Nun kommt seine Spielkultur weiter hinten auf der Doppel-Sechs oder Acht zum Tragen. "Seit dem Trainerwechsel hat sich die Mannschaft weiterentwickelt. Das spürt jeder Einzelne, und das merkt man auch auf dem Platz", findet Green. Gerade im Verbund mit Fußballern, die den Ball wie er beinahe streicheln, wenn er ihnen am Fuß klebt. "Es ist eine Position, auf der er sich wohlfühlt und selbst sieht", schildert der Trainer einen aus Greens Sicht wichtigen Doppelpass.

Am Laubenweg haben sie dem 24-Jährigen inzwischen ein Wohlfühlklima geschaffen, das er so womöglich das letzte Mal in Miesbach oder Hausham hatte, wo er noch als unbedarftes Kind alle anderen wie Slalomstangen stehen ließ. Beim FC Bayern spielte er in der Champions League, wurde ohne Einsatz Meister und Pokalsieger, aber unter Star-Trainern wie Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti doch nicht glücklich. Auch beim Hamburger SV und dem VfB Stuttgart blieb ihm anschließend der Durchbruch verwehrt. Bei allem Talent. Innere Zufriedenheit, Anerkennung, sich verstanden fühlen - das hat Green im Profibereich erst beim Kleeblatt kennengelernt.

Diese Saison könnte seine Saison werden - strenggenommen muss sie es werden. Sein Arbeitspapier in Fürth läuft im Juni 2020 aus, die Verantwortlichen werden unbedingt verlängern wollen. Nur ist auch klar, wohin Green will. "Die höchsten Ansprüche habe ich an mich selbst. Ich    weiß, wo ich schon mal war", deutet er seine Ambitionen auf eine Rückkehr in die Beletage an. Das will er auf dem Platz zeigen. "Nicht reden, Leistung bringen", ist das Credo des stillen Ballstreichlers. 

Florian Pöhlmann

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