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Großzügige Raten: Bamberg steht trotz Brose-Rückzug gut da

Für die Basketballer geht der Spielbetrieb im Juni wieder los - 17.05.2020 12:01 Uhr

Erster Gratulant am Spielfeldrand: Bilder wie dieses aus dem Jahr 2017 gibt es nur noch auf absehbare Zeit, Michael Stoschek zieht sich mit Brose zurück.

© Foto: Hans-Martin Issler/Zink


Ab dem heutigen Samstag ist bei Bambergs Basketballern die Kurzarbeit offiziell beendet. Nach zwei Monaten Pause versuchen sich die Spieler wieder in Wettkampfform zu bringen, im Juni soll die Bundesligasaison mit Hilfe eines aufwendigen Hygienekonzepts und in Form eines Turniers zu Ende gebracht werden. Bis auf die verletzten Bryce Taylor und Louis Olinde sowie den nicht mehr aus den USA zurückbeorderten Darion Atkins sind alle Spieler mit dabei, auch Elias Harris, der sich gegen die kurzfristige Gehaltsreduzierung gesträubt hatte.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Presseabteilung des Hauptsponsors wiederum dürften bereits in den vergangenen Tagen genug zu tun gehabt haben. Weil er mehr Unterstützung für die Autoindustrie fordert, hatte Brose-Chef Michael Stoschek einen sogenannten Brandbrief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder verfasst, am Freitag teilte er dann auch noch mit, dass sich das Unternehmen zum 30. Juni als Gesellschafter beim neunmaligen deutschen Meister zurückzieht.

Als "Paukenschlag" und "Schock" wurde die Nachricht auf diversen Portalen verbreitet, in Bamberg war man von dem Schritt allerdings nicht wirklich überrascht. Immer wieder hatte Stoschek in den vergangenen Jahren nicht nur angedeutet, sein Engagement zu reduzieren, die aktuellen Umstände haben diesen Prozess nun beschleunigt. "Die massiven Veränderungen in der Automobilindustrie, verstärkt durch die Nachfrageeinbrüche als Folge der Corona-Virus-Maßnahmen", nannte Stoschek als Gründe für den Rückzug, selbst dem als durchsetzungsstark bekannten Patriarchen dürfte es zunehmend schwer gefallen sein, das Sponsoring zu begründen.


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Im Oktober hatte das Unternehmen bekannt gegeben, in den kommenden zwei Jahren 2000 Stellen zu streichen, nun will Brose die "Sponsoringaktivitäten deutlich reduzieren" und kommt dabei natürlich auch an der "größten Einzelposition", den Bamberger Basketballern, nicht vorbei. "Der Betrieb einer Profisportorganisation", ließ Stoschek gestern ausrichten, "gehört nicht zu den Kernaufgaben eines Automobilzulieferers."

Eine leichte Entfremdung

Vor drei Jahren hatte der Vorsitzende des Aufsichtsrates sogar noch die Privatschatulle großzügig geöffnet. Mit einem Etat von über 20 Millionen Euro wollte Stoschek die Oberfranken unter die europäischen Basketball-Metropolen bringen und in der Bundesliga den Emporkömmling FC Bayern München hinter sich lassen.

Als sich die Investitionen aber nicht eins zu eins in sportlichen Erfolg umwandeln ließen und die Fans das ständige Drücken des Resetknopfs sowie die Machtkonzentration zunehmend kritisch bewerteten, ließ sich eine leichte Entfremdung beobachten. War Stoschek in den Meisterjahren noch erster Gratulant am Spielfeldrand und persönlicher Chauffeur für die Trophäen, die in schöner Regelmäßigkeit von der Brose-Arena zum Maxplatz transportiert wurden, hatte sich der 72-Jährige zuletzt nicht mehr ganz so häufig mit Fanschal ablichten lassen.


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Man müsse nun, so formulierte es Geschäftsführer Arne Dirks, "die seit Anfang 2019 eingeleitete Konsolidierung in großen Schritten vorantreiben". Der Suche nach einem neuen Gesellschafter hat sich Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke ob der "Bedeutung des Basketballsports" für die Stadt höchstpersönlich angenommen.

In Panik dürfte noch niemand verfallen, der Rückzug ist ein Rückzug auf Raten – auf großzügigen Raten. In den nächsten drei Spielzeiten bleibt Brose Hauptsponsor. Mit dem mutmaßlich mittleren siebenstelligen Betrag dürfte der Klub in der aktuellen Situation, vor allem im Vergleich zur Konkurrenz, immer noch sehr gut dastehen.

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