Ein 32:25, das wieder gute Laune macht

Souverän in Minden: Der HCE steigert sich siegbringend

Andreas Pöllinger
Andreas Pöllinger

Sport-Redaktion

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22.10.2022, 22:31 Uhr
Gegen Melsungen applaudierte Christopher Bissel den HCE-Fans noch niedergeschlagen. Gegen Minden schwang sich der Linksaußen mit neun Treffern erfolgreich zu Erlangens zielsicherstem Werfer auf. 

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Gegen Melsungen applaudierte Christopher Bissel den HCE-Fans noch niedergeschlagen. Gegen Minden schwang sich der Linksaußen mit neun Treffern erfolgreich zu Erlangens zielsicherstem Werfer auf. 

Die vergangenen Wochen schon waren für GWD Minden ziemlich freudlos gewesen. Sieben Niederlagen aus sieben Spielen hatten Erlangens Gegner ans Ende der Bundesliga-Tabelle getackert. Das Pokal-Aus bei Zweitligist Dresden vermieste den Grün-Weißen die Stimmung zusätzlich. Als emotionaler Aufbauhelfer diente der HCE an einem schlussendlich recht einseitigen Handballabend aber nicht. Durch ein verdientes und sehr reifes 32:25 (13:13) vergrößert der HCE Mindens Abstiegssorgen. Und festigt durch den bereits sechsten Liga-Sieg seine Stellung im oberen Tabellendrittel.

Erlangen startete im äußersten Nordosten Ostwestfalens ohne den angeschlagenen Simon Jeppsson, der dem HCE bereits bei der Heimniederlage im Cup-Wettbewerb gegen Melsungen mit Kniebeschwerden fehlte. Und äußerst schlecht in die Partie. Rechtsaußen Olsson scheiterte an GWD-Keeper Semisch, Niclas Pieczkowski traf aus dem Rückraum. Als Pieczkowski, der bei im Rückzugsverhalten und in der Deckung zunächst konsequenten Gastgebern im Vorwärtsgang immer auffiel, den Ball ein weiteres Mal ins Erlanger Tor befördert hatte, war der HCE in Minute sechs mit 0:4 hinten.

Einstellung, Steinert und der Anschlusstreffer

Trainer Raul Alonso veranlasste das zu einer ersten Auszeit. "Es geht nicht um Handball, es geht um fuckin Einstellung", rief der Coach seiner Mannschaft zu. Christoph Steinert, in Minden einst erwachsen und zur Führungskraft geworden, verstand dies. Er stellte sein Visier vom Siebenmeterstrich scharf. Und erzielte kurz darauf Erlangens ersten Treffer. Der HCE schüttelte seine bräsige Startphase jetzt ab. Gegen plötzlich zu ungenau und kompliziert agierende Hausherren brachten Olsson und Büdel Frankens derzeit ranghöchsten Profi-Verein nach schnellem Umschaltverhalten auf 3:4 heran (9.).

Der HCE war nun drin in der Partie. Dass Klemen Ferlin bald schon seine magere Paraden-Bilanz aus dem Pokalspiel gegen Melsungen übertreffen sollte, war ihm ein wichtiger Rückhalt dabei. Das Spiel wogte in der Kampa-Halle dennoch hin und her. Nach einem geschickten Büdel-Zuspiel auf Steinert hieß es 7:8. Nach einem ungeschickten Einsatz von Nico Büdel, der Pieczkowski bei einem Mindener Gegenstoß über den Haufen gerannt hatte, hieß es: Rot für den Spielmacher.

Fäth - und der HCE führt erstmals

Wer befürchtet hatte, das weitere Fehlen des formstarken Mittelmanns würde Erlangens Vortrag verkomplizieren, sah sich kurz bestätigt. Ein Zauberspielzug über den für Büdel einspringenden Lutz Heiny und Steffen Fäth, den Christopher Bissel gekonnt zum 8:9 abschloss, wischte die Zweifel allerdings weg. Balldieb Bissel markierte kurz darauf den Ausgleich, Fäth brachte den HCE mit Anlauf und Wurfgewalt erstmals in Front.

Es blieb gleichwohl erst einmal ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Kampa-Arena, in der einige bockstarke Torhüter-Paraden und Flipperbälle später ein erstmals nach perfekter Ballzirkulation gefundener Tim Zechel mit der Pausensirene das 13:13 in diesen Spielbericht druckte.

Es war nicht leicht in Minden, das richtige Mindset für einen letztlich souverän herausgespielten Auswärtssieg zu finden. Seinen Rhythmus fand der HCE, in der Halle, in der GWD Ende der Vorsaison sich gegen den HCE mit einem 22:21 den Klassenhalt gesichert hatte, nach Wiederbeginn gleichwohl schnell.

Metzner und ein doppelter Bissel machten Erlangens Qualität im Angriff deutlich. Steinerts Stärke bei Siebenmetern kam hinzu. Und nun auch noch Johannes Sellin, dessen Abschlussfertigkeiten Mindens Hausaufgabe noch anspruchsvoller machen sollten. Während die Hausherren inzwischen hektisch und fehlerhaft agierten, verteidigte Erlangen stark und aufmerksam. Kapitän Firnhaber organsierte den Franken in Überzahl eine Vier-Tore-Führung.

Ein konstanter Bissel und ein wenig Ergebniskosmetik

Dabei sollte es jedoch nicht bleiben. Während der Spiel-und-vor-allem-Torfluss bei GWD komplett abriss, schraubte Erlangen - unterstützt von einem weiter dauerparierenden Klemen Ferlin - seine Führung weiter in die Höhe. Die Partie rutschte den Ostwestfalen weg. Metzner, Steinert, Zechel, Fäth und immer wieder Bissel trafen für jetzt souveräne Gäste in der Endlosschleife.

Als die Partie bei Sellins Treffer zum 30:20 in der 54. Minute mehr als entschieden war, konnte sich der HCE sogar erlauben, Minden Ergebniskosmetik zu gestatten. Und durfte sich in der Kampa-Arena am Ende gehörig freuen.

HC Erlangen: Bissel 9, Steinert 5/4, Sellin 5, Firnhaber 3, Fäth 3, Zechel 2, Olsson 2, Metzner 2, Büdel 1.

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