Vergleich der Super-Sprinter: David Raum versus Marcus Grun

Martin Schano
Martin Schano

Fürther Nachrichten

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Marcus Grun ist der schnellste Mann Zirndorfs. Er läuft die 100 Meter unter elf Sekunden.

Marcus Grun ist der schnellste Mann Zirndorfs. Er läuft die 100 Meter unter elf Sekunden. © Foto: Svenja Merkel

David Raum ist regelmäßig der schnellste Fußballer in Reihen der SpVgg Greuther Fürth. In der Spitze erreichte er zuletzt 34,57 km/h. Der Fußball wird immer athletischer, heißt es. Sind also Profifußballer bessere Leichtathleten?


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Marcus Grun muss schmunzeln bei dieser Frage. Der Sprinter des TSV Zirndorf ist der derzeit schnellste Mann der Bibertstadt, weil er in diesem Jahr die 100 Meter unter elf Sekunden geschafft hat. Er sagt: "Zu Zeiten von Aubameyang in Dortmund hieß es auch, dass der schneller ist als Usain Bolt. Das kann man aber so nicht sagen."

Denn während ein Fußballer diese Geschwindigkeit nur kurz hält, muss ein Leichtathlet aus dem Startblock bei null beginnen und langsam seinen Körper aufrichten. "Bis ich auf den 100 Metern auf Höchstleistung bin, sind schon 60 rum", erklärt Grun. Wo Fußballer schon ausgepowert wären, muss der Leichtathlet sein Tempo bis zur Ziellinie halten.

Der Tausendsassa des TSV Zirndorf

Apropos Tempo halten: Marcus Grun ist der Tausendsassa des TSV Zirndorf schlechthin. Der 27-Jährige war der Stellvertreter von Walter Huber, dem Leiter der Leichtathletik-Abteilung. Seit jener vor einem Jahr starb, führt Grun die Geschäfte – immer noch als zweiter Vorsitzender, denn eine Mitgliederversammlung mit Neuwahlen durften sie bislang noch nicht abhalten.


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Trotzdem hat er sich mit der Sportlichen Leiterin und Weitsprung-Expertin Tina Pröger bereits Gedanken gemacht, wo es hingehen soll mit den immerhin 250 Mitgliedern, von denen 180 unter 18 Jahre alt sind. Herausgekommen ist die "Agenda TSV 2030".

"Wir haben uns gefragt: Welche Talente haben wir da und wie stehen deren Chancen? Wie wollen wir uns entwickeln?", erzählt Grun, "von den Erfolgen her möchten wir uns an der Quelle orientieren." Ansonsten versucht sich der TSV eher vom LAC zu emanzipieren. Denn beim Thema Leichtathletik in Fürth und Umgebung denke jeder zuerst an den großen Nachbarn.

Lauftreff für die Eltern

"Wir stehen immer als kleiner Verein gegenüber der Quelle da", sagt Grun ohne Groll, "aber es ist viel passiert in den vergangenen Jahren, in Mittelfranken sind wir schon ein besserer Verein." Aktiv abwerben werde er keinen LAC-Athleten. Doch klar ist auch, dass die Abteilung wachsen soll, denn mehr Mitgliedsbeiträge und Ehrenamtliche kann der ambitionierte TSV gut brauchen. Um etwa die Eltern der sporttreibenden Kinder "ins Boot zu holen", haben sie einen Lauftreff ins Leben gerufen.

Medaillen soll vor allem die 25-jährige Trainerin Pröger mit den Athleten ihrer "Sprunggruppe" im Weit- und Dreisprung (wie berichtet) holen. "Auf bayerischer Ebene ist gerade bei den Frauen einiges möglich", glaubt Grun. Das Ziel: "Die Quali für die Deutsche Meisterschaft sollte schon mal rausspringen."

Und für Grun selbst? Keine einfache Frage, denn der Abteilungschef tanzt auf vielen Hochzeiten. Er trainiert den Nachwuchs ab der Altersklasse U 16, ab nächstes Jahr auch die U 18. Der Fokus liegt auf den Disziplinen Sprint, Sprung und Lauf.

Dreisprung bei der Bahneröffnung

Messbar soll die Arbeit mangels einer Hallensaison erst zur Bahneröffnung am 17. April sein, die beim TSV mit einem Sportfest zelebriert wird. Dafür haben sie diesmal die Disziplin Dreisprung aufgenommen. Die Woche vorher geht es ins Trainingslager – eine Tradition seit sechs Jahren – nach Warnemünde an die Ostsee. Dort trainieren die Zirndorfer im Leichtathletikstadion neben der Fußballarena von Hansa Rostock, "mit einem Kraftraum aus der DDR", erzählt Grun und lacht.

Ernst hingegen ist seine eigene Jagd nach Bestzeiten. Immer noch. "Vor zwei Jahren habe ich mir gesagt, dass ich aufhöre, wenn ich mal eine Zehner-Zeit laufe", erinnert er sich und nimmt das Ende der Geschichte vorweg: "Ich habe natürlich nicht aufgehört." Zu verlockend war die Platzierung bei der Bayerischen Meisterschaft in diesem Jahr: Zweiter über 100 Meter in 10,96 Sekunden, "gleich im ersten Lauf nach dem Lockdown".

Im September in Erding hielt die Uhr bei 11,03 an. Also sagt er sich: "Ich mache weiter, weil ich nicht ohne kann." Außerdem sei es für den Nachwuchs die beste Motivation. "Sie sehen: Der quält sich für den Erfolg, also muss ich mich auch quälen." Ein kleines Vorbild wolle er sein. So wie es David Raum für kleine Ronhof-Kicker ist.

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