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Corona-Krise: Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt kämpft gegen Pleite

Sanierungsmaßnahmen sollen Arbeitsplätze weiter sichern - 21.12.2020 13:51 Uhr

Normalerweise zieht das Weihnachtsdorf in Rothenburg Scharen an Toruisten an.

21.12.2020 © Daniel Karmann, NNZ


Normalerweise verkauft das Familienunternehmen Käthe Wohlfahrt bundesweit auf zahlreichen Weihnachtsmärkten Nussknacker, Krippenfiguren, Schmuck für den Baum und eigentlich auch sonst alles, was man als Dekoration für die Advents- und Weihnachtszeit brauchen könnte. Doch durch die Beschränkungen im Zuge der Corona-Krise wurden nicht nur die Weihnachtsmärkte abgesagt, auch die stationären Geschäfte des Traditionsunternehmens aus Rothenburg ob der Tauber mussten wieder schließen.

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Dabei war das Jahr für das Familienunternehmen bereits nicht einfach. So strömen normalerweise Scharen an Touristen in das Weihnachtsdorf in Rothenburg, um sich dort mit dem Weihnachtsschmuck, hergestellt vornehmlich im Erzgebirge, einzudecken. Doch durch die Beschränkungen im Zuge der Pandemie kamen in diesem Jahr deutlich weniger Touristen, entsprechend niedriger fiel auch der Umsatz aus. Gleiches galt auch für die Geschäfte, die das Unternehmen in sieben Touristenstädten, darunter auch in Nürnberg, unterhält.


40 Jahre "Käthe Wohlfahrt" in Rothenburg


Nun musste das Unternehmen Konsequenzen ziehen und hat ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Konkret heißt das, dass sich das Familienunternehmen reorganisieren und sanieren will, um dem drohenden Existenz-Aus zu entgehen. Während des Verfahrens verbleibt die Leitung des Unternehmens zwar weiter bei Geschäftsführer Harald Wohlfahrt, das Unternehmen wird zusätzlich aber von einem Restrukturierungsexperten der Kanzlei Nickert unterstützt.

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Geschäftsführer Harald Wohlfahrt fiel der Schritt in die gerichtliche Eigenverwaltung laut eigener Aussage nicht leicht. "Gerade nach fast 60-jähriger Firmengeschichte versucht man grundsätzlich, einen solchen Schritt zu vermeiden." Die Auswirkungen der Corona-Situation habe ihm aber keine andere Wahl gelassen. Ziel sei es, die Standorte und Arbeitsplätze weiter zu erhalten. So soll der Geschäftsbetrieb des Unternehmens mit seinen 280 Mitarbeitern vorerst komplett weitergeführt werden. Das Gehalt der Angestellten ist, zumindest bis Ende Januar, über die Arbeitsagentur sichergestellt.

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Der vorläufige Sachverwalter Volker Böhm zeigt sich zudem zuversichtlich: "Käthe Wohlfahrt ist ein starker Markenname mit einer etablierten Position im Markt sowie einer hohen Kundenzufriedenheit. Mit einer zielgerichteten Sanierung sollte es möglich sein, dieses traditionsreiche Unternehmen wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen", so Böhm.

Die Restrukturierungsmaßnahmen sehen unter anderem vor, das Filialnetz und die Verkaufsstandorte zu optimieren. Zudem soll das Onlinegeschäft massiv gestärkt werden. Läuft alles nach Plan, soll das Schutzschirmverfahren mit Beginn des zweiten Quartals 2021 abgeschlossen werden.


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Das Traditionsunternehmen Käthe Wohlfahrt wurde von Wilhelm und Käthe Wohlfahrt, die zu Anfangszeiten vor allem Spieldosen verkauften, im Jahr 1964 gegründet. Zunächst im baden-württembergischen Herrenberg ansässig, zog das Unternehmen später nach Rothenburg ob der Tauber und eröffnete dort 1977 das erste Fachgeschäft für Weihnachtsartikel – Käthe Wohlfahrts Christkindlmarkt.

ankl

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