Unnötiges 27:34 in Nürnberg

Ein Abend, an dem mehr drin war: Der HCE verliert gegen Kiel - und damit erstmals daheim

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

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16.11.2022, 22:28 Uhr
Auch Christoph Steinerts Treffsicherheit half dem HCE gegen die Zebras letztlich nicht. 

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Auch Christoph Steinerts Treffsicherheit half dem HCE gegen die Zebras letztlich nicht. 

Eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlen würde gegen den THW Kiel, hatte sich Raul Alonso, der Trainer des HC Erlangen, schon vor dem Spiel gemacht. "Ich freue mich auf eine tolle Stimmung und eine volle Halle", ließ Alonso - von 2010 bis 2015 selbst Jugendkoordinator und Co-Trainer beim Branchenprimus - vor der Herkulesaufgabe ausrichten. Auch wenn die Stimmung noch toller und die Halle noch voller war, reichte den bis Mittwoch im Liga-Betrieb ungeschlagenen Erlangern eine engagierte und vor allem im ersten Durchgang begeisternde Leistung nicht, um gegen den Rekordmeister die Sensation zu schaffen. 27:34 (16:16) hieß es aus HCE-Sicht am Ende einer intensiven Auseinandersetzung.

Metzner fehlt

Der HCE startete ohne Antonio Metzner, der sich den Daumen gebrochen hat, aber mit viel Courage in das Duell mit dem THW. Die Partie begann gut für Erlangen, Johannes Sellin, der sich bei einem Gegenstoß rasch vorne postiert hatte, erzielte die Führung. Noch besser hätte die Partie für den HCE weitergehen können, hätte Sellin, der in der Folge binnen kurzer Zeit zweimal am reaktionsschnellen Niklas Landin scheiterte, das 2:0 folgen lassen. Oder Christopher Bissel, der nicht am Kiel-Keeper, wohl aber am linken Innenpfosten verzweifelte.

Die Hausherren hielten sich, was schön war, dennoch im Vordertreffen. Der HCE profitierte von Heinys Dynamik, Zechels Wühlen am Kreis und einem früh bereits gut aufgelegten Christoph Steinert. Als Bissel einen Gästespieler bei einem Gegenstoß zur Slalomstange verwandelt und den Ball ins Tor gewuchtet hatte, führte der Erlangen im Dauerapplaus seiner Fans 8:5 (13.).

Sogar Ferlin trifft

Büdels Wurf ins leere Tor zum 9:6 erhöhte die gute Laune in der Arena. Die kochte vollends, als Torwart Klemen Ferlin eine von Miha Zarabec abgefeuerte Kugel festhielt und im verwaisten Gäste-Gehäuse platzierte, 15:13 (27.). Büdel ließ im Klatschpappengewitter das 16:13 folgen. Der HCE hätte zur Pause führen können, sogar müssen. Da er einige gute Gelegenheiten auch in der Schlussphase des ersten Spielabschnitts nicht nutzte, blinkte vom Videowürfel am Kurt-Leucht-Weg aber ein 16:16.

Nach einem schlechten Start in den zweiten Spielabschnitt und drei Kieler Treffern in Serie, war wichtig, dass Steinert und Heiny dem Starensemble antworteten. Einem handlungsschnellen Bissel, der nach einer erneut vergebenen Sellin-Chance, Landin per Trickwurf narrte, gelang dies ebenfalls. Und dennoch zog der große Favorit, in 14 Bundesliga-Vergleichen hatte der HCE noch nie gegen Kiel gewinnen können, nun mit gnadenloser Konsequenz davon.

Klatschen und keine Erniedrigung

Nach einer knappen Dreiviertelstunde führte der THW, auch weil Erlangen bei Abspielen und Abschlüssen schluderte, mit 25:19, hielt auch später noch einen Sechs-Torre-Vorsprung aufrecht. Das Publikum versuchte, dem HCE Mut einzuimpfen. Klatschte weiter, trommelte beharrlich. Kurz nachdem auch der junge Stephan Seitz von der Rechtsaußen-Position an Landin gescheitert war, führte Kiel 29:21.

Das Spiel war längst entschieden. Sich erniedrigen lassen, wollte sich Erlangen aber nicht. Und bemühte sich vor 5768 Zuschauern im restlichen Verlauf einer nach der Halbzeit doch einseitigen Partie noch ansehnlich um Ergebniskosmetik. Eine Vorstellung davon, wie sich ein Sieg gegen Kiel anfühlen könnte, hatte der HCE im ersten Durchgang gewonnen.

HC Erlangen: Ferlin (1); Steinert (10/4), Heiny 3, Büdel 3, Zehnder 3, Bissel 3, Zechel 2, Jeppsson 1, Sellin 1.

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