Willensstarker HCE landet imposanten Auswärtssieg

Energiegeladen auch in Lemgo: Erlangen bleibt in der Erfolgsspur

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

zur Autorenseite

30.4.2022, 20:10 Uhr
Kam wie sein HCE in Lemgo etwas spät, aber dann doch gewaltig in Fahrt: Simon Jeppsson. 

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Kam wie sein HCE in Lemgo etwas spät, aber dann doch gewaltig in Fahrt: Simon Jeppsson. 

Kilometer hat der HCE zuletzt einige gemacht. Auf der Straße ebenso wie auf der Platte. "Wieviel noch im Tank ist", sagte Raul Alonso nach Erlangens Energieleistung gegen Melsungen, werde man allerdings erst am Spieltag sehen. Und meinte damit nicht den Mannschaftsbus, mit dem man keine elf Stunden nach dem 32:31-Heimsieg aufbrach in Richtung Lemgo.

Beim dort ansässigen Turn- und Ballspielverein, wie Erlangens Vorzeigeklub eine Woche zuvor noch beim Final-Four-Turnier in Hamburg vertreten, sah es am Ende eines energiegeladenen Auftritts wiederum gut aus für die fränkische Reisegemeinschaft. Von der Tankanzeige in der Lipperlandhalle? Blinkte am Samstag ein 33:27 (15:18) für die Gäste, durch das der HCE im Bundesliga-Ranking bis auf einen Platz an den Tabellenzehnten heranrückt.

Schlampigkeiten, Gesprächsbedarf und Cederholm

Keine 48 Stunden nach dem Melsungen-Spiel präsentierte sich Erlangen anfangs auch gut erholt von den zurückliegenden Strapazen. Der gegen die Nordhessen bravourös haltende Klemen Ferlin parierte gegen Lukas Zerbe, Nico Büdel brachte den HCE behauptungsstark in Front. Im Fortlauf schlichen sich in den Offensivvortrag allerdings Schlampigkeiten ein. Der TVB Lemgo Lippe ließ sich nicht lumpen. Und nach leichtfertigen Erlanger Ballverlusten und zwei Treffern des flinken Bjarki Mar Elisson bei Tempogegenstößen drei Treffer folgen. Beim Stand von 2:5 aus Erlanger Sicht erkannte HCE-Coach Alonso endgültig Gesprächsbedarf, monierte die Fahrigkeit im Vorwärtsgang. Und forderte mehr Aggressivität von seinem Team. Es folgte: Lemgos sechster Treffer, nach einem einfachen Ballverlust und einem schnellen Gegenstoß.

Dennoch kam der HCE nach einem kurzen Zwischenhoch und Treffern von Olsson, Firnhaber und Overby wieder auf 5:6 heran. Der Treibstoff sollte Erlangen zunächst jedoch nicht reichen, um der Partie eine komplette Wende zu geben. Während Simon Jeppsson als Torschütze erst einmal nicht in Erscheinung trat, waren es auf der Gegenseite immer wieder Elisson und der überragende Andreas Cederholm, die das Spielgerät ins Netz beschleunigten. Als der Schwede in Überzahl zum 13:8 traf, war der TBV fünf Tore vorne. Als Cederholm vier Zeigerumdrehungen später das 15:10 markierte, war dies der achte Treffer des Lemgoer Langhaarträgers.

Zechel und Pause

Doch der HCE? Biss sich trotz fortwährender Ungenauigkeiten und Unterzahlen ins Spiel zurück. Jeppsson traf endlich, Kim Sonne-Hansen, anstelle von Martin Ziemer als Ferlin-Ersatz im Gäste-Gehäuse nun, parierte binnen kurzer Zeit zweimal brillant. Tim Zechel organisierte mit der Schlusssirene des ersten Durchgangs das 15:18, das den HCE mit Blick Hälfte zwei in Schlagdistanz hielt.

Mit vollem Tank und dem festen Willen, der Partie nun eine Wendung zu geben, startete Erlangen nach Wiederbeginn. Bissel scheiterte im Eins-gegen-Eins zunächst noch an Lemgos eingewechselter Nummer zwei, Finn Zecher. Beförderte den Ball dann aber brachial durch dessen Hände hindurch zum 16:18. Und ließ wenig später den Anschlusstreffer folgen. Sellin verantwortete das 18:18.

Sonnenschein in der Lipperlandhalle

Das Momentum war jetzt auf Erlanger Seite, bald jedoch wieder Lemgo vorn. Auch wenn Jeppsson an Zecher scheiterte und Link bei Lemgoer Unterzahl das Tor verfehlte, war der HCE von seinem Erfolgsweg nun nicht mehr abzubringen. Während den Hausherren Kräfte, Ideen und Mittel schwanden, holte der HCE den Reservekanister raus. Mit vollem Einsatz wühlte und kämpfte er in der Abwehr, schmiss sich an die Seitenlinie und leitete so den Gegenstoß ein: Firnhaber bediente Sellin, drin! Kim Sonne-Hansen beeindruckte auf der Gegenseite mit einer Doppelparade. Nach Simon Jeppssons energiegeladenem Abschluss führte Erlangen wieder mit zwei Toren. Es wurde leise in der Lipperlandhalle. Und wieder laut, als nach Firnhabers Versuch eine knappe Viertelstunde vor Schluss das Leder von der Unterkante der Latte ins Feld zurücksprang und Elisson zum 24:24 traf.

Clevere und gut eingestellte Erlanger verließen die Siegerstraße im Anschluss trotzdem nicht. Gegen nun fehlerhafte Gastgeber, bei denen Cederholm jetzt blass blieb, sorgte Steinert vom Siebenmeterstrich für eine erneute Zwei-Tore-Führung, Metzner erhöhte auf 29:26 (54.).

Und es wurde noch besser: Sonne-Hansen ließ Elisson verzweifeln, Steinerts Siebenmeter bedeutete, dass Erlangen vier Treffer vorne war - und Lemgo völlig von der Rolle. Büdel schnappte sich das Spielgerät nach einem Missverständnis von Elisson und Zerbe, Metzner, der anschließend angeschlagen ausgewechselt werden musste, beseitigte vier Minuten vor Schluss die Restzweifel am HCE-Erfolg.

Das Schlusswort? Hatte Jeppsson nach Steinerts tollem Kempa-Pass. 33:27! Es war ein eindrucksvoller Erfolg der Erlanger, der zugleich den ersten Auswärtssieg seit November und die dritte Maximalausbeute in der Liga in Serie bedeutete. Die HCE-Spieler hüpften. Und freuten sich sicher schon auf die Rückfahrt nach Erlangen.

Keine Kommentare