Erlangen feiert den Einzug ins Final-Four-Turnier

Kraftakt in Gummersbach: Der HCE schafft Historisches im Pokal

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Online-Redaktion, Sport

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5.2.2022, 19:57 Uhr
Durchgesetzt! Der HCE von Simon Jeppsson behauptete sich im Pokal-Viertelfinale am Ende doch gegen resolute Gummersbacher. 

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Durchgesetzt! Der HCE von Simon Jeppsson behauptete sich im Pokal-Viertelfinale am Ende doch gegen resolute Gummersbacher. 

Einfach würde sie nicht werden in der Schwalbe-Arena. Die Aufgabe, die auf die von Raul Alonso angeleiteten Erlanger wartete. Das wussten sie bereits im Vorfeld. Der VfL Gummersbach sei “alles andere als ein klassischer Zweitligist“, hatte Erlangens Interimscoach und Sportdirektor gesagt. Zwölfmal Meister, fünfmal Pokalsieger, mehrmals - zuletzt 2011 - Titelträger in europäischen Klubwettbewerben, dazu souveräner Spitzenreiter im Liga zwei und mit einer fantastischen Heimbilanz und 1240 Zuschauern im Rücken: Der HCE versuchte all dies mit Blick auf den Verein für Leibesübungen von 1861 wegzudrücken, die von Alonso geforderte "bestmögliche Tagesform zu erreichen". Es gelang ihm zu Beginn allerdings selten.

Zupackende Hausherren legen vor

In einer zerfahrenen Anfangsphase warteten die Gäste in Person Klemen Ferlin zwar mit einer schönen Fußabwehr auf, kurz danach zählte auch ein Prachtwurf von Julian Köster, neben Erlangens Christoph Steinert eine der schönen EM-Überraschungen, nicht. Eine Kollege des Shootingstars war durch den Kreis gelaufen. Ausgeglichen hatte der VfL gleichwohl, nachdem Janko Bozovic mit Glück und Geschick vor Vier-Minuten-Frist den Ball von der Siebenmeterlinie am HCE-Torwart vorbeibefördert hatte.

Die Hausherren präsentierten sich zupackend in der Abwehr, die Erlanger im Spiel nach vorne vielfach aber auch zu ungeschickt. Als Gummersbach dem Ex-Gummersbacher Steffen Fäth zu viel Freiraum gestattete, war der HCE trotzdem mit 2:1 vorne. Weitere Führungen sollte der Bundesligist in einem aus seiner Sicht durchwachsenen ersten Durchgang kaum mehr verzeichnen. Johannes Sellin tat dem HCE gut, als es bei schnellen Gegenstößen galt, Tore zu machen, was Sellin auch tat. Und dennoch setzten sich aktive Gastgeber Mitte der ersten Hälfte ab. Nachdem der starke Tibor Ivanisevic im Gummersbacher Gehäuse gegen Steinert pariert und auf der Gegenseite der Isländer Ellidi Snaer Vidarsson auf 12:9 gestellt, reagierte Alonso mit einer Auszeit. Eine weitere Parade von Ivanisevic und einen Treffer von Fynn Herzig später war der HCE gleichwohl mit vier Toren hinten. Ein Abstand, in den Erlangen, das im Vorwärtsgang letztlich viel zu fehlerhaft aufgetreten war, auch beim Kabinengang einwilligen musste.

Jeppsson und Jaeger richten's

12:16 zur Pause! Es musste nach ihr etwas passieren aus Sicht des Bundesligisten, der im ersten Durchgang nicht schlecht, aber doch zu bräsig und unkonzentriert agiert hatte. Und es passiert was. Keine 40 Sekunden nach Wiederbeginn hatte Simon Jeppsson zweimal getroffen. Gummersbach, gerade in Person von Wunderknabe Köster, leistete sich nun auch einige Fehlwürfe und schlampige Zuspiele. Und Max Jaeger, dessen Vater 1991 mit dem VfL Meister geworden war? Setzte wie Jeppsson ebenfalls die dringend erforderlichen Impulse und Tore aufs Tableau. Als Linksaußen behände durchbrechend, brachte Jaeger den HCE auf 16:17 heran. Und glich wenig später aus. Als Steinert einen Siebenmeter herausgeholt und kurz darauf verwandelt hatte, führte Erlangen gegen jetzt sichtlich in Mitleidenschaft gezogene Gastgeber. Jeppson nutze seine 204 Zentimeter und seine Präzision, um aus dem Rückraum weiter erfolgreich zu feuern. Martin Ziemer, der zwischen den Pfosten für Ferlin übernommen hatte, parierte einige Male grandios. 20:17 und 26:23 hieß es für Alonsos Team, nachdem Jaeger zwei weitere Male getroffen hatte.

Der HCE wirkte zwischenzeitlich souverän, blieb es gegen widerstandsfähige Hausherren aber nicht. Gummersbach kämpfte sich auch aufgrund der zwischenzeitlich wiederkehrenden Verkrampfung des Favoriten zurück, der agile Raul Santos egalisierte Erlangens Führung sieben Minuten vor der Schlusssirene. 26:26 und 27:27, es war ein wildes Spiel nun im Oberbergischen. Eine enorm spannende Auseinandersetzung, in der viel danebenging, Jeppson kurz vor Ende aber der vorentscheidende Treffer für Erlangen zum 28:27 gelang.

Brustlöser nach der Pause

"Wir waren zu fehlerhaft und haben Gummersbach eingeladen, was sie hervorragend umgesetzt haben", blickte HCE-Coach Alonso nach der Partie auf einen komplizierten ersten Durchgang zurück. "Dann haben wir es direkt nach der Halbzeit geschafft, auf Augenhöhe zu kommen und in Führung zu gehen. Als Gummersbach dann auf die offensive Deckung umgestellt hat, haben unsere Mechanismen nicht so gegriffen, wie wir das geplant und vorbereitet hatten", analysierte Erlangens Trainer, nachdem die keinesfalls einfache Pokal-Aufgabe gelöst war.

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