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Hack ist nur noch Fan: Das Kleeblatt sucht sich selbst

Bei der Spielvereinigung gibt es nicht nur keinen Kuchen mehr - 04.06.2019 09:50 Uhr

Kommt nur noch als Fan in den Ronhof: Helmut Hack. © Sportfoto Zink / WoZi


Im Ronhof kann man Helmut Hack noch regelmäßig treffen: als Zuschauer auf der Haupttribüne. Ansonsten hält sich der Ex-Präsident und Geschäftsführer aus dem Tagesgeschäft bei der Spielvereinigung raus. "Er mischt sich nirgends ein. Er hat angeboten, dass er da ist, wenn wir ihn brauchen. Es ist ein harmonisches Verhältnis, wie ich es mir gewünscht habe", sagt sein Nachfolger als Präsident, Fred Höfler.

Mehr als nur kein Kuchen mehr  

Geändert haben sich auf den ersten Blick nur wenige Dinge. Kuchen für Mannschaft und Medienvertreter, gebacken von Hacks Frau Karin, gibt es keine mehr. Aber der Eindruck täuscht. Der Rücktritt von Hack nach 22 Jahren im vergangenen Sommer war eine Zäsur.

Das Führungsteam um die beiden Geschäftsführer Holger Schwiewagner und Rachid Azzouzi, beide von Hack als Nachfolger aufgebaut, musste sich zum ersten Mal alleine beweisen. Gemessen an den Voraussetzungen hätte die Premieren-Spielzeit schlechter laufen können.

Mit der Ämtertrennung von Geschäftsführer und Präsident und der Stärkung des Aufsichtsrates hat die Spielvereinigung zeitgemäßere Strukturen bekommen. Das Scouting wurde neu aufgestellt. Befürchtungen über Unruhe im Verein bewahrheiteten sich nicht. Nach außen tritt das neue Kleeblatt harmonisch auf, manchmal zu harmonisch. Hack war auch einmal für ein öffentliches Donnerwetter gut, wenn es nicht lief.

Dass das selbst nach Auftritten wie dem 0:4 gegen den 1. FC Köln ausblieb, brachte der Geschäftsführung den Vorwurf der Schönrednerei ein. Azzouzi will das nicht so stehen lassen: "Man muss uns an dem messen, was wir leisten können. Du kannst nicht mit einem Käfer in der Formel 1 fahren und denken, du gewinnst jedes Rennen." Der Hinweis auf die wirtschaftlichen Verhältnisse verdeutlichtet, dass Hack seinen Nachfolgern nicht nur "einen top funktionierenden Verein" (Höfler) übergeben hat, sondern einen, der sich seinen Platz im Profifußball auch kommende Saison erkämpfen muss.

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Manche Ziele - etwa den Kader besser zusammenzuhalten - sind nach wie vor schwer umzusetzen. Mit Mario Maloca hat das Kleeblatt ein wichtiger Spieler verlassen, Richard Magyar könnte folgen. Linksverteidiger Maximilian Wittek soll Gespräche mit Interessenten führen. Zumindest in der Abwehr wäre Kontinuität so nicht möglich. Das Kleeblatt ist aber auf Transfererlöse angewiesen.

Antrieb nach oben 

Dass man die Spielzeit nach gutem Start nur auf Platz 13 abgeschlossen hat, tut finanziell weh – allein durch den Aufstieg des SC Paderborn fehlen knapp eine Million Euro an Fernsehgeld. Schon einen sportlichen Etat aufzustellen, der wie zuletzt zwischen neun und neuneinhalb Millionen Euro liegen soll, erfordert Einsparungen und etwas riskantere Planung. Es geht darum, nicht weiter abzurutschen. "Wir haben den Antrieb, den Verein nach oben zu bringen. Aber das geht nicht von heute auf morgen", sagt Azzouzi. Um sich aus der Abhängigkeit von den Fernsehgeldern zu lösen, muss das Kleeblatt andere Felder beackern. Die Möglichkeiten, Sponsoren zu finden, sind nicht ausgereizt, aber begrenzt. "Es gibt das eine oder andere Fürther Familien-Unternehmen, dem ich mehr Herz für die Spielvereinigung wünschen würde", sagt Höfler: "Aber wir arbeiten an diesen Themen." Offenbar mit ersten Erfolgen. "Wir sind für kommende Saison sehr optimistisch, was die Vermarktungserlöse angeht", sagt Schwiewagner.

Erfolge für das NLZ

Was dem Führungsteam Freude macht, ist das Nachwuchsleistungszentrum unter Mirko Reichel und Jürgen Brandl: Die U17 und die U 19 sind zurück in die Junioren-Bundesliga aufgestiegen. Für Fürth, das lange vom Ruf des Ausbildungsvereins gelebt hat, zwei Prestige-Erfolge nach der Umstrukturierung des NLZ.

Nun muss sich zeigen, ob die Entwicklung nachhaltig ist. Bei der Durchlässigkeit von der Jugend zu den Profis sah es zuletzt nicht gut aus. Egal ob Dominik Schad, Benedikt Kirsch, Patrick Sontheimer oder Daniel Steininger - zuletzt ist keinem Eigengewächs mehr der dauerhafte Durchbruch gelungen. Die Frage nach der Identität des Vereins treibt viele Fans um. Der Rücktritt Hacks hat für Aufbruchstimmung gesorgt – auch wenn es um den Wunsch zur Rückkehr zum alten Vereinsnamen geht. Trotz Versuchen, den Konflikt wegzumoderieren, ist das Engagement der Anhänger in der Sache nach wie vor groß.

Der Streit begleitet das Kleeblatt seit Hack – sowie die Erwartungshaltung mancher Fans. Azzouzi glaubt, dass der hohe Anspruch auch zu seiner Zeit als Spieler nie anders war: "Wir sind Fünfter oder Sechster geworden, und es hat nie ausgereicht. Warum denn nicht - als Greuther Fürth?" Manche Dinge ändern sich eben nicht so schnell. 

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