Leichtathletik

Zirndorfer Leichtathletik-Trainer kritisiert Privilegien

11.5.2021, 17:52 Uhr
Amelie Brandl (rechts, TSV Zirndorf) lieferte sich mit ihrer Freundin Anni Knoblich vom LAC Quelle Fürth bei den Mittelfränkischen Bezirksmeisterschaften im vergangenen Sommer über die 800 Meter ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Amelie Brandl (rechts, TSV Zirndorf) lieferte sich mit ihrer Freundin Anni Knoblich vom LAC Quelle Fürth bei den Mittelfränkischen Bezirksmeisterschaften im vergangenen Sommer über die 800 Meter ein Kopf-an-Kopf-Rennen. © Foto: Andreas Goldmann

Langsam erwacht der Breitensport aus der Zwangsruhe. Auch bei den Leichtathleten des TSV Zirndorf freut man sich über erste Lockerungen und verbesserte Trainingsmöglichkeiten. Seit einigen Wochen dürfen die TSVler sogar wieder auf ihrem Sportplatz trainieren.


Der schnellste Mann Zirndorfs gegen David Raum von der SpVgg Greuther Fürth


"Das hat zwar am Anfang nicht so ganz geklappt, aber letztendlich müssen wir uns bei der Stadt bedanken, dass sie es uns ermöglicht, wieder auf der Bahn zu trainieren", freut sich Marcus Grun, Trainer und Abteilungsleiter der Zirndorfer Leichtathleten. Das kommt besonders den Kindern zugute, die auch endlich wieder in Fünfergruppen trainieren können.

Der Aufwand für die Trainerinnen ist zwar höher als früher – weil sie ihre normalen Gruppen von 40 Kindern coronakonform aufteilen und nacheinander trainieren müssen –, aber "die machen es trotzdem gerne, sind engagiert und schließlich ist es ja so, dass auch sie froh sind, ihr Hobby weiter betreiben zu können", so Grun.

Immerhin bleibt Nicole Hettrich und Bianca Nagler der obligatorische Corona-Test erspart, die beiden Trainerinnen haben von Berufs wegen den Vorteil, bereits komplett geimpft zu sein. Wettkämpfe aber, das Salz in der Suppe für Sportler, finden derzeit für die Masse der Athleten nicht statt.

Athleten im Niemandsland

"Von daher werden wir zu Trainingsweltmeistern", scherzt Grun, "jedenfalls gilt das für alle, die nicht zum elitären Kreis gehören." Damit meint er Kaderathleten, die schon die ganze Zeit über relativ normal trainieren durften und auch Wettkämpfe angeboten bekommen. "Die Schere klafft dadurch weiter auseinander", klagt Grun, der selbst ambitionierter Sprinter ist.

"Ich bin bei den Bayerischen Meisterschaften auch immer im Finale und finde das nicht so ganz schlecht. Aktuell schaust du halt ein bisschen in die Röhre, weil du auf Feld-, Wald-, und Wiesenwegen trainieren musst, während Athleten aus dem Bundeskader alle Möglichkeiten haben." So wie ihm geht es derzeit vielen Sportlern, die sich nun zur Initiative "Athleten im Niemandsland" zusammengefunden haben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Trotzdem machen die Bibertstädter das Beste aus ihrer Situation. Das Training im Zimmermannspark hat zum Beispiel dabei geholfen, mit Sportlern ins Gespräch zu kommen, die ebenfalls ihr Training dorthin verlegt hatten.

Zum Kreis der Kaderathleten, die nahezu ungehindert auch auf Sportanlagen trainieren konnten, gehören beim TSV Zirndorf Tina Pröger, Miriam Backer, Christopher Hanné und Amelie Brandl. Während es Hanné als Jugendlicher frisch in den Kader geschafft hat, sind für Hürdenläuferin Backer und Dreispringerin Pröger die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig das erklärte Ziel.

Brandls großer Schritt

Die Qualifikationsnormen haben die beiden noch vom Vorjahr in der Tasche, nun müssen sie es nur noch unter die Top Zwölf (Pröger) und Top 16 (Backer) schaffen, um auch dort starten zu dürfen.Ihre erste Deutsche Meisterschaft in der Altersklasse U 16 peilt auch Amelie Brandl an. Die 14-jährige Läuferin hat kürzlich einen wichtigen Schritt zur Qualifikation geschafft: In München sprintete sie über 300 Meter zu ihrer "Zusatzqualifikation".

Die muss sie neben der Qualifikationsnorm in ihrer eigentlichen Disziplin, den 800 Metern, erreichen. Trainer Grun ist zuversichtlich, dass sie auch in ihrer Paradedisziplin die Norm erreichen wird: "Bei der geringen Anzahl an Wettkämpfen wäre es natürlich gut, wenn das in den nächsten Wochen schon klappen würde, damit wir frühzeitig für die Deutsche U 16-Meisterschaften planen können." Im ersten Versuch vor wenigen Tagen hatte sie die Norm allerdings noch um Haaresbreite verpasst.


Schock für das Nürnberger 400-Meter-Ass Patrick Schneider


Brandl selbst ist froh, endlich überhaupt wieder laufen zu können: "Das war schon cool, die ersten Wettkämpfe in diesem Jahr." Jetzt soll die 800-Meter-Norm noch fallen, denn "die Deutschen Meisterschaften sind für mich schon sehr wichtig. Das ist für dieses Jahr das Ziel, auf das ich hintrainiere". Schon jetzt freut sie sich darauf, sich im September mit den besten Läuferinnen Deutschlands zu messen.

Keine Kommentare