Nach Großbrand in Stuttgart

Wie gefährlich sind die Nürnberger Elektro-Busse?

Rurik Schnackig
Rurik Schnackig

Lokales

E-Mail zur Autorenseite

18.10.2021, 05:55 Uhr
Futuristisch: Der neue Ladehafen für E-Busse in Nürnberg.

Futuristisch: Der neue Ladehafen für E-Busse in Nürnberg. © VAG/Claus Felix, NN

Vor wenigen Tagen erst hat die VAG ihren neuen Ladehafen für die Elektroflotte in Betrieb genommen. Futuristisch, wie unter einem gelandeten Raumschiff Enterprise, können 39 Busse bestromt werden. Bei der Eröffnung des Nürnberger Busdepots war noch nicht klar, dass kurz darauf etwas geschehen wird, was einige Städte an ihren Elektroflotten zweifeln lässt: der Großbrand in Stuttgart. Schaden in Millionenhöhe, sechs Menschen verletzt, über 20 Busse ausgebrannt.

Erschreckende Bilder

Der Begriff "flammendes Inferno" ist hier nicht übertrieben. Als Ursache wird ein bestimmtes Modell eines Elektro-Busses angenommen, der beim Laden in Brand geraten ist. In offiziellen Mitteilungen wird der Name dieses Typs nicht erwähnt – was wiederum verständlich ist, wenn man bedenkt, dass die Ursache noch nicht eindeutig erwiesen ist, der Image-Schaden für den Hersteller aber groß wäre.

Schnittig: So sehen die E-Busse der VAG aus.

Schnittig: So sehen die E-Busse der VAG aus. © VAG/Claus Felix, NN

Natürlich aber weiß man in Fachkreisen um die Details der jeweiligen Fahrzeugflotten. Und so kommt aus Nürnberg von der VAG-Pressestelle eine dezidierte Entwarnung: "Wir haben keine Busse des gleichen Typs wie in Stuttgart." Somit sehe man auch keinen Handlungsbedarf wie etwa in München, wo man eben acht gleichartige Elektrobusse aus dem Verkehr genommen hat.

Situation nicht vergleichbar

Aktuell sind in Nürnberg neun Gelenk- und fünf Solo-E-Busse im Einsatz, davon sind sieben neue MAN E-Gelenkbusse. Die E-Busse stehen hauptsächlich im E-Bus-Port. Und eben dieser sei unter dem Aspekt Brandschutz genauestens geprüft und entsprechend gebaut worden. "Dort könnten im Ernstfall Rauch und Hitze einfacher entweichen", teilt eine VAG-Sprecherin mit.

Auch stehen die Busse nicht hintereinander, benachbarte könnten also weggefahren werden. Die Feuerwehr hätte zudem einen besseren Zugriff. Dies bestätigt Stephan Gräser vom Einsatzleitdienst der Nürnberger Feuerwehr – und er warnt: vor einer voreiligen Verurteilung generell von Elektrofahrzeugen. "Die Gefahr eines Brandes bei einem elektrisch betriebenen Fahrzeug ist nicht höher als bei einem Verbrenner", sagt Gräser.

Stimmungsmache

Natürlich kennt auch er die Fotos und Videos aus dem Internet, bei denen plötzlich ein E-Fahrzeug Feuer fängt. Das beunruhigt schnell. Und oft soll damit auch durchaus Stimmung gegen den alternativen Antrieb gemacht werden. "Das Risiko verteilt sich einfach anders", sagt Gräser. "Bei Bussen mit Verbrennungsmotor kann es in Ausnahmefällen während der Fahrt durch Überhitzung im Motorraum zu einem Brand kommen, bei Elektro-Bussen besteht das Risiko eher während des Ladens."

Dass Elektrofahrzeuge, die in Brand geraten sind, unlöschbar seien, wie oft behauptet, will er nicht bestätigen. "Man braucht mehr Löschwasser, muss länger kühlen – aber möglich ist es durchaus." So wie er die Lage in Stuttgart einschätzt, haben die Rettungskräfte dort mit ihrem Löschangriff von innen vorsichtig agieren müssen, weil das Dach der Halle akut einsturzgefährdet war, sich aber keine Menschen mehr darin befunden haben. "Da setzt man nicht das Leben der Feuerwehrmänner aufs Spiel."

Die Nürnberger Feuerwehr sei für den Fall der Fälle qualifiziert, Brände mit elektrischer Spannung bis zu 1000 Volt Niederspannung zu löschen. Gängige Elektrofahrzeuge liegen unter diesem Wert.

Da ist noch Luft nach oben

Wundern muss sich Gräser jedoch manchmal, dass bei neuen Baumaßnahmen noch längst nicht alles vorgeschrieben ist, was seiner Meinung nach beim Brandschutz schon Standard sein sollte. Brandmeldeanlagen etwa mit speziellen Frühwarnsystemen, die schon bei geringer Gas-Freisetzung der Akkus, also noch vor dem eigentlichen Brand, anschlagen.