100 Strafminuten in Schwenningen

Haben sich die Ice Tigers ihre schöne Saison mit diesem Spiel selbst sabotiert?

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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3.4.2022, 16:53 Uhr
Der Anfang: Andrew Bodnarchuk und Blake Parlett kümmern sich um Alexander Karachun. 

© IMAGO/Laegler/ Eibner-Pressefoto Der Anfang: Andrew Bodnarchuk und Blake Parlett kümmern sich um Alexander Karachun. 

Die Nürnberg Ice Tigers dürften mit zwei unausgesprochenen Zielen in dieses letzte Spiel der regulären Saison gegangen sein: bloß nicht verletzen und, wenn möglich, nicht allzu sehr anstrengen. Gastgeber Schwenningen hatte den drohenden Abstieg bereits in der Vorwoche abwenden können, die Mannschaft um Patrick Reimer hatte sich Platz acht und damit Heimatrecht in der ersten Playoff-Runde mit dem 3:2-Penalty-Sieg gegen Augsburg am Freitagabend gesichert. Soweit der Plan, der nach einem unnötigen Check von Andrew Bodnarchuk aber keine Rolle mehr spielte.

Nürnberg führte nach drei schnellen Treffern und kaum mehr als drei Schüssen bereits komfortabel, als sich der kanadische Verteidiger den Schwenninger Alexander Karachun vorknöpfte. Um den Puck kümmerten sich längst andere, als Bodnarchuk den Stürmer am Kopf traf (20. Minute). Karachun zettelte eine Schlägerei an, an der sich auch noch Bodnarchuks Kollege Blake Parlett beteiligte. Karachun musste darüber fünf Minuten auf der Strafbank nachdenken, Bodnarchuk und Parlett wurden gleich in die Kabine geschickt. Mindestens Bodnarchuk wird mit einer Sperre rechnen müssen – und damit, die erste Playoff-Runde zu verpassen.

Weber zu Unrecht bestraft

Dieses eine vollkommen übertriebene und sinnlose Foul führte zu zahllosen kleineren Eskalationen, drei Matchstrafen, insgesamt beschämenden 100 Strafminuten für die Ice Tigers, diversen Videobeweisen und letztlich zu einer Farce von einem Eishockeyspiel, an dessen Ende auch die Schiedsrichter den Überblick verloren. Nachdem Schwenningens John Ramage in Marcus Weber hineingefahren war, musste auch der Nürnberger Verteidiger vorzeitig zum Duschen. Eishockey spielte derweil meist nur der Torhüter der Ice Tigers. Niklas Treutle sicherte seinem Team das 5:4 (3:0, 0:1, 1:3, 0:0, 1:0) und im Penaltyschießen einen Zusatzpunkt.

Das kaum ernst zu nehmende Spiel offenbarte vor der Saisonverlängerung aber ein ernsthaftes Problem der Ice Tigers: Die Mannschaft von Cheftrainer Tom Rowe agiert hart, allerdings selten überhart, sie neigt aber zu Undiszipliniertheiten und Stockfouls. Schon vor der Eskalation im Schwarzwald führte Nürnberg die Strafzeitenstatistik der Deutschen Eishockey Liga an. Vielleicht lag es in Schwenningen auch daran, dass Co-Trainerin Jessica Campbell erstmals nicht mehr mit hinter der Bande stand.

Starker Reimer, starker Treutle

Am Dienstag empfangen die Ice Tigers die Düsseldorfer EG um 19.30 Uhr zur ersten von maximal drei Partien in der ersten Playoff-Runde in der Arena Nürnberger Versicherung. Am Donnerstag geht es in Düsseldorf weiter und sollten die Ice Tigers bis dahin nicht disziplinierter auftreten, könnte die schönste Jahreszeit da auch schon wieder vorbei sein. Zur Qualifikation für das Viertelfinale braucht es zwei Siege. Ein möglicherweise entscheidendes drittes Spiel fände am Freitag wieder in Nürnberg statt.

Sämtliche vier Saisonspiele gegen die DEG hat Nürnberg zudem verloren. Immerhin positiv: Treutle, Reimer, Daniel Schmölz, Tim Bender, Tyler Sheehy und Tim Fleischer wiesen Playoff-Form nach – und vermieden die Strafbank. Der Kapitän kam auf drei Punkte. Verteidiger Bender traf zum 1:0 und im Penalty-Schießen. Schmölz überzeugte durch überlegte Pässe. Und Tyler Sheehy kühlte die Stimmung im erhitzten Stadion am Bauchenberg mit dem entscheidenden Penalty ab. Gerade aber die Verteidiger dürften am Montag spüren, dass sie das Spiel zwischen den eigenen Treffern fast ausschließlich in Unterzahl verbracht haben. Verletzt hatte sich dabei aber offenbar keiner.