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Statt "Greuther": Fan-Kampagne kämpft für die SpVgg Fürth

Anhänger hoffen mit dem Namen auf mehr Bindung zum Verein - Infoabend am 13. Juli - 03.07.2019 13:02 Uhr

Einer von knapp 300 Wegweisern, die die Kampagnen-Mitglieder zum Saisonende in der ganzen Stadt aufgehängt hatten. © Foto: Wolfgang Händel


Man konnte den Ronhof gar nicht verfehlen. Knapp 300 Wegweiser, verteilt über die ganze Stadt, wiesen den Besuchern Ende der vergangenen Saison den Weg. Gebastelt hatten sie Fans, darauf zu lesen stand: "Da geht’s zur SpVgg Fürth, nicht zu den Greuthern."

Es gibt nur einen kleinen Haken: Im Ronhof spielt seit 1996 bekanntlich nicht mehr die SpVgg Fürth. Sondern die SpVgg Greuther Fürth.

Die Fan-Kampagne "Zurück zur SpVgg Fürth" kämpft dafür, dass der Verein wieder den alten Namen bekommt. Getragen wird sie momentan vor allem von den beiden Ultra-Gruppen und der größten Fanvereinigung des Kleeblatts, den Sportfreunden Ronhof. Aber sie soll offen für alle Anhänger sein. "Für unser Ziel ist es maßgeblich, alle Fans unter einen Hut zu bringen. Wir geben ihnen eine Stimme und eine Organisation, in die man sich einbringen kann, wenn man will", sagt Dominik Weiß von der Kampagne.

Ein Holzschuh als Symbol

Die Spielvereinigung ist ein Traditionsverein, wurde dreimal Deutscher Meister. So dankbar man war, dass das Kleeblatt mit dem Beitritt der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth wieder erfolgreich wurde: Der Namenszusatz "Greuther" war für viele eine Kränkung der Fürther Fußball-Seele. "Ich habe im Lauf der Jahre gemerkt: Es tut mir jedes Mal weh, wenn ich irgendwo Greuther höre", sagt Dieter Wirth, 63 Jahre alt, einst Vorstand der Sportfreunde Ronhof und ebenfalls Vertreter der Kampagne: "Die Spielvereinigung wurde immer stärker totgeschwiegen, das Greuther ist immer mehr in den Vordergrund gerückt. Es gab Jahre, da war das extrem. Auf Dauer kann man das als Fan nicht ertragen."

Aktionen gab es auch früher. Bei einem Freundschaftsspiel in Vestenbergsgreuth gaben die Sportfreunde Helmut Hack einmal symbolisch den Holzschuh (aus dem Wappen des TSV) zurück. Wirth muss schmunzeln, als er die Geschichte erzählt: "Er hat uns als die Ewiggestrigen betitelt." Die Fans merkten, dass die Aktion seinerzeit nicht bei allen gut ankam. "Vielleicht war die Zeit noch nicht reif."

Doch spätestens seit diesem Sommer herrscht bei Anhängern, denen das "Greuther" ein Dorn im Auge ist, Euphorie. "Die Zeit ist reif" steht auf Flyern, 40.000 davon wurden an Fürther Haushalte verteilt.

Infoabend im Kulturhaus

Um ihr Ziel zu erreichen, gestalten die Fans Choreographien, T-Shirts udn Aufkleber. Sie haben einen Blog aufgesetzt – und veranstalten am Samstag, 13. Juli, ab 19.03 Uhr einen Infoabend im Kulturhaus Otto (Theresienstraße 9): Die Kampagne will sich vorstellen, Zeitzeugen berichten dort von der Abstimmung, mit der der Name beschlossen wurde. Ein Rechtsanwalt wird über die Vereinssatzung referieren.

Denn von Vereins- wie auch Geschäftsführung der ausgegliederten Fußball-KG wird nicht zuletzt auf diese verwiesen, wenn es darum geht, aufzuzeigen: Eine Änderung des Namens sei nicht möglich – weil der TSV eine Sperrminorität hat. Die Köpfe hinter der Kampagne wollen das nicht akzeptieren. "Es würde theoretisch gehen. Man muss die Satzung ändern. Und das ist mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit möglich", sagt Weiß. Über die Zulassung eines solchen Antrags auf der Mitgliederversammlung müsste das Präsidium entscheiden. "Das heißt nicht, dass wir das so machen wollen", betont Weiß: "Aber wir wollen mit dem Argument aufräumen, dass es nicht geht."

Ausflug zum Lokalrivalen

Natürlich geht es bei der Namensfrage auch um das Lebenswerk von Helmut Hack. Den Initiatoren ist wichtig, dass es sich nicht um eine Kampagne gegen ihn handele. "Wir honorieren seine Leistungen. Aber viele haben Angst, wenn das Greuther wegfällt, würde man Herrn Hack vor die Füße spucken. Und das ist nicht so", sagt Fabian Northmann.

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Vom Dorfklub zum Bundesligisten: Helmut Hack und die SpVgg

Er war zweifelsohne der Macher der SpVgg Greuther Fürth: Helmut Hack. Von 1996 an war er nach der Fusion der SpVgg Greuther Fürth mit dem TSV Vestenbergsgreuth Präsident des Kleeblatts und hat den Verein in der zweiten Bundesliga etabliert. Ein Rückblick in Bildern.


Mit Hacks Rücktritt ist eine wichtige Verbindung zwischen Fürth und Vestenbergsgreuth in den Hintergrund getreten, wenige Tage nach seinem Abschied schon wurden Stimmen laut, die den Zusatz loswerden wollten. Im Februar dann richteten 33 Fan-Clubs des Kleeblatts einen Appell an regionale und überregionale Medien, den Verein und die Fans nicht als "Greuth", "Greuther" oder "Greuther Fürther" zu bezeichnen.

"Wir haben mit dem TSV keine Überschneidungen mehr", findet Northmann. Dass die Mannschaft des TSV, einzelne davon sogar mit FCN-Fanutensilien, im Januar einen Teamausflug zum Spiel des Rivalen aus Nürnberg machte, wertet er nur als weiteren Beleg dafür.

Hoffen auf eine neue Bindung

Es geht den Fans um mehr als den Namen. Die Wegweiser taugen als Symbol. "Wir wollen mit dem Namen auch eine neue Bindung und Identität für alle Kleeblattfans aufbauen", so Northmann: "Der Verein wird als SpVgg Fürth auch nicht gleich 15.000 Zuschauer anziehen. Da werden noch andere Komponenten mitspielen. Was für ein Profil gibt sich der Verein? Wie nimmt er die Fans mit? Lässt er sie mitgestalten?"

Viel hat sich in ihren Augen schon zum Positiven entwickelt. Das Wappen ist wieder das Kleeblatt-Logo, der Holzschuh ist verschwunden. Das Stadion heißt, dank Sponsor Thomas Sommer, mindestens bis 2021 Sportpark Ronhof. Alles Dinge, für die die Fans lange und engagiert getrommelt haben.

Sie ahnen aber, dass sich ihr vielleicht größtes Ziel nicht kurzfristig umsetzen lässt. "Die Kampagne ist dafür da, es immer wieder in Erinnerung zu bringen", sagt Wirth: "Steter Tropfen höhlt den Stein." 

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