Fürther Fußballer darf nach Japan

Stach bei Olympia: "Da sind ein paar Tränen geflossen"

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

E-Mail zur Autorenseite

6.7.2021, 06:00 Uhr
Herz zeigen für Deutschland: Seine Auswahl für das Fußballturnier stellte der DFB im Anime-Stil vor. Neben dem Fürther Anton Stach sind auch sein ehemaliger Kollege David Raum sowie die Ex-Nürnberger Cedric Teuchert und Eduard Löwen dabei.

Herz zeigen für Deutschland: Seine Auswahl für das Fußballturnier stellte der DFB im Anime-Stil vor. Neben dem Fürther Anton Stach sind auch sein ehemaliger Kollege David Raum sowie die Ex-Nürnberger Cedric Teuchert und Eduard Löwen dabei. © sport-oly-20210705-123142_app11_00.jpg, NN

Als das Handy klingelte, da wusste Anton Stach, dass es nicht irgendein Telefonat werden würde. Auf dem Display stand der Name von U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz, dem Mann, der dem Fußballer der SpVgg Greuther Fürth in diesem Jahr zu seinem Länderspieldebüt verholfen hat. Kuntz wollte seinem Schützling, der gerade daheim bei seinen Eltern in Niedersachsen war, mitteilen, dass sie demnächst gemeinsam nach Japan fliegen und Deutschland beim Olympischen Fußballturnier vertreten werden.

Die Nachricht kam überraschend für den 22-Jährigen, "ich habe nicht damit gerechnet", sagt er am Montagvormittag nach einer Trainingseinheit im Fürther Nieselregen. "Es gab ja eine Vorauswahl mit knapp 50 Spielern, bei der ich nicht dabei war." Von seinem ehemaligen Mannschaftskollegen Paul Jaeckel und David Raum hatte er erfahren, dass die schon verschiedene Dokumente für die Reise nach Asien hatten abgeben müssen - Stach hingegen war ja im Rekordtempo vom Regionalliga- zum Zweitliga- und wenig später zum Nationalspieler geworden.

Beim Kleeblatt war er zuletzt nicht mehr wegzudenken, er war sehr präsent auf dem Platz, holte sich in Zweikämpfen die Bälle, baute das Spiel auf und wurde mit jedem Einsatz wichtiger für die Mannschaft. Als er im März gegen den VfL Bochum sein erstes Zweitligator schoss, saß U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz auf der Tribüne - und war begeistert. Bei der Vorrunde der U21-EM durfte Stach erstmals das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen, vor knapp einem Monat wurde er mit der deutschen Auswahl Europameister.

Auch Raum, Teuchert und Löwen dabei

Die Leistungen einer jungen und leidenschaftlichen deutschen Nationalmannschaft begeisterten viele Fußballfans in Deutschland - und sollen es bald wieder tun. Vor allem jetzt, da die Begeisterung für die Nationalmannschaften nach dem Achtelfinal-Aus von Jogi Löws Mannschaft eher gering ist. Sieben U21-Europameister, darunter der langjährige Fürther David Raum, werden in Japan dabei sein, dazu kommen einige erfahrene Spieler sowie die ehemaligen Nürnberger Cedric Teuchert (Union Berlin) und Eduard Löwen (VfL Bochum).

In dieser Woche kann Anon Stach (links) noch mit Paul Seguin und seinen anderen Fürther Kollegen trainieren, dann geht es zu den Olympischen Spielen.

In dieser Woche kann Anon Stach (links) noch mit Paul Seguin und seinen anderen Fürther Kollegen trainieren, dann geht es zu den Olympischen Spielen. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Über das Aufgebot wurde zuletzt viel diskutiert, nicht alle Vereine wollten ihre Spieler in der entscheidenden Phase der Vorbereitung für die Nationalmannschaft abstellen. "Die Bereitschaft, das Olympiateam zu unterstützen, war in der Bundesliga unterschiedlich", sagt Kuntz. "Einige große Vereine wollten leider nicht so wie erhofft helfen, umso mehr freue ich mich über die Unterstützung der restlichen Vereine."

Beim Kleeblatt waren sie gerne bereit, ihrem Spieler den Ausflug nach Japan zu ermöglichen. Die Nominierung ist ja auch eine Auszeichnung für den Verein und seine Talentspäher. Dazu kommt, dass Stach wegen seiner Roten Karte beim entscheidenden Aufstiegsspiel gegen Düsseldorf für die ersten zwei Bundesliga-Spiele gesperrt sein wird.

Das Pokalspiel in Babelsberg am zweiten August-Wochenende wird er zwar verpassen, sollte die deutsche Mannschaft weit kommen - aber was ist das schon gegen den Traum eines jeden Sportlers. Die Vorfreude bei Anton Stach ist jedenfalls riesig. "Als Kind habe ich die Olympischen Spiele früher immer im Fernsehen angeschaut", sagt er. "Da jetzt selbst dabei zu sein, ist etwas total besonderes für mich."

Auftakt gegen Brasilien

Nach dem Anruf des Bundestrainers musste er erst einmal ein paar Sachen klären. Der neue Reisepass ist glücklicherweise rechtzeitig fertig geworden, sodass dem Abflug nach Japan nichts mehr im Weg steht. Am Montag geht es für ihn nach Frankfurt und von dort weiter nach Tokio. Am 22. Juli steigt die deutsche Auswahl mit einem Spiel gegen Brasilien ins Olympische Turnier ein, außerdem geht es gegen Saudi-Arabien und die Elfenbeinküste.

Als das Handy vor ein paar Tagen unerwartet klingelte und der Bundestrainer anrief, saßen Stachs Eltern daneben. "Da sind ein paar Tränen geflossen", erinnert sich der Sohn. Mama und Papa sind eben doch die größten Fans.

2 Kommentare