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Kommentar: Aufstieg und Fall des Martin Bader

Der scheidende Club-Sportvorstand hat ein besseres Ende verpasst - 31.07.2015 16:00 Uhr

Martin Bader ist beim 1. FC Nürnberg bald Geschichte. © dpa


Er war der Baumeister der jüngeren Vereinsgeschichte. Er war der juvenile und eloquente Sanierer, der den 1. FC Nürnberg aus den Schulden führte und für eine Weile auf finanziell gesunde Beine stellte. Unter Mithilfe der Trainergrößen Hans Meyer und Dieter Hecking kreierte er sportliche Erfolge. Er war der Mann, ohne den der Verein den DFB-Pokal 2007 vermutlich nicht in die Höhe gestemmt hätte. Zuletzt aber war Martin Bader nur noch ein Mann, der zu lange an seinem Stuhl klebte.

Kritische Fragen parierte der rhetorisch bewanderte Sportökonom stets mit entwaffnenden Antworten. Bader konnte den Sachverhalt drehen und wenden wie kein Zweiter und verringerte so seine Angriffsfläche auf Briefmarkengröße. Irgendwann stand er gar nicht mehr zu seinen Fehlern, lenkte den auf ihn gerichteten Fokus geschickt an sich vorbei und brachte so vorgeschobene Mitentscheider in die Schusslinie. Das Fundament, das er mit akribischer und seriöser Arbeit gelegt hatte, bröckelte wieder vollständig in sich zusammen.

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Seine Eigenmächtigkeit bewies er, als er auf der Trainersuche während eines Halts an einer Raststätte dem von ihm präferierten Valérien Ismaël schon eine Zusage gab und den ebenfalls noch konsultierten René Weiler später scheinheilig vertröstete.

Mehrfach entkam Bader seiner Demission, indem er die Strippen geschickt zog. Gleichzeitig betonte er gerne, dass er zum Wohle des Vereins jederzeit zurücktreten würde. Nur den Zeitpunkt wollte er selbst bestimmen. Nun wurde der 47-Jährige von seinen Fehlern eingeholt: die verhängnisvolle Nähe zu den Ultras, ein durch ihn gespaltener Aufsichtsrat sowie eine gescheiterte Transferpolitik und daraus resultierende finanzielle Sorgen für den Verein.

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Stefan Jablonka

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