Rudern

Alles für den Sport: Dorneich aus Bubenreuth zog in die USA

4.12.2021, 17:00 Uhr
Hat jahrelang auf dem Main-Donau-Kanal in Erlangen trainiert: Immanuel Dorneich (Zweiter von rechts) studiert und rudert jetzt an einem College in den USA.
 

© Ruderverein Erlangen, NN Hat jahrelang auf dem Main-Donau-Kanal in Erlangen trainiert: Immanuel Dorneich (Zweiter von rechts) studiert und rudert jetzt an einem College in den USA.  

Ein wenig verrückt ist Rudern schon. Das gibt Immanuel Dorneich zu. "Es ist einfach so unglaublich zeitaufwendig." Doch Verrückt nach seinem Sport ist Dorneich allemal. Für das Rudern ließ er Freunde und Familie zurück, um Anfang September nach Boston zu ziehen. Dort studiert er an der Northeastern University. "Mir gefällt, dass man hier das Akademische und das Athletische verbinden kann", sagt der 19-Jährige. In Deutschland gibt es das so nicht.

In den USA zu studieren ist schon seit ein paar Jahren sein Traum. Deshalb hat sich Dorneich an mehreren Unis im ganzen Land beworben, hatte Auswahlgespräche mit Trainern und hat schließlich ein Stipendium an der Northeastern bekommen. Ohne das hätte er sich die vierjährige College-Zeit nicht finanzieren können.

Die USA sind dabei kein ganz zufälliges Ziel. Dorneichs Eltern, Annette und Thomas, haben beide bereits in den Staaten gelebt, seine Schwester Charlotte ist dort geboren. "Die USA sind ein bisschen unsere zweite Heimat", sagt Annette Dorneich (53).
So kommt es wohl, dass sich ihr Sohn schnell gut eingelebt hat in Boston. "Bisher läuft es gut", sagt er. Als Freshman, also als Erstsemester, wohnt Dorneich auf dem Campus der Uni und hat vor allem mit seinen Ruderer-Kollegen zu tun.

Dorneich lebte in Australien und England

Heimweh hat er nicht, ans Umziehen ist er aber auch schon gewöhnt. Als Kleinkind hat Dorneich ein Jahr in Australien gewohnt, später dann vier Jahre in England. Dazu war er während seiner Schulzeit drei Monate in Wales. Seit 2009 lebte er aber durchgängig in Bubenreuth. Deshalb sei die Umstellung "schon ganz schön krass. Gerade ist es noch super aufregend, ich bin sehr abgelenkt. Wenn es Realität wird, kommt sicherlich auch noch mal richtig Heimweh."

Seine Mutter sieht das naturgemäß ein bisschen anders. "Es ist schon weit weg", sagt Annette Dorneich und fügt an: "In einer Mutterbrust sind zwei Herzen: Ich bin natürlich traurig, dass ich ihn nicht mehr so viel sehe. Andererseits ist es auch toll, dass er seinen Traum leben kann, da sind wir total glücklich für ihn."

Dieser Traum erfordert viel Disziplin. Immanuel Dorneichs Leben ist fast komplett auf sein Informatik-Studium und das Rudern ausgerichtet. Er trainiert sechsmal pro Woche, meistens zwei Einheiten. Zeit zu Ausspannen bleibt da kaum. Wenn doch, dann schaut er American Football oder erkundet die Stadt. "Oft versuche ich auch einfach nur, meinen Schlaf nachzuholen."

Zu viel Party machen wird nicht gerne gesehen

Dazu gibt es auch Richtlinien der Trainer. Zu viel Party machen wird zum Beispiel nicht gerne gesehen, das stört Dorneich aber nicht sehr. Er war schon immer eher der ruhigere Typ, gemütlich, gelassen. Seinen Ehrgeiz hat Dorneich erst beim Rudern entwickelt. "Wir wissen selber nicht so genau, woher der Ehrgeiz auf einmal kam", sagt Vater Thomas (58). Annette Dorneich ergänzt: "Bei anderen Sachen ist er eher so 'laid back'."

Doch nicht, wenn er im Boot sitzt. Nachdem Dorneich mit zwölf Jahren einen Anfängerkurs beim Ruderverein Erlangen gemacht hatte, wollte er direkt in den Leistungssport. Von da an war er kaum noch zu bremsen, wie seine Eltern an einem Beispiel erzählen: "Während der Corona-Zeit ist er siebenmal pro Woche Rudern gegangen, jeden Tag. Und am Samstag zweimal. Wir haben uns gewundert, woher er diese Kraft und diese Ausdauer nimmt, aber es hat ihm einfach so viel Spaß gemacht. Er war auch immer nur mit sich allein und ist seine 20 Kilometer pro Tag gerudert. Das war für uns unglaublich."

Das Training hat sich offensichtlich gelohnt: Dorneich wurde dieses Jahr Deutscher U23-Vizemeister im Einer und Deutscher Meister bei der Großbootmeisterschaft. Große Erfolge, sein Ziel ist aber die U23-Nationalmannschaft. "Wenn ich es diese Saison in die B-Mannschaft schaffen würde, dürfte ich zur Europameisterschaft fahren", sagt er. Am liebsten würde er natürlich zur WM. Bisher hat es aber noch nicht gereicht. Sein Auslandsstudium erschwert ihm dieses Ziel auch, weil er nicht so sehr auf dem Radar der Trainer ist wie in Deutschland.

"Man macht es für Ruhm und Ehre"

Nach der College-Zeit will Dorneich aber auf jeden Fall wieder zurück nach Deutschland oder zumindest Europa. Er könnte zum Beispiel an einen Stützpunkt in Hamburg oder Dortmund gehen. Ob er nach dem Studium mit dem Leistungssport weitermacht, weiß er aber noch nicht. Es hänge davon ab, ob er seine Ziele erreicht, sagt er.

Ein Leben als Top-Ruderer, der nebenbei einen normalen Beruf ausüben muss, ist eben auch stressig. Leben kann man von dem Sport in Deutschland nicht. "Man ist quasi Profi, nur ohne das Geld", sagt Dorneich. Dafür fühle man sich, wenn man Deutscher Meister wird, "auch noch zwei Wochen danach super". Es gehe eben nicht ums Geld. "Man macht es für Ruhm und Ehre", sagt er und lacht. Auch das ist ein wenig verrückt.

Verwandte Themen


Keine Kommentare