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Jordan und viel mehr: Streamingtipps aus der Sportredaktion

Blut, Schweiß und Tränen auf dem Sofa: Wir schauen daheim - 10.05.2020 12:01 Uhr

Muhammad Ali, Pelé, Babe Ruth, Roger Federer und natürlich: Michael Jordan, einer der ganz großen Sportler.

© John Swart


The Last Dance

Um was geht es? In den USA gewannen die Chicago Bulls erst jedes Spiel, dann jeden Meistertitel. Und in Deutschland trugen Kinder und Jugendliche Bulls-Jacken, -Caps und die Basketballstiefel des besten Spielers der Welt. So war das in den 90ern. Auf dem Weg zu ihrer letzten Meisterschaft wurden die Bulls von einem Kamerateam begleitet – bis in die Kabine. Erst 22 Jahre später hat man sich darauf geeinigt, das einzigartige Material zu veröffentlichen, in zehn einstündigen Episoden.

Warum muss man das sehen? Weil man Michael Jordan so nahe kommt, dass Michael Jordan selbst die Befürchtung hatte, dass es seinem Ruf schaden könnte. Denn natürlich geht es um die Bulls, den angenehmen Scottie Pippen und den durchgeknallten Dennis Rodman. Zwei US-Präsidenten kommen zu Wort, viele weitere Superstars – aber am Ende geht es immer wieder nur um: Jordan.

Wo kann man das sehen? Jeden Montag werden zwei neue Episoden auf Netflix veröffentlicht.

Gibt es etwas Ähnliches? Nein, das Material ist einzigartig, weitere Archiv-Szenen sind grandios ausgewählt und geschnitten. Mit "The Last Dance" gibt es eine neue Referenzgröße unter den Sportdokumentationen.

Sunderland 'Til I Die

Um was geht es? Um alles natürlich, aber natürlich auch um den AFC Sunderland, die Menschen um ihn herum, die Stadt Sunderland. 2017 war der Association Football Club aus der Premier League abgestiegen. Den Wiederaufstieg sollte ein Filmteam begleiten. Ein Jahr lang, so dicht dran, wie man das aus dem sterilen Profifußball nicht kannte. Es wurde: ein Fiasko. Sunderland stieg erneut ab. Es wurde ebenfalls: ein großartiges Portrait der handelnden Personen, der nicht-handelnden Personen und dieser Stadt. Es läuft jetzt gerade die zweite Staffel, es bleibt wunderschön und vor allem: traurig.

Warum muss man das sehen? Weil es um echte Liebe geht zu einem Verein, der sehr regelmäßig mit der nächsten Enttäuschung für seine Anhänger ums Eck kommt. Weil das Fußball-Geschäft und seine Protagonisten sich selbst entzaubern – und sich selbst zur gleichen Zeit liebenswert erscheinen lassen. Und, fränkische Substitution in Zeiten der livefußballlosen Krise: Man lernt, dass es da draußen viele 1. FC Nürnbergs gibt.

Wo kann man das sehen? Auf Netflix.

Gibt es etwas Ähnliches? Ja. Amazon Prime oder Dazn haben sich ebenfalls um Dokumentationen von Fußball-Mannschaften bemüht. Man kann sich das gerne ansehen, das Leben mit Manchester City oder dem 1. FC Köln. Man sollte es nur nicht, wenn man stattdessen Sunderland ’Til I die sehen kann.

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Das Eishockey-Wunder

Um was geht es? Deutschland gewinnt eine Bronzemedaille. Bei Olympischen Spielen. Im Eishockey! Den Spielern selbst erschien das nach dem letzten Spiel des Turniers von Innsbruck 1976 derart unwahrscheinlich, dass der Überbringer der guten Nachricht bayerisch-ungemütlich aus der Kabine verwiesen wurde. Schleich di. 40 Jahre später trafen sie sich wieder. Wieder in Innsbruck.

