Zweiter Sieg unter Zorniger

Armindo Sieb trifft per Traumtor: Kleeblatt gewinnt auch in Braunschweig

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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6.11.2022, 15:31 Uhr
Der Schuss ins Glück: Armindo Sieb traf per Fallrückzieher zum 0:1.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Der Schuss ins Glück: Armindo Sieb traf per Fallrückzieher zum 0:1.

Im Pressekonferenzraum des Eintracht-Stadions wird die Geschichte lebendig. Gerahmte Plakate erinnert dort an die große Historie des Deutschen Meisters von 1967. An ein Spiel gegen Juventus Turin im März 1968 sowie neun Jahre später unter Flutlicht gegen Dynamo Kiew. Die Gegenwart des Braunschweiger Turn- und Sportvereins ist dagegen eine weniger erfolgreiche - auch wenn sich die Mannschaft des ehemaligen Fürther Co-Trainers Michael Schiele nach dem Aufstieg in die zweite Bundesliga zuletzt merklich stabilisiert hat.

Die Eintracht war ja mit sehr vielen Niederlagen in die Saison gestartet, hatte sich dann aber mit acht Spielen ohne Niederlage bis auf den elften Tabellenplatz nach oben geschossen. Doch die schöne Serie der Eintracht riss am Sonntagnachmittag. Das Kleeblatt gewann erneut dank eines Treffers von Armindo Sieb mit 1:0 und klettert mit nun 16 Punkten in der Tabelle auf den 14. Rang.

Mit der Aufstellung vom Bielefeld-Spiel

Das Duell zweier "alter Trainer-Freunde" aus Schwaben ging Alexander Zorniger mit derselben Aufstellung an wie seine geglückte Premiere gegen Arminia Bielefeld. Das Kleeblatt startete also erneut mit einer Dreierkette aus Sebastian Griesbeck, Damian Michalski und Oussama Haddadi sowie den offensiveren Außenverteidigern Marco Meyerhöfer (rechts) und Marco John (links). Tobias Raschl und Max Christiansen bildeten die Doppel-Sechs, Kapitän Branimir Hrgota sollte die Offensive hinter den beiden Angreifern Armindo Sieb und Ragnar Ache antreiben.

Die Fürther brauchten ein bisschen, um in das Spiel zu finden. Dann aber übernahmen sie das Kommando - und hätten nach sieben Minuten in Führung gehen müssen. Meyerhöfer schickte Ache in die Tiefe, der eigentlich perfekt in die Mitte zu Sieb spielte - der 19-Jährige aber schaffte es nicht, seine Füße schnell genug zu sortieren und verpasste so das 0:1. Wenig später verstummte das Stadion, offenbar wegen eines Rettungseinsatzes, für mehrere Minuten.

Als die Braunschweiger und Fürther Fans wieder ihre Lieder sangen, blieb das Kleeblatt die klar bessere Mannschaft. Mit mutigem und teilweise aggressivem Pressing hielten sie den BTSV meist weit weg vom eigenen Tor und kamen immer wieder in die gefährlichen Räume. Dort aber trafen sie entweder falsche Entscheidungen - oder ein Braunschweiger bekam noch seinen Fuß oder Kopf in den Weg.

Nach 18 Minuten schoss Ache auf Zuspiel von Hrgota aus spitzem Winkel knapp am rechten Pfosten vorbei, wo Meyerhöfer noch versuchte, den Ball ins Tor zu grätschen. Vor ihm klärte ein Braunschweiger gerade noch zur Ecke. Kurz darauf kam der ehemalige Fürther Torhüter Jasmin Fejzic gerade noch rechtzeitig vor Hrgota an den Ball. Eine Fürther Führung wäre längst nicht mehr unverdient gewesen.

Dann mussten die Braunschweiger erstmals wechseln. Anthony Ujah, einer ihrer Hoffnungsträger, war zuvor schon mal mit Rückenproblemen am Boden gelegen, um kurz vor Zwei musste er Feierabend machen. Chancen erspielten sich die ersatzgeschwächten Braunschweiger auch danach nicht, dafür prüfte Christiansen mit einer Direktabnahme aus 16 Metern Fejzic erneut. Zehn Minuten vor der Pause köpfte Sieb nach einer Ecke knapp über die Latte - doch sechs Minuten später zielte der junge Angreifer perfekt.

Sieb trifft per Fallrückzieher

Einen Freistoß von Marco John konnten die Braunschweiger nicht richtig klären. Acht, neun Meter vor dem Tor setzte Armindo Sieb, der vergangene Woche sein erstes Zweitliga-Tor erzielt hatte, zu einem Fallrückzieher an - und setzte ihn genau in den Winkel. Es war: ein Tor des Monats. Mindestens. Und die verdiente wie überfällige Führung für das Kleeblatt, mit der es auch in die Pause ging.

Nach Wiederanpfiff mussten die Braunschweiger mehr für das Spiel machen - und rissen die Partie an sich. Klare Chancen erspielten sie sich zunächst nicht, die Fürther schafften es in der ersten Viertelstunde nach der Halbzeit allerdings kaum, mal wirklich aus der eigenen Hälfte. Auch, weil sie sich im Aufbau teilweise seltsame Fehler leisteten. Nach 59 Minuten schoss Nathan de Medina nur ein paar Zentimeter am rechten Pfosten vorbei, auch danach bekam das Kleeblatt nicht so wirklich Ruhe ins Spiel.

In der 67. Minute, als die Braunschweiger Fans von der Meisterschaft 1967 sangen, wechselte die Eintracht zweimal und brachte mit Fabio Kaufmann einen neuen Angreifer. Eine Minute später tauschte auch Alexander Zorniger doppelt: Für Armindo Sieb und Tobias Raschl kamen Dickson Abiama und Timothy Tillman. Doch die in der zweiten Hälfte schwachen Fürther konnten auch mit frischem Personal kaum für Entlastung sorgen und schafften es kaum, den Ball mal länger als ein paar Sekunden in den eigenen Reihen zu halten.

Eine Viertelstunde vor Schluss retteten nach einem Eckball erst Andreas Linde und dann der Pfosten die inzwischen schmeichelhafte Fürther Führung. Wie schon in der Vorwoche gegen Arminia Bielefeld verpasste es das Kleeblatt, das Spiel frühzeitig für sich zu entscheiden und musste deshalb lange zittern. Zorniger brachte erst Simon Asta für Meyerhöfer und kurz vor Schluss auch noch Gideon Jung für Ache - und stellte erneut zum Verteidigen auf ein 5-4-1 um.

Mit konzentrierter Arbeit brachte die Spielvereinigung das 1:0 über die Linie. Um 15.21 Uhr durfte Alexander Zorniger erneut jubeln. Dem neuen Trainer ist mit zwei Zu-Null-Spielen und zwei Siegen der perfekte Einstand gelungen. Am Mittwoch geht es gegen den HSV weiter.

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