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Nürnberger Taekwondoka zwischen EM und Olympia-Hoffnung

Tahir Gülec und Alema Hadzic scheiden in Sofia im Viertelfinale aus - 15.04.2021 06:00 Uhr

2016 war Tahir Gülec schon einmal bei den Olympischen Spielen, in drei Wochen will er sich erneut qualifizieren.
 

12.04.2021 © A4642/_Lukas Schulze, NN


Wie sehr sich die Beurteilung eines Erfolges doch unterscheiden kann. Wenn Tahir Gülec von seinem Ausflug nach Sofia erzählt, spricht er von einem "guten Ergebnis", von einer Europameisterschaft, bei der er zwei Kämpfe gewann und den dritten, im Viertelfinale, gegen den amtierenden Weltmeister verlor. "Es hätte auch Gold werden können", sagt der Nürnberger Taekwondoka, der im Limit bis 80 Kilogramm startet.

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Auf diesem Niveau entscheiden winzige Nuancen, Sekundenbruchteile im Kopf, eine minimal verzögerte Reaktion über Sieg und Niederlage, über das Scheitern oder eine Medaille. "Meine Gewichtsklasse ist die beste, da kämpfen die Stärksten der Welt", so Gülec, der in diesem Jahr 29 geworden ist und schon viel Erfahrung im Spitzensport hat. "Damit muss ich umgehen."

Erst mit 14 angefangen

Als er 2013 den größten Erfolg seiner Karriere feierte und in Mexiko Weltmeister wurde, da dachte Alema Hadzic noch gar nicht an Taekwondo. Erst ein Jahr später, mit 14 Jahren, kam sie durch einen Zufall zu "Taekwondo Özer" in der Nürnberger Südstadt. "Freunde unserer Familie haben dort trainiert und mir den Verein empfohlen", erzählt sie. Also hat sie es auch mal ausprobiert, hat gegen den Sandsack gekickt - und sich in den Sport verliebt. "Es hat Spaß gemacht", sagt Hadzic.

Mit 20 Jahren schon in der Weltspitze: Alema Hadzic.

12.04.2021 © Roland Fengler, NN


Also ist sie immer wieder gekommen, hat kein Training mehr ausfallen lassen, aus einem Hobby wurde schnell mehr. "Ich hatte sicher ein gewisses Talent, aber ich habe mir jeden Tag den Arsch aufgerissen", sagt Hadzic. Der Lohn für diese harte Arbeit: Sechs Jahre später gehört die 20-Jährige zu den aufstrebenden Talenten des Taekwondos. 2018 wechselte sie aus dem Jugend- in den Erwachsenenbereich, ein Jahr später gewann sie bereits Kämpfe gegen die Nummer eins, drei und fünf ihrer Gewichtsklasse bis 73 kg.

Enttäuschung statt Medaille

Am vergangenen Wochenende war sie mit Tahir Gülec, Trainer Özer Gülec und einer kleinen Nürnberger Delegation ebenfalls bei der EM in Bulgarien. Wenn sie vom Ausflug nach Sofia erzählt, kommt das Wort "gut" allerdings nicht vor. Stattdessen spricht Alema Hadzic von einer "Enttäuschung", obwohl sie ebenfalls im Viertelfinale ausgeschieden ist. "Meine Gegnerin war sehr stark und taktisch sehr schlau", sagt sie, so stark und schlau, dass aus dem Traum von einer Medaille nichts wurde.

Doch Träume und Ziele haben Gülec und Hadzic noch viele. In drei Wochen werden, wieder in Sofia, die letzten Tickets für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio vergeben. Tahir Gülec wird dabei sein und gibt sich kämpferisch, "dann werden die Karten neu gemischt", sagt er. Wenn er es beim Turnier ins Finale schafft, darf er im Juli nach Japan fliegen - zum größten Sportfest der Welt, das anders aussehen wird als früher.

2016 im Olympia-Viertelfinale

2016 war Tahir Gülec in Rio schon mal dabei, er hat vor vielen Zuschauern gekämpft, sich mit den Besten der Welt gemessen - und sich und allen Beobachtern bewiesen, dass er zur Weltspitze gehört. Auch damals schaffte er es bis ins Viertelfinale, wo er ausschied und als Olympia-Fünfter nach Nürnberg zurückkehrte.

Jetzt will er es wieder schaffen - und nimmt dafür auch Schmerzen in Kauf. Seit längerem schon hat er eine Verletzung am Fuß, die er nicht auskurieren kann und will, weil er sonst Zeit verloren hätte für die Vorbereitung und auf dem Weg nach Tokio. Also lässt er sich vor Kämpfen und Trainings immer wieder fitspritzen, so unvernünftig das auch ist, "ich darf keine Zeit verlieren und muss dran bleiben", sagt Gülec.

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Seine Vereinskollegin hingegen kann sich in den nächsten Wochen und Monaten auf ihr Informatik-Studium an der TH konzentrieren. 2019 hat sie ihr Abi am Hans-Sachs-Gymnasium mit 1,4 geschafft - auch wenn sie fast jedes Wochenende irgendwo auf der Welt gekämpft hat. "In meiner Familie ist das Akademische sehr wichtig", sagt Alema Hadzic, "es war meinen Eltern immer wichtig, dass man sich in der Schule Mühe gibt."

Also sitzt sie daheim am Laptop und feilt an ihrer beruflichen Zukunft, die sportliche kann sie nur mit guten Leistungen beeinflussen. Für das Quali-Turnier im Mai wurde ihre erfahrenere Konkurrentin ausgewählt, Hadzic wird sich also weiter "den Arsch aufreißen" und versuchen, sich mit guten Leistungen für die nächsten Olympischen Spiele 2024 zu empfehlen. In Sofia wird trotzdem ein weiterer Nürnberger dabei sein. Hasim Celik von der KSG Leopard kämpft um ein Ticket für die Paralympics.

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