5:2 gegen Ingolstadt

Brown rächt die Ice Tigers bittersüß

1.10.2021, 21:28 Uhr
Chris Brown (rechts) auf Tyler Sheehy (links): An diesem Freitagabend war das ein Erfolgsrezept. 

Chris Brown (rechts) auf Tyler Sheehy (links): An diesem Freitagabend war das ein Erfolgsrezept.  © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Neun Monaten ist es her, dass Chris Brown ein Zeichen setzen wollte. In Ingolstadt war es eher suboptimal angelaufen, zudem hatte Hans Detsch einen Nürnberger, nun ja, gefoult, weshalb sich Brown mit Detsch anlegte. Das Ergebnis: eine Spieldauerdisziplinarstrafe und eine Platzwunde auf der Stirn, wegen der der Texaner weitere Spiele verpasste. Das Ergebnis des Auswärtsspiels: Nürnberg 0, Ingolstadt 8.

Am Freitagabend setzte Brown wieder ein Zeichen. In Unterzahl klaute er sich den Puck im eigenen Drittel, transportierte ihn ins Ingolstädter Drittel, schirmte ihn geschickt ab und legte ihn perfekt in den Lauf des hinterhergeeilten Patrick Reimer. Der Kapitän verlud Torhüter Kari Rämö und sammelte mit seinem ersten Saisontreffer (10. Minute) seinen 785. Punkt in der Deutschen Eishockey Liga (Rekordscorer Daniel Kreutzer hat noch einmal zwölf Zähler mehr). Wichtiger aber war das Zeichen: An diesem Abend würden sich die Nürnberg Ice Tigers nicht noch einmal vorführen lassen. Das Ergebnis des Heimspiels: Nürnberg 5, Ingolstadt 2 (1:0, 3:1, 1:1).

Sheehy, Schmölz, Sheehy

Die gesamte Vorsaison hatte wehgetan. Keine Fans, zunächst keine Siege. Besonders schmerzhaft aber waren die zwei Spiele in Ingolstadt innerhalb einer Woche: 0:8 und statt einer Revanche ein 0:7. Nun haben die Ice Tigers seitdem ihr Gesicht geändert. Zehn neue Spieler kamen, seit einer Woche ist Frank Fischöder nicht mehr Cheftrainer in Nürnberg. Gerade Brown, Reimer und Torhüter Niklas Treutle dürften sich aber noch allzu lebhaft an diese tristen Abende im Januar erinnern. Wie anders hat sich nun das erste Aufeinandertreffen mit den Panthern in der noch jungen neuen Saison angefühlt. Schon im ersten Drittel deckten die Ice Tigers trotz zweier erneut vermeidbarer Strafen den finnischen Routinier mit Schüssen ein. Erst im zweiten Abschnitt aber zeigte die Mannschaft, wie mitreißend sie Eishockey zu interpretieren weiß.

Dabei begann das Drittel ernüchternd. Im Power-Play war es Reimer, der den Puck übereilt die Rundung entlangschickte – in den Lauf von Mirko Höfflin. Nach seinem Querpass war es Daniel Pietta, der das Unterzahltor mit einem Unterzahltor ausglich (26.). Die Nürnberger reagierten nicht wütend, sondern mit unwahrscheinlichem Druck gegen ein Team, das sie in der Vorsaison nicht hatten entschlüsseln können. Die Dominanz in einen Treffer aber musste erst ein Stürmer umwandeln, der derzeit nicht nicht treffen kann. Tyler Sheehy verwertete eine weitere Vorlage Browns zum 2:1 (33.). Im Frühjahr noch hatte Daniel Schmölz so einen Lauf. Bislang agierte der Torjäger eher unglücklich – bis er Rämö mit der Rückhand, obwohl er dabei hinter dem Tor stand (36.). Und diesmal legte Nürnberg nach: Sheehy erhöhte sein Konto auf acht Saisontreffer (Spitze in der DEL), erneut wunderbar vorbereitet von Brown und Schmölz (37.).

Reimer statt Rämö

Ingolstadt aber hat nicht plötzlich das Eishockey spielen verlernt. Und Nürnberg ist nicht plötzlich eine Spitzenmannschaft. Kurz nach Ablauf eines Power-Plays spielte Wayne Simpson Fredrik Storm vor dem Tor frei - 4:2 (46.). Weil sich die Ice Tigers aber nicht ins eigene Drittel drängen ließen (Parlett traf noch den Pfosten) und ordentlich verteidigten, bleibt Stefan Ustorf der erfolgreichste Cheftrainer in der Geschichte der Ice Tigers. Gut, am Sonntag (16.30 Uhr/MagentaSport) steht der Sportdirektor in Düsseldorf auch erst zum dritten Mal hinter der Bande.

Vielleicht verfolgt er seine Trainersuche seit Freitagabend aber auch nicht mehr ganz so ernsthaft. Rämö verließ frühzeitig sein Tor zu Gunsten eines sechsten Ingolstädter Feldspielers: Reimer rächte das Risiko, sein Schuss kullerte ins leere Tor (58.). Nach dem dritten Unterzahltor des Abend war Schluss.

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