Fürth live!

Nach furioser Partie und Abiama-Jokertor! Fürth steigt auf

23.5.2021, 17:45 Uhr
Der beste Joker der Liga traf auch im letzten Ligaspiel der Saison und ließ sein Kleeblatt jubeln.

Der beste Joker der Liga traf auch im letzten Ligaspiel der Saison und ließ sein Kleeblatt jubeln. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Als Schiedsrichter Harm Osmers das letzte Mal an diesem Nachmittag seine Pfeife in den Mund steckte und Spieler, Trainer und Betreuer auf der Fürther Bank eskalierten, da dürfte dem ein oder anderen wahrscheinlich noch einmal die Saison im Schnelldurchgang durch den Kopf gegangen sein: das 1:1 zum Auftakt gegen Osnabrück, als die Fürther eigentlich vier-, fünf- oder sechszueins hätten gewinnen müssen; das 3:1 in Kiel, das wie eine Initialzündung wirkte; das bittere 0:4 gegen Darmstadt, im eigenen Stadion; das Traumtor von Branimir Hrgota beim 3:2 gegen Sandhausen – und nun eben: Das unfassbare Comeback gegen Düsseldorf.

Auch die Saison 2020/21 hatte Höhepunkte und Tiefpunkte für die SpVgg Greuther Fürth bereit gehalten, aber nachdem ihnen am 34. Spieltag tatsächlich die Sensation, der niemals für möglich gehaltene Aufstieg glückte, werden vor allem die Bilder von diesem unfassbaren Comeback im Kopf bleiben.

Das Kleeblatt besiegte Fortuna Düsseldorf mit 3:2 (0:1) und weil zeitgleich Holstein Kiel gegen dem SV Darmstadt 2:3 unterlag, spart sich die Spielvereinigung sogar die Relegation. Und verwandelte sich Fürth um 17:22 Uhr trotz Pandemie in eine große Partyarea. Nach 2012 ist die SpVgg Greuther Fürth zum zweiten Mal erstklassig.

Euphorische Begrüßung

Pünktlich, als die Spieler um kurz vor Drei auf den Rasen kamen, um sich aufzuwärmen, kam die Sonne über dem Ronhof heraus. Der Tag hatte regnerisch begonnen, noch kurz vor der Ankunft der Mannschaften waren dunkle Wolken zu sehen gewesen, aber nun schien sich sogar der Himmel hübsch zu machen für das bevorstehende Großereignis.

Auch diesmal hatte Stefan Leitl an seiner gewohnten Startformation festgehalten. "Wir wollen nicht in Rückstand geraten und das Spiel unter Kontrolle bekommen", sagte Fürths Trainer im Vorfeld. Jäger bleiben, Druck auf die Konkurrenz ausüben – so lautete der Plan für den Tabellendritten, der auf etwas Hilfe von Sandhausen oder Darmstadt angewiesen war.


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Das mit der Spielkontrolle funktionierte zunächst ganz gut. Auf der Tribüne wurde jeder gewonnene Zweikampf lautstark beklatscht, vor dem Stadion feuerten rund 350 Fans an. Eineinhalb Stunden zuvor hatten sie bereits den Mannschaftsbus mit den Spielern euphorisch empfangen.

Stach sieht Rot

Aufregend wurde es im Stadion zunächst nicht, das sollte sich aber bald ändern. Nach zehn Minuten bot sich Branimir Hrgota eine erste Schusschance, Fürths Kapitän wurde aber geblockt. Immer wieder sprinteten die beiden Außenverteidiger David Raum und Marco Meyerhöfer die Außenlinie entlang und flankten in den Düsseldorfer Strafraum. Nach 38 Minuten hätte Sebastian Ernst beinahe eine solche Meyerhöfer-Flanke im Tor untergebracht, es blieb aber beim Konjunktiv. Und vor allem stand es da bereits 0:1. Kristoffer Peterson war am Ende eines Konters nicht angegriffen worden, sein Schlenzer passte perfekt ins Eck (26.).

