Defensiv nicht bundesligatauglich

Es wird immer schlimmer! Das Kleeblatt verliert 1:7 in Leverkusen

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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4.12.2021, 17:58 Uhr
13. Niederlage im 14. Spiel: Das Kleeblatt um Timothy Tillman und Sebastian Griesbeck ist der schlechteste Bundesligist aller Zeiten. Auch in Leverkusen hatten die Fürther nicht den Hauch einer Chance.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink 13. Niederlage im 14. Spiel: Das Kleeblatt um Timothy Tillman und Sebastian Griesbeck ist der schlechteste Bundesligist aller Zeiten. Auch in Leverkusen hatten die Fürther nicht den Hauch einer Chance.

Am Samstag stand eines der größten Spiele der Fürther Vereinsgeschichte an. Die Spielvereinigung wurde in ihrer langen Historie dreimal Deutscher Meister, zuletzt vor 92 Jahren. Doch an diesem 4. Dezember 2021, da hatte das Kleeblatt die Chance, inoffizieller Klub-Weltmeister zu werden. Die Idee dahinter: Weltmeister ist, wer die beste Mannschaft der Welt schlägt. Mehrere Fans hatten einst bis ins 19. Jahrhundert zurück gerechnet, um in England den ersten Weltmeister aller Zeiten zu finden.

Knapp 130 Jahre später heißt der amtierende Klub-Weltmeister Bayer Leverkusen. Mit einem Sieg gegen Bochum, das den Titel zuvor der TSG Hoffenheim entrissen hatte, durfte Bayer im November feiern und verteidigte die Auszeichnung zuletzt auch in der Europa League gegen Celtic Glasgow sowie mit einem 3:1 bei RB Leipzig.

Das führte dazu, dass das Kleeblatt zum zweiten Mal die Chance hatte, Klub-Weltmeister zu werden. Im September verloren die Fürther das "Finale" gegen den FC Bayern - und auch am Samstagnachmittag verpasste es die Spielvereinigung, mal wieder für gute Nachrichten zu sorgen. Das 1:7 (1:3) in Leverkusen war aufgrund der vielen Fehler in der Defensive vollkommen verdient - und die zwölfte Niederlage in Folge. Noch nie war eine Mannschaft in 58 Jahren Bundesliga schlechter.

Auf das 3:6 gegen Hoffenheim reagierte Trainer Stefan Leitl mit vier Wechseln. Die beiden schwachen Außenverteidiger Marco Meyerhöfer und Simon Asta mussten auf die Bank, für sie starteten Jetro Willems (links) und Abdourahmane Barry (rechts). Zudem übernahm Sebastian Griesbeck den Platz von Hans Nunoo Sarpei in der Innenverteidigung, Jeremy Dudziak rückte für den erkälteten Havard Nielsen ins Mittelfeld.

Das Kleeblatt agierte im 4-3-3 wieder sehr offensiv und hatte zu Beginn auch die besseren Möglichkeiten. Dickson Abiama haute den Ball nach einem Leverkusener Fehlpass aber ein paar Meter über das Tor (5. Minute) - und musste kurz darauf mitansehen, wie erneut der erste Schuss auf das Fürther Tor drin war. Dudziak köpfte den Ball in der eigenen Hälfte halbherzig weg, einen Pass nach außen später zog Moussa Diaby Richtung Grundlinie. Seine Hereingabe lenkte Amine Adli artistisch zum 1:0 ins Tor (12.).

Entscheidung bleibt trotz VAR-Eingriff

Nur zwei Minuten später jubelten die Fürther. Einen Freistoß von Dudziak hatte Barry in die Mitte gelenkt, wo Branimir Hrgota den Pfosten traf. Maximilian Bauer aber drosch den Abpraller zum vermeintlichen Ausgleich ins Tor. Der Linienrichter aber hatte sofort auf Abseits entschieden - eine Entscheidung, die auch nach VAR-Eingriff bestehen blieb. Offenbar sollte Max Christiansen, der bei der Flanke im Abseits stand, seinen Gegenspieler behindert haben. Auf Sky spekulierte man stattdessen, dass Abiama beim Abschluss von Bauer die Leverkusener gestört hatte.

