Wieder ein Standard-Gegentor

0:1 gegen Bochum: Kleeblatt verliert auch gegen Mit-Aufsteiger Bochum

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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16.10.2021, 20:43 Uhr
Bauchlandung: Cedrit Itten und seine Fürther verlieren schon wieder - diesmal das wichtige Abstiegsspiel gegen Bochum.

Bauchlandung: Cedrit Itten und seine Fürther verlieren schon wieder - diesmal das wichtige Abstiegsspiel gegen Bochum. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Es gibt einige besondere Daten in der langen Geschichte der Spielvereinigung. Der 23. September gilt als Gründungsdatum des Vereins, am 31. Mai 1914 gewann das Kleeblatt zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft, am 28. Juli 1929 die dritte und letzte. Und am 16. April 2012 feierten die Menschen in Fürth das vermeintlich Unmögliche: den Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga - wo dann nur noch wenige besondere Tage hinzukamen.

Der 16. Oktober 2021 hätte auch ein solch besonderer Tag sein können. Beim ersten Ausflug in die Bundesliga gelang dem Kleeblatt in 17 Heimspielen kein einziger Sieg, auch in dieser Saison konnten die Fürther noch kein Spiel gewinnen - weder daheim noch auswärts. Und auch an diesem Samstagnachmittag, dem 21. Bundesliga-Heimspiel, durften die 10.586 Zuschauer im Ronhof keinen Erfolg bejubeln - im Gegenteil. Weil das Kleeblatt erneut ein Standard-Gegentor kassierte, verlor es mit 0:1 gegen den Mitaufsteiger VfL Bochum.

Seine Mannschaft musste Trainer Stefan Leitl vor der Partie notgedrungen erneut umstellen. Innenverteidiger Maximilian Bauer, der bislang alle Partien über 90 Minuten absolviert hatte, kam mit einer Kopfverletzung von der U21-Nationalmannschaft zurück, für ihn rutschte Hans Nunoo Sarpei in die hinterste Kette. Im Angriff startete Cedric Itten für Havard Nielsen, der mit einer Sprunggelenksverletzung von der Tribüne zuschauen musste.

Laute Oooohs und Aaaahs hallen durch den Ronhof

Von dort aus sah er eine wieder mal sehr aktive Fürther Mannschaft, die das Spiel sofort an sich riss. Schon nach zehn Minuten waren einige laute Oooohs und Aaaahs durch den Ronhof gehallt, weil das Kleeblatt immer wieder in die Nähe des Bochumer Tors gekommen, diesem aber noch nicht gefährlich geworden war. Immer wieder fehlte in den entscheidenden Momenten die Entschlossenheit, der letzte Pass kam nicht - alles Dinge, die womöglich mit etwas mehr Selbstvertrauen besser gelaufen wären.

Und dann wäre fast wieder das passiert, was in dieser Saison schon so oft passiert ist: Bochums Gerrit Holtmann spielte in den Strafraum zu Sebastian Polter, der aus elf Metern aber knapp über das Fürther Tor schoss. Kurz darauf holte sich Paul Seguin für ein taktisches Foul seine fünfte gelbe Karte ab, weshalb er beim nächsten Auswärtsspiel in Leipzig fehlen wird. Kurz darauf wurden die Fürther zumindest wieder ein bisschen gefährlich: Timothy Tillmans Schuss nach knapp einer halben Stunde war der erste auf das Bochumer Tor - aber kein Problem für Manuel Riemann.

Mit jeder Minute mehr war beiden Mannschaften mehr anzumerken, wie groß die Verunsicherung ist. Immer wieder kamen selbst einfache Zuspiele nicht an, die Partie wurde immer zerfahrener. Das, was da in der fränkischen Herbstsonne auf dem Rasen passierte, erinnerte eher an ein Zweit- denn an ein Erstligaspiel. Sinnbildlich dafür standen zwei Situationen kurz vor der Pause: Erst schoss der ehemalige Nürnberger Eduard Löwen, der inzwischen in Bochum spielt, aus aussichtsreicher Position mehrere Meter über das Fürther Tor, dann ließen sich die Fürther in der Offensive so viel Zeit, dass der Schiedsrichter einfach zur Halbzeit pfiff. Mit einem sekundenlangen Wutschrei von Trainer Stefan Leitl gingen beide Mannschaft in die Kabine.

Aus dieser kamen die Fürther erneut mit viel Elan

Aus dieser kamen die Fürther erneut mit viel Elan. Meyerhöfer versuchte es aus der Distanz (49.), Cedric Itten bekam nur kurz darauf keinen Druck hinter eine Flanke von Tillman, Seguins Schuss aus 20 Metern ging Richtung Tribünendach (51.). Die Fürther blieben spielbestimmend, Itten erwischte den Ball im Strafraum nicht richtig, Hrgota traf nach einer technisch unsauberen Ballmitnahme nur das Außennetz (58.). Bochums Trainer Thomas Reis reagierte als erster und brachte mit Danny Blum und Takuma Asano zwei neue Offensivspieler (62.), vier Minuten später wechselte Leitl Julian Green für den wenig auffälligen Jeremy Dudziak ein.

Dann griff das zuvor sehr passive Bochum plötzlich schnell an, nach Asanos Schuss jubelten die mitgereisten Bochumer Fans schon - der Eingewechselte hatte aber nur das Außennetz getroffen (68.). 20 Minuten vor Schluss setzte Leitl dann alles auf Angriff: Für Itten und Tillman kamen mit Abiama und Leweling zwei ausgeruhte Spieler. Gefährlich wurde es aber auf der anderen Seite: Nach einer Ecke köpfte Masovic knapp neben das Fürther Tor (76.). Vier Minuten später zielte Anthony Losilla nach einem Freistoß genauer - und traf unbedrängt von Sarpei zum 1:0 für den VfL.

Danach waren die Gäste dem 2:0 näher als die Fürther dem Ausgleich. Es war eine erschreckende Schlussphase aus Fürther Sicht. Das Kleeblatt wirkte endgültig mut- und ideenlos, auf dem Platz wie auf den Rängen tat sich nun nichts mehr. Ein ganzer Verein schien wie erstarrt. Die einzigen, die noch sangen, waren die mitgereisten Bochumer im Gästeblock, die um 17.22 Uhr den zweiten Saisonsieg feiern durften.

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