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Meisterspieler verstorben: Trauer um FCN-Legende Volkert

1968 wurde "Schorsch" mit dem 1. FC Nürnberg Deutscher Meister - 17.08.2020 16:20 Uhr

Aufnahmen aus einer goldenen Ära: 1968 feiert Georg Volkert mit dem FCN die Deutsche Meisterschaft.

17.08.2020 © Volkert


Einst begeisterte Georg Volkert nicht nur beim 1. FC Nürnberg mit seinen rasanten Flügelläufen auf Linksaußen, die ihn bis in die Nationalmannschaft trugen. Später prägte er als Manager die Geschicke des Hamburger SV, FC St. Pauli und des damals in die Drittklassigkeit abgestiegenen FCN. Am Sonntag ist der gebürtige Ansbacher, der seit langem in Sachsen vor den Toren des mittelfränkischen Bezirkshauptstadt lebte, in Erlangen im Alter von 74 Jahren gestorben.

2017 hatte Volkert einen Herzinfarkt erlitten, seitdem hatte er gesundheitliche Probleme und konnte deshalb auch nicht an den 50-Jahr-Feiern anlässlich des 7:3-Sieges über Bayern München und der letzten Meisterschaft teilnehmen. Mehr als der legendäre Sieg über die Münchner im November 1967 hatte sich Volkert jedoch eine andere Partie eingeprägt: den 1:0-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach am 13. September 1967. "Das war ein Mittwochabendspiel, und da hatte der Schatzmeister nur 40.000 Karten drucken lassen, weil er dachte, dass eh nicht mehr Zuschauer kommen – er hat halt wie immer auf Sparflamme gekocht", erinnerte sich Volkert 2017 im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch über 60.000 Menschen wollten diese Begegnung sehen und drängten sich auf der Aschenbahn, weil die Tore im Stadion auf Drängen der Polizei geöffnet worden waren.

Flügelzange mit Cebinac

3000 Mark ließ es sich der 1. FCN 1963 kosten, den hochbegabten, nur "Schorsch" gerufenen Linksaußen von der SpVgg Ansbach nach Nürnberg zu lotsen. Bei den Profis bildete er mit Zvezdan Cebinac die brandgefährliche Flügelzange, die es im Meisterjahr auf zwölf Tore und 27 Vorlagen brachte und Mittelstürmer Franz Brungs mit Flanken versorgte. Das Auseinanderreißen dieses Trios nach dem Gewinn der Meisterschaft war für Volkert in der Retrospektive einer der entscheidenden Faktor für den direkt folgenden Abstieg aus der Bundesliga.

"Für 300 000 oder 400 000 Mark", so erinnerte er sich Jahrzehnte später, verkaufte der Club den beidfüßigen Dribbler nach dem Abstieg 1969 an den FC Zürich. Weitere Karrierestationen des durchaus streitbaren, mitunter auch unbequemen Volkert waren der Hamburger SV (1971- 1978), der VfB Stuttgart (1978-1980) und für ein letztes Jahr noch einmal der Club, ehe er bei Hamburger Amateurvereinen seine Karriere ausklingen ließ. 410 Erstligaspiele, 125 Tore und der Ruf eines der treffsichersten Elfmeterschützen (31 von 35) stehen seither in den Bundesliga-Annalen. Seinen größten Erfolg feierte er allerdings auf internationaler Ebene: Beim 2:0-Sieg des HSV im Finale des Europacups der Pokalsieger gegen Anderlecht erzielte er das 1:0 per Elfmeter (80.), legte in der Schlussminute Felix Magath das 2:0 auf und sicherte so den Hanseaten ihren ersten europäischen Titel.


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Im hohen Norden war Volkert ansässig geworden. Er managte den HSV, St. Pauli und den VfB Lübeck. Beim Club amtierte er ab 1996, wurde im Dezember 1998 für fehlende Erfolge verantwortlich gemacht und entlassen. In Sachsen bei Ansbach betrieb er danach eine Sportagentur. "Die Heimat ruft. Ich sage immer, der Kreis schließt sich am Ende. Wenn du weg gehst, zieht’s dich irgendwann wieder heim", sinnierte Volkert später in einem Interview.

Spiele des FCN verfolgte der Ex-Profi am Ende "wegen der Herzgeschichte" nur noch selten vor Ort, auch wenn dem passionierten Hobbygolfer das Wiedersehen mit den einstigen Kollegen wichtig war. Und einmal war er doch noch mit ihnen an der einstigen Wirkungsstätte vereint, als der Club seine Meisterspieler zuletzt zum Aufstiegsspiel gegen Fortuna Düsseldorf eingeladen hatte. Den kollektiven Eintrag ins Goldene Buch der Stadt verpasste er zwar gesundheitsbedingt, doch den holte er nach – solo, wenn auch nicht mehr so rasant wie einst auf dem Rasen. "Wer den Volkert bewachen will, muss erst einen Lehrgang für Brummkreisel bestehen", hatte der Braunschweiger Verteidiger Wolfgang Grzyb einmal beklagt.

Philipp Roser

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