Fürths Führungsspieler

"Kommunikation ist wichtig": Warum Fürths Griesbeck trotzdem nicht gerne spricht

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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27.9.2022, 05:21 Uhr
Anführer auf dem Platz: Sebastian Griesbeck stabilisiert das Kleeblatt.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Anführer auf dem Platz: Sebastian Griesbeck stabilisiert das Kleeblatt.

Ganz so große Lust hat Sebastian Griesbeck nicht auf dieses Gespräch. Es ist Montagvormittag, aber am Montag liegt Griesbecks Unlust nicht. Er würde auch an allen anderen Wochentagen gerne auf Gespräche mit Journalisten verzichten. Keine spezielle Abneigung, er findet es nur etwas kurios, abseits eines Fußballplatzes über Fußball zu sprechen. Ist ja alles gar nicht so wichtig, findet Griesbeck. Oder, anders ausgedrückt: Wichtig ist auf dem Platz.

Sagt zumindest der Mittelfeldspieler der Spielvereinigung Greuther Fürth so ähnlich. Fürs Reden wird er nicht bezahlt. „Meine Arbeit ist Fußball spielen“, sagt Griesbeck, „ich fühle mich auf dem Platz wohl, da weiß ich, was zu tun ist.“ Hat man unter anderem am Sonntag vor einer Woche gesehen, als Griesbeck gegen den SC Paderborn nach einer Wadenverletzung sein Startelfcomeback im defensiven Mittelfeld gegeben hat und damit die ganze Spielvereinigung so stabilisiert hatte, dass es gegen den Spitzenreiter zum ersten Saisonsieg gereicht hat.

Aber darüber sprechen, was seine Rolle bei diesem Erfolg betrifft? Muss nicht unbedingt sein. Tut er dann doch, sagt zum Beispiel: „Ich muss und will Verantwortung auf dem Platz übernehmen, damit wir einen Aufwärtstrend hinbekommen.“ Das muss dann aber auch reichen, alle anderen Dinge sind ihm nicht so wichtig, auch wenn schon viel zu erzählen hätte. Unter anderem den mindestens erstaunlichen Fakt, dass er am Montag zwar schon 32 Jahre alt wird, in seiner Karriere in den ersten drei Ligen dieses Landes aber noch keine einzige Trainerentlassung hat erleben müssen.

Liegt natürlich daran, dass er sehr lange im Heidenheim des Trainers Frank Schmidt gespielt hat, dann ein Jahr bei Union Berlin und jetzt eben seit einem Jahr in Fürth. Hier hätte die schöne trainerentlassungsfreie Bilanz ja jetzt kaputt gehen können, wenn gegen Paderborn die Wende nicht gelungen wäre. Ist sie aber nicht, was auch gut so ist, sagt Griesbeck: „Diese Serie jetzt ohne Siege lag nicht am Trainer. Der hat uns gut eingestellt, das war top. Wir haben es nur nicht auf den Platz bekommen, was wir uns vorgenommen haben.“

Wo er spielt? Egal.

Mehr zum erstaunlichen Thema kommt dann aber nicht vom freundlichen Griesbeck, der den Fürthern gerade in Sachen Aggressivität auf dem Platz sehr gut tut. Wobei, den berühmtesten Satz mit Bezug auf Trainer, den es im deutschen Fußball gibt, sagt er dann doch auch noch: „Ich spiele da, wo der Trainer mich aufstellt.“

Er sagt das auf die Frage, die viele Menschen in Fürth beschäftigt. Ob nämlich Sebastian Griesbeck als Innenverteidiger wichtiger ist für das Kleeblatt oder als Mittelfeldspieler? Was die Menschen in Fürth jetzt also mit Griesbecks Hilfe wissen: Sebastian Griesbeck ist das wurscht. Hauptsache, sie haben gemeinsam Erfolg.

Die Mutter auf Auswärtsfahrt

Er lässt die meisten Fragen also routiniert-freundlich abtropfen, weshalb man dann auch die sportfernen stellen kann, von denen man vorher erfahren hat, dass Griesbeck mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht beantworten wird. Also: Stimmt das, dass die Mutter einst mit einem Fanclub des 1. FC Heidenheim zu den Auswärtsspielen fuhr? Und vor allem: Macht sie das immer noch? Stimmt, sagt Griesbeck, und: Macht sie nicht mehr, weil es dann doch der fußballspielende Sohn ist, der ihr noch wichtiger ist als der 1. FC Heidenheim. Aber: „Ich kann mir vorstellen, dass meine Mutter immer noch manchmal hofft, dass Heidenheim gewinnt – wenn sie nicht gerade gegen uns spielen.“

Eine fachfremde Frage also und trotzdem noch eine freundliche Antwort. Was man auf keinen Fall fragen soll, ist aber die Sache mit Kathrin Hendrich. Die ist eine der besten Fußballerinnen Deutschlands, Champions-League-Siegerin, Deutsche Meisterin - und Griesbecks Freundin.

Die Freundin auf der Euphoriewelle

Im Sommer, als Griesbeck gerade mit dem Kleeblatt abgestiegen war, schwebte Hendrich mit der Nationalmannschaft auf einer Welle der Euphorie, die sie bis ins EM-Finale trug. Wenige Stunden vor dem Endspiel scheiterten Fürth und Griesbeck im DFB-Pokal an einem Fünftligisten. Wäre ja schon interessant zu wissen, was das mit einer Beziehung macht, wenn die eine gerade von Erfolg zu Erfolg eilt, während der andere ständig Niederlagen verarbeiten muss.
Sehr berechtigter Einwand von Sebastian Griesbeck: „Das wird sicherlich nicht nur bei Fußballer-Paaren so sein, das gibt es bei anderen Paaren auch – ich weiß nicht, was da jetzt der große Unterschied sein soll.“

Das Gespräch findet dann bald ein Ende, Griesbeck geht freundlich grüßend. Zwei Sätze bleiben besonders in Erinnerung. Sie lauten: „Man muss die Sachen, die man sieht, ansprechen. Kommunikation ist wichtig.“ Da sprach Griesbeck aber schon längst wieder über seine Arbeit: Fußball spielen.

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