Erlangens Rechtsaußen glänzt bei der Black Night

Sellin-Show gegen Magdeburg: "Da möchtest du zu Hause schon gewinnen"

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Online-Redaktion, Sport

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8.5.2022, 12:57 Uhr
Johannes Sellin dreht beim HC Erlangen auf.

© Sportfoto Zink / Oliver Gold, Sportfoto Zink / OGo Johannes Sellin dreht beim HC Erlangen auf.

„Ad hoc würde ich erst einmal ‘Nein‘ sagen“, antwortete der Routinier. Und ging vergleichbar treffsicher wie bei seinen neun Toren, die aus zehn Versuchen resultierten, in den Analyse-Modus über. „38 Gegentore ist jetzt nicht so geil, dafür werfen wir auch 36. Da möchtest du zu Hause schon gewinnen“, differenzierte Erlangens Nordostlicht, der bis zur A-Jugend beim HSV Insel Usedom handballerisch sozialisiert wurde, nach dem glänzenden Auftritt seines Teams in Nürnberg.

Warum es wie schon beim Pokal-Halbfinale vor zwei Wochen nicht geklappt hatte mit dem Sensationscoup gegen den Bundesliga-Primus aus Sachsen-Anhalt, wusste Sellin freilich auch. „Es ist unfassbar schwer, gegen Magdeburg zu verteidigen. Die machen das wirklich sensationell und so wenige technische Fehler, die man bestrafen könnte“, erläuterte der 31-Jährige. Und schob ein erstes Fazit hinterher. „Sie stehen zurecht da, wo sie stehen Wir haben heute gegen eine der weltweit besten Mannschaften zur Zeit verloren und das auf einem Top-Niveau“, sagte Sellin und meinte damit den SCM, der in Deutschlands Eliteklasse eindrucksvoll auf Meisterkurs steuert.

In der Verteidigung hatten im Vorwärtsgang auch dank Sellin vehemente und bei der stimmungsvollen Black Night gefällige Erlanger mitunter Probleme, ihren Einsatz auszutarieren. Auch, weil die Schiedsrichter eine klare Linie vermissen ließen. Bei umstrittenen Entscheidungen hauptsächlich aber gegen den HCE entschieden. Auch oder gerade, wenn Magdeburgs Island-Express mit seinen relativ kleingewachsenen Spielern mit dem Kopf nach unten und nach vorne in den Zweikampf ging.

Im Bundesliga-Hinspiel an der Börde hatte Sellin, Erlangens bei der Black Night beeindruckender Rechtsaußen, in der Schlussphase noch eine für den HCE möglicherweise spielentscheidende Chance ausgelassen. Im Pokal-Wettstreit mit dem SCM war die Führungskraft der Franken eher glücklos geblieben.

Und am Samstag, an einem wunderbaren Handball-Abend? War Sellin voll da. 5287 vorwiegend in schwarz gekleidete Anhänger sorgten dafür, „dass du Kräfte freisetzt, die du eigentlich gar nicht hast“. Stolz war Erlangens bester Werfer im Anschluss folglich zurecht. „Wir haben ein Wahnsinnsspiel abgeliefert. Du gehst den Extraschritt mehr, wenn über 5000 Fans stehen und für dich schreien“, sagte Sellin. Den Schwung gelte es nun mitzunehmen. Und die vom HCE gezeigten Entwicklungsschritte „noch konstanter auf die Platte zu bringen“. Um noch schönere Spiele in Zukunft zu erleben als beim 74-Tore-Spektakel gegen Magdeburg.

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