Warum muss man das sehen? Weil dabei ein immer wieder rührender Film entstanden ist; weil das Team des Bayerischen Fernsehens zwar kein Gefühl für Begleitmusik hatte, sehr wohl aber ein Gefühl für kleine große Momente, für Humor, Mitgefühl und effektvolle Schnitte; und weil es ganz großer Sport ist, noch einmal den charismatischen und zu früh gestorbenen Lorenz Funk zu sehen, auf dem Eis und inmitten seiner Kameraden.

Wo kann man das sehen? In der Mediathek des BR und auf YouTube – einfach "Das Eishockey-Wunder von Innsbruck" in ein beliebiges Suchfeld eintippen.

Gibt es etwas Ähnliches? Ja. Im Februar 2018 wurden Schloder, Kühnhackl, Reindl und Funk abgelöst. Endlich. Zur Silbermedaille von Pyeongchang (mit Patrick Reimer und zwei weiteren Profis, die damals für die Ice Tigers aktiv und beliebt waren) findet man auf YouTube ebenfalls eine ordentliche Dokumentation. Das Rührstück dazu kann allerdings frühestens in acht oder 38 Jahren entstehen.

The Game Changers

Um was geht es? Der Kampfsportler James Wilks begibt sich auf eine Reise. Er will herausfinden, ob sich eine vegane Ernährung auf die Leistung und die Gesundheit von Sportlern auswirkt. Er besucht einen Mann mit Armen wie Baumstämme, der viel mehr stemmt als nur ein paar Stücke Holz und spricht mit Arnold Schwarzenegger über Steaks, Eier und Muskeln. Spoiler: Ja, pflanzliche Ernährung hat einen Einfluss.

Warum muss man das sehen? Weil es einem die Augen öffnet. Ein Leistungssportler braucht eben keine 500 Gramm Fleisch am Tag, um gut zu performen. Ein Hobby-Athlet erst recht nicht. In einigen Kritiken wurde der Film als zu einseitig dargestellt, als ein Plädoyer für den Veganismus. Dennoch kann jeder, selbst wenn er nur Sofasportler ist, einige Schlüsse für sich ziehen

Wo kann man das sehen? Auf Netflix.

Gibt es etwas Ähnliches? Auch der Film "What the Health" (zu finden bei YouTube) widmet sich den Vorzügen einer pflanzlichen Ernährung. Ebenfalls ähnlich: Einfach mal ausprobieren – und eine Woche lang auf Fleisch verzichten.

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Tipps der Redaktion: Die Mai-Highlights bei Netflix und Prime Video

Netflix schickt mit "Hollywood" eine weitere neue Miniserie ins Rennen, setzt "Dead to Me" fort und garniert sein Mai-Programm mit einem Film, der im März seine Premiere eigentlich im Kino hätte feiern sollen. Brutale Knast-Action erwartet Kunden von Prime Video bei "A Prayer Before Dawn", hinzu kommen mit "Dispatches from Elsewhere" und "Upload" zwei vielversprechende neue Serien.


Free Solo

Um was geht es? Alex Honnold ist ein Sonderling, ein Eigenbrötler, kein charismatischer, kein außergewöhnlich humorvoller Mensch und sicherlich keine Idealbesetzung für einen 100-minütigen Film. Alex Honnold aber ist ein einzigartig begabter Freikletterer. Und er hat das Ziel, den berühmten El Capitan, eine 975 Meter hohe Wand aus reinem Granit im Yosemite Nationalpark hinaufzuklettern. Ohne Seil. Ohne Sicherung.

Warum muss man das sehen? Weil man so etwas noch nie gesehen hat; weil das kein Film, sondern eine körperliche Erfahrung ist; vor allem, weil es ein Film ist, der nichts beschönigt, der gnadenlos ehrlich ist – und dennoch spektakulär produziert wurde.

Wo kann man das sehen? Für Menschen, deren Kinder bei dem Namen Donald zuerst an einen denkbar ungeeigneten US-Präsidenten denken, und die selbst mit den Verfilmungen der Marvel-Comics nichts anfangen können, ist der neue Streaming-Dienst Disney+ weitgehend uninteressant. Alleine für den Oscar-prämierten "Free Solo" aber lohnt es sich, das kostenfreie Sieben-Tage-Versuchs-Abonnement abzuschließen.