Fürth hatte nun Feuer gefangen, vor allem hatte Anton Stach Feuer gefangen. Nachdem der Mittelfeldspieler in der 44. Minute Gelb gesehen hatte, zwei Fouls an ihm aber unberücksichtigt blieben, ging er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit etwas zu übermotiviert in einen Zweikampf mit Shinta Appelkamp. Nachdem sich Osmers die Szene noch einmal am Bildschirm angesehen hatte, entschied er auf glatt Rot.
Rückstand, Unterzahl, die Konkurrenz jeweils in Führung: Zur Pause sprach alles gegen Fürth – und für eine Dienstreise nach Köln.

In der Kabine schien Leitl seine Spieler allerdings daran erinnert zu haben, dass man in dieser Saison ja schon ein paar Rückschläge weggesteckt hat. Wenige Minuten nach dem Seitenwechsel eilte Osmers jedenfalls schon wieder zum Fernseher vor der Gegengerade. Düsseldorfs Christoph Klarer hatte im Strafraum den Ball mit der Hand berührt, Hrgota ließ sich diese erstklassige Gelegenheit vom Elfmeterpunkt nicht entgehen: 1:1 (53.). Weil aber auch Düsseldorf in dieser Saison gelernt hat, mit Rückschlägen umzugehen, lag Fürth nur drei Minuten später wieder hinten. Appelkamp hatte einen perfekt ausgespielten Konter eiskalt vollendet (56.).

Kleeblatt schreibt Geschichte

Wahrscheinlich hätten selbst die Fans vor dem Stadion es ihrer Mannschaft nun nicht übel genommen, sich der Resignation hinzugeben, aber nun waren es die Ergebnisse aus den anderen Stadien, die Mut machten. Bochum musste den Ausgleich hinnehmen, Kiel geriet dank des ehemaligen Fürthers Serdar Dursun sogar in Rückstand. Das setzte neue Kräfte frei und weil die Düsseldorfer in der 69. Minute sehr konfus verteidigten, durfte der traurige Stach auf der Tribüne gepflegt ausrasten. Meyerhöfer legte nach einer Flanke quer, Julian Green wurschtelte den Ball irgendwie über die Linie: 2:2. Das Kleeblatt war in dieser Sekunde aufgestiegen, unfassbar.

Natürlich hing der Aufstieg nun aber am berühmten seidenen Faden. Ein Gegentreffer und das flüchtige Glück wäre wieder Geschichte gewesen. Doch es kam noch besser. Viel besser.


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Darmstadt erhöhte in Kiel auf 3:1 und Fürth hörte auch in Unterzahl nicht auf, offensiv zu denken. In der 83. Minute wurde der gerade eingewechselte Dickson Abiama von Meyerhöfer auf die Reise geschickt und Abiama blickte sich nicht mehr um. Der beste Joker der Liga zog ab und als eine Sekunde später der Ball im Netz zappelte, gab es kein Halten mehr. Abiama rannte oben ohne in die Kurve Richtung Anhänger, alle Fürther im Stadion folgten. 3:2! Der Rest ist Geschichte.

SpVgg Greuther Fürth: Burchert - Meyerhöfer, Jaeckel, Bauer, Raum - Stach - Green (94. Asta), Seguin (89. Sarpei) - Ernst - Nielsen, Hrgota (81. Abiama)

Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier- Zimmermann, Klarer, Danso, Krajnc (80. Koutris) - Bodzek (76. Prib) - Klaus, Sobottka, Appelkamp (64. Karaman) , Peterson (76. Borrello) - Hennings (80. Kownacki)

Tore: 0:1 Peterson (26.), 1:1 Hrgota (53.), 1:2 Appelkamp (56.), 2:2 Green (69.), 3:2 Abiama (83.) | Gelbe Karten: Stach, Abiama, Sarpei - Peterson | Rote Karten: Stach - / | Schiedsrichter: Osmers (Hannover)

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