Verdienter 29:26-Heimsieg

Entfesselter HCE kegelt Flensburg aus dem DHB-Pokal

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Peter Schulze-Zachau

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6.10.2021, 21:14 Uhr
Gewinner-Lächeln: Johannes Sellin und sein HC Erlangen haben die SG Fensburg-Handewitt aus dem Pokal geworfen.

Gewinner-Lächeln: Johannes Sellin und sein HC Erlangen haben die SG Fensburg-Handewitt aus dem Pokal geworfen. © Sportfoto Zink / Oliver Gold, Sportfoto Zink / OGo

Was den Fußballern Berlin, ist den Handballern Hamburg. Sehnsuchtsort für Fans und Sportler, der Lohn einer langen Saison, die Stadt, in der der auch im Handball prestigevolle Titel Pokalsieger vergeben wird. Einmal wird das noch passieren, am 24. April 2022, danach ist Schluss mit Hamburg. Der Arena dort, so begründete es Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga kürzlich ziemlich unverblümt, habe "man angemerkt, dass sie nicht so viel in den Sport investiert hat." Ab 2023 gibt es den DHB-Pokal nur noch in Köln, wo auch schon die Champions League ihren Sieger kürt. Die SG Flensburg-Handewitt war schon in Hamburg, sie war schon in Köln, sie war dreimal deutscher Meister, viermal Pokalsieger und einmal auch Europas Bester Klub.

All das hat sie dem HC Erlangen voraus, all das spielte aber am Mittwochabend in der Arena Nürnberger Versicherung keine Rolle, als sich die beiden Teams in der zweiten Runde des DHB-Pokals gegenüberstanden. Auf dem Weg nach Hamburg. Die jüngere Vergangenheit dürfte hingegen schon eine Rolle gespielt haben, es war keine vier Wochen her, da hatte die Mannschaft von Trainer Michael Haaß in der "Hölle Nord" ein beachtliches 27:27 geholt und die Flensburger mussten zugeben, dass sie sich eigentlich ein anderes Los für den Pokal gewünscht hatten.

Vor den Augen von Club-Vorstand und -Trainer Dieter Hecking und Robert Klauß tat sich der HCE gegen eine enorm kompakte Gäste-Deckung zunächst schwer, ließ den Ball immer wieder von einer Seite zur anderen wandern, ohne eine Lücke zu finden. Die Flensburger und ihr Weltklasse-Lückenfinder Jim Gottfridson kamen mit dieser Übung etwas besser zurecht, nach zehn Minuten führten sie mit 6:4.

Dass Hecking und Klauß beim Zusehen keine Masken tragen mussten, obwohl sie sicher nicht dem selben Hausstand angehören, nennen sie beim HC Erlangen vollkommen berechtigt "Normalzustand". Dem hatten sie in den letzten Monaten stets entgegengefiebert, am Mittwochabend stellte er sich ein: Masken- und Abstandsregeln waren aufgehoben, nicht wenige der 1853 Besucher gönnten sich sogar ein alkoholisches Kaltgetränk. Handball, wie er sein sollte - auch auf dem Platz: Dort hatte Christopher Bissel nach 15 Minuten das Ergebnis für die Hausherren gedreht. 8:7. Time-Out Flensburg.

Half nur nicht viel, auch dass die Gäste nun mit sieben Mann angriffen, wusste die Mannschaft von Trainer Michael Haaß zu verteidigen. Zumal sich die Flensburger mit Zeitstrafen selbst schwächten. Erlangen verteidigte konzentriert, Klemen Ferlin im Tor hielt viel und auch einen Siebenmeter, vorne klappten die angesagten Spielzüge. In dieser Phase wirkte der HCE unbesiegbar. Mit einer 16:12-Führung und stehenden Ovationen ging es in die Pause. Und das alles ohne einen einzigen Treffer des sonst so sicheren Simon Jeppsson.

Nach einem Steal von Bissel baute Johannes Sellin in Unterzahl die Führung per Doppelschlag gar auf 22:16 (39.) aus und als dann auch noch Jeppsson zum ersten Mal traf schien nichts, gar nichts, den HC Erlangen an diesem Abend stoppen zu können. Als Christoph Steinert zum ersten Mal Nerven zeigte und einen Siebenmeter verwarf, parierte ihm Ferlin dafür direkt zwei freie Flensburger Würfe. Dreizehneinhalb Minuten vor dem Ende hatte der Erlanger Keeper über 43 Prozent der Bälle auf sein Tor entschärft, als sich Flensburgs Trainer Maik Machulla angesichts eines Sechs-Tore-Rückstands gezwungen sah, seinen Männern in einer Auszeit Lösungen aufzuzeigen.

Als Jeppsson knapp fünf Minuten vor der Schlusssirene per Kempa-Trick zum 28:23 traf, glaubten Haaß, Machulla, Klauß, Hecking und überhaupt die 1853 in der Arena an die Überraschung. Der HCE bezwang den Vizemeister vollkommen verdient, fast schon souverän mit 29:26. Und ist Hamburg plötzlich deutlich näher. Wer hätte das gedacht.
Erlangen: Ziemer, Ferlin; Sellin 3, Jaeger, Overby 2, Marschall, Firnhaber 3, Büdel 4, Bissel 3, Metzner, Link, Jeppsson 5, Steinert 9/5, Leban, Olsson, Zechel.

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