Interessenkonflikt verschwiegen

Adidas zahlte keine Mieten mehr - nutzte "Bild" das für eine gezielte Kampagne?

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Manuel Kugler

Redaktion Politik und Wirtschaft

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15.9.2022, 15:46 Uhr
Adidas hatte sich im Frühjahr 2020 dazu entschlossen, für im Lockdown geschlossene Läden keine Miete mehr zu zahlen. 

© NICOLAS ASFOURI, AFP Adidas hatte sich im Frühjahr 2020 dazu entschlossen, für im Lockdown geschlossene Läden keine Miete mehr zu zahlen. 

Das legen jedenfalls Recherchen der britischen "Financial Times" nahe. Demnach habe Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Konzerns, den damaligen Chefredakteur der zum Verlag gehörenden "Bild"-Zeitung, Julian Reichelt, aufgefordert, für einen öffentlichen Aufschrei über die Adidas-Entscheidung zu sorgen.

Pikant ist das nicht nur wegen der Intervention in die Arbeit der Redaktion, sondern vor allem wegen eines Interessenskonflikts: Dem Bericht zufolge war Döpfner gemeinsam mit zwei weiteren Partnern Eigentümer eines Altbaus im Zentrum Berlins, in dem Adidas über zwei Etagen ein Geschäft angemietet hatte. Die "Bild"-Zeitung habe in ihrer Berichterstattung auf diesen möglichen Konflikt nicht hingewiesen.

Adidas musste sich schließlich entschuldigen

Adidas hatte sich im Frühjahr 2020 dazu entschlossen, für im Lockdown geschlossene Läden keine Miete mehr zu zahlen. Die Entscheidung sorgte für Entrüstung, weil der Herzogenauracher Konzern weiter Gewinne einfuhr. Die "Bild"-Zeitung berichtete als erste darüber und veröffentlichte in der Folge mehr als 20 Artikel dazu. Angesichts der öffentlichen Empörung entschuldigte sich Adidas schließlich und zahlte die Mieten.

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. 

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner.  © Britta Pedersen, dpa

In einer Stellungnahme bestreitet Axel Springer indes, dass ein potenzieller Interessenkonflikt vorgelegen habe, allein die Vorstellung sei schon "absurd", zitiert Spiegel Online. Döpfner habe die Informationen nur deshalb an "Bild" weitergegeben, weil er "sofort" gewusst habe, dass es sich um eine Angelegenheit "von überragendem öffentlichen Interesse" handle. Das sei die Aufgabe eines Verlegers - aus heutiger Sicht würde er "genau das Gleiche" tun. Gegenüber Chefredakteur Reichelt habe er zudem seinen Interessenskonflikt offengelegt.


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Döpfner habe, so Axel Springer weiter, "völlig im Einklang mit unseren Richtlinien" gehandelt. Im Verhaltenskodex des Verlags heißt es indes, Beschäftigte müssten "persönliche und private Interessen von denen des Unternehmens" trennen.

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