Gibt es etwas Ähnliches? "Am Limit", "Durch die Wand", "King Lines", "Cerro Torre" – es gibt viele faszinierende Dokumentarfilme über das Freiklettern. Nasse Hände und Bauchschmerzen aber hatte ich zuletzt nur bei "Blairwitch Project", dem Horrorfilm.

Formula 1: Drive to Survive

Um was geht es? Um den harten Konkurrenzkampf in der Formel 1.

Warum muss man das sehen? Weil es einem vielleicht etwas von der verlorenen Sonntagsroutine gibt: Sofa, dröhnende Motoren, Champagnerdusche. Die von den Formel-1-Eignern Liberty Media in Auftrag gegebene und von Oscar-Gewinner James Gay-Rees ("Amy") produzierte Hochglanzserie verzichtet natürlich auf Kritik am Großen und Ganzen, gewährt dafür aber einen relativ tiefen Einblick in diese Parallelwelt, in der sich Fahrer um die wenigen Cockpits streiten, Teammanager Intrigen spinnen und die nächste Leitplanke immer näher ist als gedacht.

Wo kann man das sehen? Auf Netflix.

Gibt es etwas Ähnliches? Natürlich, denn abgesehen vom Fußball gibt es wohl in keinem anderen Sport die Budgets, um so viele Dokumentationen drehen zu lassen. Eine, die tatsächlich aber auch gute Kritiken bekommen hat, wurde ebenfalls von Gay-Rees produziert. "Senna" erzählt die Geschichte der früh verstorbenen Formel-1-Legende.

We are Triathletes

Um was geht es? Um sechs Sportler, die an sechs unterschiedlichen Orten auf der Welt, aus unterschiedlichen Motiven beschlossen haben, am größten und nachgewiesenermaßen schönsten Langdistanztriathlon-Rennen teilzunehmen. An einem Sonntag im Juli steigen sie mit vielen weiteren tausend Triathleten in das kalte Wasser des Main-Donau-Kanals. Der 104-minütige Film begleitet sie auf ihrem Weg dorthin.

Warum muss man das sehen? Natürlich muss man diesen Film überhaupt nicht sehen. Wenn man aber vom Sofa aus das Gefühl nachempfinden will, auf dem Anstieg zwischen Hilpoltstein und Solar von den Emotionen übermannt zu werden, obwohl man nur Zuschauer ist, wenn man auf dem Sofa den Schweiß auf der Haut spüren will, den es braucht, um sich der Herausforderung von 226 Kilometern stellen zu wollen, oder, wenn man einfach nur verstehen will, warum Sport Menschen so wichtig werden kann, dann ist dieser Film sicherlich keine schlechte Wahl.

Wo kann man das sehen? Auf Amazon Prime.

Gibt es etwas Ähnliches? Natürlich. Aber in keinem weiteren Dokumentarfilm über Triathlon, Laufen, Radfahren oder Schwimmen ist der Challenge in Roth der heimliche Hauptdarsteller. Aus einer lokalpatriotischen Perspektive, die mittlerweile auch viele, viele Sportler in Australien, Neuseeland, Süd- und Nordamerika einnehmen, gibt es demnach nichts Vergleichbares.

Free to run

Um was geht es? Laufen gilt als gesund, als vorbildlich, als normal. Dass das nicht immer so war, dass es Frauen sehr lange verboten war, lange zu laufen, zeigt der Film des Schweizers Pierre Morath.

Warum muss man das sehen? Weil das Thema perfekt in diese Tage passt. Es geht um Freiheit – allerdings nicht jene Freiheit, die derzeit vorzugsweise alte weiße Männer für sich reklamieren.

Wo kann man das sehen? In der Mediathek von 3 Sat – allerdings nur noch bis zum 27. Mai.

Gibt es etwas Ähnliches? Ja, man muss sich dazu nur seine Laufschuhe anziehen und loslaufen. Natürlich mit Sicherheitsabstand.

Sebastian Böhm, Fadi Keblawi, Michael Fischer, Sebastian Gloser

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