Statt 1:1 stand es nach 18 Minuten dann 2:0. Nach einem Freistoß von Wirtz stimmte die Zuordnung in der Fürther Defensive überhaupt nicht. Edmond Tapsoba und Jonathan Tah standen im Strafraum komplett frei, Tapsoba drückte den Ball mit einem platzierten Kopfball ins Tor. Zweiter Schuss. Zweites Tor. Die schwächste Abwehr der Bundesliga hatte ihrem Gegner mal wieder zwei Treffer geschenkt.

Die Köpfe gingen nun nach unten, natürlich, es drohte ja die 13. Niederlage im 14. Spiel. Einen Kopfball von Hrgota lenkte Lukas Hradecky noch über die Latte (26.), dann zeigte Dickson Abiama, dass auch die Fürther Offensive derzeit kaum auf Bundesliga-Niveau spielt. Aus knapp 22 Metern haute er den Ball mehrere Meter über das leere (!) Leverkusener Tor (30.). Dann aber jubelten die Fürther: Leweling spielte nach gutem Dribbling an den Fünfmeterraum, der Ball prallte zu Dudziak, der mithilfe des Innenpfostens zum 1:2 traf (33.).

Funk 30 Sekunden nach Wiederanpfiff gefordert

Fünf Minuten vor der Pause übersah Griesbeck den Leverkusener Patrick Schick im Fürther Strafraum und legte diesem fast das 1:3 auf, Funk klärte gerade noch in höchster Not. Hrgota hatte auf der anderen Seite die Möglichkeit zum Ausgleich, doch statt mit einem 2:2 ging es mit einem 1:3 aus Fürther Sicht in die Kabine. Schick durfte am Fürther Strafraum machen, was er will, sah Piero Hincapie einlaufen und schickte diesen. Der Schuss des Linksverteidigers war nicht unhaltbar, flog aber unter Funks Händen ins Tor.

Nachdem sie 15 Minuten durchatmen durften, ging die Arbeit für die Fürther nach der Pause weiter. Nur 30 Sekunden nach Wiederanpfiff wehrte Funk einen Schuss von Adli zur Ecke ab, in der 49. Minute aber war der Fürther Torhüter zum vierten Mal geschlagen. Abdourahmane Barry ließ den Ball unbedrängt einige Meter von seinem Fuß prallen, Leverkusen konterte schnell über Wirtz und Adli, im Strafraum drückte Schick den Ball zum 4:1 über die Linie.

Barry verliert den Ball - 1:4

Leitl reagierte und brachte erst Paul Seguin für den schwachen Dudziak, nach einer Stunde auch Havard Nielsen (für Leweling) und Marco Meyerhöfer (für Willems). Besser wurde es auch nach den drei Wechseln nicht. Bei einem aussichtsreichen Angriff verpasste es Nielsen, zu schießen, lief sich fest und verlor schließlich den Ball. So konnte Leverkusen im eigenen Stadion erneut kontern, Diaby war schneller als Barry, behielt die Übersicht und legte in die Mitte zu Schick, der mit seinem zweiten Tor zum 5:1 traf (69.).

Es drohte ein Debakel zu werden für die Fürther. Es waren ja noch 20 Minuten zu spielen. Und es wurde zu einem Debakel. Die völlig indisponierten Fürther irrlichterten nun nur noch über den Platz. Der eingewechselte Karim Bellarabi schoss an die Latte, Schick schaltete schnell und köpfte den Ball zum 6:1 ins Fürther Tor (74.), zwei Minuten später setzte sich Florian Wirtz gegen Christiansen und Seguin durch und legte den Ball in den Lauf von Schick. Der Tscheche blieb cool und traf zum vierten Mal. 7:1. Sieben. Zu. Eins. Und noch immer 15 Minuten zu spielen.

In diesen passierte aus Fürther Sicht glücklicherweise nicht mehr viel. Um 17.22 Uhr hatte der Schiedsrichter ein Einsehen und pfiff nach nur neun Sekunden Nachspielzeit ab. 0:4, 3:6, 1:7: Die Bilanz des Kleeblatts ist ein Bild des Grauens.

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