Finale in der Champions League steht an

Nach der verlorenen Meisterschaft: Klopp und Liverpool blicken auf den nächsten Titel

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23.5.2022, 05:59 Uhr
In Liverpool möchten sie die Köpfe nicht hängen lassen: Nach der verlorenen Meisterschaft geht es schon am Samstag um den nächsten Titel.

© IMAGO/COLORSPORT / Terry Donnelly In Liverpool möchten sie die Köpfe nicht hängen lassen: Nach der verlorenen Meisterschaft geht es schon am Samstag um den nächsten Titel.

Erst hingen die Köpfe, dann steckten sie wieder singend zusammen: Der rote Rauch der Pyrotechnik hatte sich noch nicht komplett aus den Gassen der Stadt verzogen, da herrschte in Liverpool schon wieder Vorfreude. Der Liverpool FC hatte die englische Meisterschaft - es wäre die 20. der Vereinshistorie gewesen - am Sonntag zwar gerade knapp verpasst, die Stimmung vermochte das aber nur kurz zu schmälern. "We've conquered all of Europe", hallte es da schon wieder aus den altehrwürdigen Pubs und Clubs, in denen einst legendäre Bands wie die Beatles spielten. Europa wollen die "Reds" nun also wieder erobern. Am Samstag, wenn im Finale der Champions League gegen Real Madrid eine ganz besondere Saison mit einem Knall beendet werden soll.

Liverpool träumte in dieser Spielzeit lange vom historischen Quadrupel, vier Titel hätten es für das Team von Jürgen Klopp werden können. Ein Erfolg, den noch kein englisches Team feiern konnte. Doch wieder einmal muss sich Liverpool geschlagen geben, wieder einmal ist es das übermächtige Manchester City, das Klopp in die Suppe spuckt. Wie schon 2019 übertrumpfen die "Sky Blues" eine bärenstarke Saison Liverpools und beenden die Saison mit nur einem Punkt mehr auf dem Konto an der Tabellenspitze. Diesmal dank eines überragenden Ilkay Gündogan, der bei einem Zwei-Tore-Rückstand für City ins Spiel kam, selbiges an sich riss und mit einem Doppelpack spät für sein Team entschied. 3:2 hieß es am Ende für Manchester, drei Punkte, die die Meisterschaft entschieden. "Wir waren nah dran, aber am Ende nicht nah genug", resümierte Klopp auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Ein Gefühl, das sie am Mersey nur zu gut kennen.

Nah dran - aber nicht mehr

Besonders schmerzhaft war diese Erkenntnis, weil der Titel zum Greifen nah war. "City hat eine sehr starke Mannschaft und ich erwarte nicht, dass sie Punkte verlieren", betonte Klopp im Vorfeld, als er die Meisterchancen seines Teams einmal mehr gekonnt niedrig zu halten versuchte. Tatsächlich war die Chance auf den 20. Meistertitel in der Vereinshistorie aber da, spätestens, als Aston Villa bei Manchester City zwischenzeitlich mit 2:0 in Führung ging. Weil es Liverpool aber bis kurz vor Schluss verpasste, gegen Wolverhampton selbst in Führung zu gehen, gelang ihnen nur das Kunststück, über weite Strecken des Spiels gefühlt näher am Titel gewesen zu sein als Manchester City, ohne sich in der Live-Tabelle auch nur eine Sekunde auf Platz eins zu schieben.

Wieder aufzustehen, nachdem man am Boden liegt, gehört aber zu den Kernkompetenzen dieser Stadt. Politische Entscheidungen sorgten dafür, dass Liverpool in der Vergangenheit eine Stadt war, die von Armut und Kriminalität geprägt war. Heute sind es die Kultur, die offenherzige Art der Menschen und der Fußball, die das Bild der Stadt zeichnen. Für das Team von Klopp liegt der Fokus nun schon wieder ganz auf dem Samstag. Sechsmal gewannen die "Reds" bereits die Champions League respektive dessen Vorgängerwettbewerb, der Hunger nach Titeln ist noch lange nicht gestillt. "Die Liga verloren zu haben vergrößert die Sehnsucht, es nächste Woche wieder geradezurücken", erklärte Klopp am Sonntag. Ein Selbstverständnis, das zeigt, weshalb der Klub aus dem Nordwesten Englands unter dem charismatischen deutschen Trainer derzeit so erfolgreich ist wie schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr.

"I'm so glad that Jürgen is a red" ("Ich bin so froh, dass Jürgen ein 'Red' ist"), heißt es in einem Song der Fans, den sie ihrem Erfolgstrainer gewidmet haben und der in den Pubs immer wieder mit Inbrunst angestimmt wird. Auch im rot-weißen Pub und Fußballparadies "Jürgen's", das nicht nur zufällig so heißt wie der Mann, der den schlafenden Riesen der Fußballwelt wieder zum Leben erweckte. In einer Stadt, die ihre Helden mit unerreichter Leidenschaft verehrt, hat der 54-Jährige einen ganz besonderen Platz in den Herzen der Fans inne. Schon am Samstag kann er weiter am Legendenstatus arbeiten - und in den Straßen und Gassen der Stadt einmal mehr dafür sorgen, dass die Köpfe nicht mehr hängen, sondern singend zusammengesteckt werden.

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