Last-Minute-Schnäppchen Cerin will den Club bereichern

12.9.2019, 05:47 Uhr

"Ich bin ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann", sagt Adam Gnezda Cerin, der 13. und letzte Neuzugang des 1. FC Nürnberg in diesem Sommer. © Wolfgang Zink

Auch Robert Palikuca schaute am Mittwoch am späten Vormittag beim Training vorbei, um sich mal wieder ein Bild zu machen von seiner neuen Mannschaft. Immerhin 13 Spieler hat er im Sommer zum Club geholt; das klingt nach unheimlich viel, ist aber nicht mehr und nicht weniger als die personalpolitische Antwort auf 14 Abgänge.

 Seinen vorerst letzten Zugang nahm der Sportvorstand erst am 2. September und so genannten Deadline-Day unter Vertrag, also am letztmöglichen Einkaufstag. Unmittelbar vor Schließung der Fußballprofi-Börse konnte er noch Adam Gnezda Cerin von einem Wechsel zum 1. FC Nürnberg überzeugen, was Palikuca auch in den Wochen davor offenbar schon ein paar Mal versucht hatte.

Laufstarker Box-to-Box-Spieler

Lieber spät als nie, wird sich auch der junge Slowene gedacht haben, dessen Ex-Verein NK Domzale in kürzester Zeit gleich drei hoch gewettete Talente verlor. Der Stürmer Benjamin Sekso wechselte für 2,5 Millionen Euro Ablöse nach Salzburg, der Stürmer Shamar Nicholson für 1,5 Millionen nach Chaleroi, also wollten sie nicht auch noch Gnezda Cerin für deutlich weniger ziehen lassen. Obwohl der sich im Mittelfeld am wohlsten fühlt.

 

Als "Box-to-Box"-Spieler bezeichnet sich Gnezda Cerin selbst, weil er unter anderem "viel laufen" kann. Das können andere auch, dabei aber möglicherweise nicht so präzise passen wie er oder auch torgefährlich sein. "Er hat uns überzeugt", sagt Palikuca, zudem passt der 20-Jährige exzellent zur Stellenausschreibung.

+++ Der Club? Wir brauchen Ihre Meinung +++

Gescannt haben sie den Transfermarkt nach einem Ersatz für Eduard Löwen und sind auf Gnezda Cerin gestoßen, einen U21-Nationalspieler mit sogar ordentlich internationaler Erfahrung. Mit NK Domzale bestritt er bereits zehn Partien in der Europa-League-Qualifikation, sein Debüt gab Gnezda Cerin vor über zwei Jahren kurz vor Schluss des vielbeachteten 2:0-Erfolgs gegen Freiburg. Trotz seines Alters zählte er beim Heimatklub bereits zu den eigentlich unverzichtbaren Stammkräften.

"Unser Ziel ist natürlich die Bundesliga" 

Dass sie jetzt ohne ihn auskommen müssen, ist unter anderem der stattlichen Einnahme geschuldet, aber eben auch den möglicherweise schöneren Perspektiven in Nürnberg. "Unser Ziel ist natürlich die Bundesliga", sagt Gnezda Cerin nach seiner ersten Einheit mit den neuen Kollegen, "aber es wird Zeit brauchen." Der Abstieg, der Umbruch, Gnezda Cerin hat sich vorab selbstverständlich informiert über seinen künftigen Arbeitgeber.

Dass er erst mit Verspätung einsteigen konnte, ist einem freundschaftlichen Vergleich mit Frankreichs U20 geschuldet; auch am Sonntag erhielt Gnezda Cerin glänzende Kritiken nach dem 2:2, was seinen Vorgesetzten nicht mehr überraschen kann. Palikuca glaubt schon länger, mit seinen Scouts eines dieser extrem selten gewordenen Schnäppchen aufgestöbert zu haben.

Auch deswegen ließen sie ihn gleich einen Vierjahresvertrag unterschreiben; einen Spielertypen wie ihn "hatten wir bislang noch nicht in unserem Kader", sagt Palikuca. Was genau er damit meint, wird man wohl erst in ein paar Wochen sehen, wenn sich Gnezda Cerin zurechtfindet im für ihn noch atemberaubenden Umfeld.

 

"Einer der größten Klubs in Deutschland" sei dieser 1. FC Nürnberg, erzählt Gnezda Cerin in tadellosem Englisch, "alles hier ist so groß", jedenfalls viel größer als in Domzale, wo sich zu Heimspielen nur selten mehr als 700, 800 Menschen einfinden im lediglich 3100 Zuschauer fassenden Sportpark.

Konkurrenz für Behrens

Mit Minimalismus ist es jetzt erst mal vorbei für Gnezda Cerin, der als sogenannter Achter in direkte Konkurrenz zu Hanno Behrens tritt. Und das ausgesprochen selbstbewusst. "Ich bin ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann", sagt Gnezda Cerin, "ein Spieler, den jede Mannschaft braucht."

Wenn er hält, was sich seine Entdecker von ihm versprechen, wird auch der Club früher oder später seinen Spaß haben mit dem Slowenen, auch wenn sich der Wechsel zog wie Kaugummi. "Last Minute" sei es für ihn gewesen, versichert Gnezda Cerin, der auch andere Angebote vorliegen hatte, sich aber vom Nürnberger "Projekt" überzeugen ließ.

Bekanntlich wollen sie beim 1. FC Nürnberg ja etwas aufbauen; dem 13. Zugang der Saison dürfte bereits im Winter noch der eine oder andere folgen.  

 

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