Vierte nach langer Pause

Gutes Comeback mit dem Bogen nach schwerem Unfall

Holger Peter
Holger Peter

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3.8.2021, 13:10 Uhr
Andrea Lerzer ist zurück am Bogenschießstand.

Andrea Lerzer ist zurück am Bogenschießstand. © privat, NN

Am 30. Oktober 2020 hatte die 51-Jährige einen schweren Autounfall. Dass das HWS-Trauma sie sportlich sieben Monate lang außer Gefecht setzen würde, hatte sie anfangs nicht für möglich gehalten. "Alltagstauglichkeit und Sporttauglichkeit sind halt doch zwei verschiedene Dinge", erzählt sie.

Im Juni konnte die Bayerische Meisterin von 2019 endlich wieder zu ihrem geliebten Recurvebogen greifen - und nun gab sie am Ort ihres größten Erfolges ihr Wettkampf-Comeback. In München-Hochbrück wurde sie immerhin Vierte mit 589 Ringen im Kreis der bayerischen Elite. "Damit muss ich einfach angesichts der Umstände zufrieden sein", räumt sie ein.

Denn nicht nur der eigene Trainingsrückstand bremste sie in ihrem Tatendrang, sondern auch die Tatsache, dass gleich zwei Beinahe-Olympiastarter aus dem Nationalkader am Start waren. Nach den üblichen 72 Schuss lag das Duo erwartungsgemäß deutlich vorne. Normalerweise hätten die besten Acht nun im Duell "Frau gegen Frau" den Titel ausgeschossen, mit kurzen Sätzen, was Andrea Lerzer entgegenkommt. "Ich liebe diesen Modus, kann dann auch mal die Favoritinnen ärgern." Aber corona-bedingt entfielen die "Playoffs" heuer.

Weisheitszahn verhindert Start

Ihre Teamkameradin Ina Seifert von den Bogenschützen Neumarkt wurde gute Zehnte mit 533 Ringen, eine Damenmannschaft konnte der Verein nicht stellen, weil Sara Wexler privat verhindert war. "Sonst hätten wir wohl gewonnen."

Bei den Männern musste Erik Kohler passen, weil ein Weisheitszahn heftige Schmerzen verursachte. Sebastian Oed feierte eine Premiere bei der "Bayerischen" und landete im Mittelfeld.

So sorgte ein "halbes" BS-Mitglied für das Neumarkter Top-Ergebnis. Andreas Kohl startet noch für Beratzhausen, trainiert aber schon seit eineinhalb Jahren in Neumarkt und wird demnächst auch den Verein wechseln, um im Zweitligateam der BS anzutreten. In München erwischte er einen Glanztag, wurde Fünfter mit persönlicher Bestleistung von 634 Ringen - auch hier waren drei Nationalkaderschützen, darunter ein Europameister angetreten.

Echte Verstärkung

Kohl ist definitiv eine Verstärkung für das Neumarkter Team und wie Andrea Lerzer ein Freund der direkten Duelle. Und diese werden in der Zweiten Liga auch geschossen. In Dreier-Teams, wie man es derzeit aus dem Fernsehen kennt. Da sind Zeit- und Leistungsdruck starke Faktoren.

Dass eine Weltklasseschützin wie Lisa Unruh unter diesem Stress den Finaleinzug vergab, kann Andrea Lerzer bestens nachvollziehen: "Dass auch solche Stars mal nur eine Zwei treffen, ist zwar selten, aber es passiert jedem mal. Da geht entweder mental oder körperlich - beispielsweise durch eine Windböe - die Kontrolle über den Schuss verloren. Beim Bogenschießen lernt man Demut."

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