Nur 1:1 gegen Aue! Der FCN kommt nicht vom Fleck

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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22.5.2020, 20:46 Uhr
Die Köpfe sind nach Abpfiff unten: Der Club kommt gegen Aue nicht über ein 1:1 hinaus.

Die Köpfe sind nach Abpfiff unten: Der Club kommt gegen Aue nicht über ein 1:1 hinaus. © Daniel Marr/ Sportfoto Zink

Das letzte Mal, als der 1. FC Nürnberg im Max-Morlock-Stadion Fußball spielte, geriet ihm das beim 0:3 gegen Hannover 96 so unansehnlich, dass man sich nicht gewundert hätte, wären zur darauffolgenden Partie gegen den FC Erzgebirge Aue ein paar Zuschauer weniger gekommen. Es kam dann am Freitagabend tatsächlich niemand, wofür der Club trotz der zwischenzeitlichen Niederlage beim FC Sankt Pauli aber nichts konnte. Die Corona-Pandemie erzwang das erste Geisterheimspiel in der Geschichte des Nürnberger Fußballs.

Ein Vergnügen war es dann tatsächlich nicht. Beim 1:1 (0:0) konnte der Club gegen Aue nur in kämpferischer Hinsicht überzeugen.

Mühl statt Margreitter

Unerwartet kam das nicht. Die Vorzeichen waren eher nicht dazu angetan, die Vorfreude auf die Rückkehr des Profifußballs nach Nürnberg zu steigern. Es erwartete nämlich die viertschlechteste Heimmannschaft der 2. Fußball-Bundesliga das zweitschlechteste Auswärtsteam. Immerhin: In Aue müssen sie sich um ihre Schwäche in fremden Stadien nicht die ganz großen Sorgen machen, weil dieser Makel durch eine erstaunliche Bilanz daheim übertüncht wird.

In Nürnberg hingegen sind die Sorgen enorm – und wurden noch größer, weil vor der Partie Georg Margreitter seine Teilnahme absagen musste. Der Innenverteidiger leidet seit dem Ausflug nach Sankt Pauli unter Schwindelgefühlen. Ersetzt wurde er durch Lukas Mühl – allerdings nur knapp 20 Minuten, dann musste Mühl nach einem Foul vom Platz.

Behrens kläglich

Erlebt hatte er bis dahin eine Partie, die einigermaßen verunsicherte Nürnberger sah. Aue kontrollierte das Geschehen, ohne dabei besonders gut auszusehen. Erst nach einer halben Stunde mehrten sich die Nürnberger Offensivaktionen. Erst verpasste Nikola Dovedan mit einem schlampigen Zuspiel in der Mitte den freien Adam Zrelak (29.), dann scheiterte Hanno Behrens – ebenfalls freistehend – aus neun Metern am glänzend reagierenden Martin Männel im Auer Tor.

Vier Minuten später hätte die ausgelassene Gelegenheit beinahe schwerwiegende Folgen gehabt, aber Florian Krüger schoss frei vor Felix Dornebusch, der den gesperrten Christian Mathenia vertreten musste – am Tor vorbei.
Man habe, hatte Nürnbergs Trainer Jens Keller vorab gesagt, einen Großteil der Trainingswoche mit regenerativen Maßnahmen zugebracht. Trotz einer Steigerung zum Ende hin wirkte die erste Halbzeit lange wie eine Fortsetzung dieser Maßnahmen.

Nazarov nickt ein

Immerhin in den zweiten Durchgang startete Nürnberg mit Schwung. Schon nach vier Minuten setzte Johannes Geis da einen Freistoß aus 17 Metern nur knapp über das Tor der Gäste. Nach 51 Minuten bremste dann der FC Erzgebirge den Club auf der Suche nach der Freude am Spiel. Am Ende eines Angriffs, der vor allem durch seine Einfachheit bestach, flankte Krüger und musste Nazarov in der Mitte nur noch seinen Kopf hinhalten.

Der neuerliche Rückstand beeindruckte den Club sichtlich – und dennoch hätte schon drei Minuten später alles wieder besser aussehen können. Robin Hack scheiterte allerdings an der doch eher einfachen Übung, den Ball aus drei Metern per Kopf an Männel vorbeizubringen.

Eigentor als Erlösung

Man durfte sich jetzt sorgen um den Club, wieder einmal. Dass sie sich selbst sorgten, sah man auch den Spielern an. Vom ansprechenden Spiel, das man beim Ausflug nach Hamburg noch bis zur Roten Karte für Mathenia gesehen hatte, war wenig bis nichts übrig geblieben.

Ins Spiel zurück fanden sie deshalb auch vor allem dank der Wucht des Kapitäns. Hanno Behrens wollte im Auer Strafraum einmal den Ball nicht hergeben, setzte sich durch und zwang so Sören Gonther nach seiner Hereingabe zu einem Eigentor (63.).

Der Club war einigermaßen überraschend wieder da, bekannt geworden ist er in dieser sehr unglücklichen Saison nämlich eher nicht dafür, aus Partien nach einem Rückstand noch einen Gewinn zu ziehen. Der Widerstandsgeist wurde beinahe sogar noch mit drei Punkten belohnt, aber Behrens traf nach 80 Minuten nur die Latte.

Der Club war jetzt tatsächlich noch die bessere Mannschaft geworden, als Schiedsrichter Felix Brych kurz darauf abpfiff, sah man vor leeren Tribünen trotzdem jede Menge leere Nürnberger Gesichter.

+++ Der Live-Ticker zum Nachärgern! +++

1. FC Nürnberg: Dornebusch - Sorg, Mühl (25. Sörensen), Mavropanos, Handwerker - Nürnberger, Geis (67. Erras), Dovedan (88. Kerk), Behrens, Hack - Zrelak (67. Frey)

FC Erzgebirge Aue: Männel - Gonther, Samson, Rasmussen - Strauß (87. Cacutalua), Fandrich, Riese, Kempe (82. Rizzuto), Nazarov (66. Zulechner) - Krüger (87. Daferner), Hochscheidt

Tore: 0:1 Nazarov (51.), 1:1 Gonther (63., Eigentor) | Gelbe Karten: Nürnberger, Sörensen, Mavropanos, Hack, Frey - Fandrich, Rasmussen | Schiedsrichter: Brych (München)

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