Insolvenzverfahren über Galeria Karstadt Kaufhof eröffnet

1.7.2020, 20:02 Uhr
Mit Protestaktionen – wie hier in Nürnberg – wehren sich Beschäftigte von Galeria Karstadt Kaufhof gegen die Rotstift-Politik des Warenhauskonzerns.

Mit Protestaktionen – wie hier in Nürnberg – wehren sich Beschäftigte von Galeria Karstadt Kaufhof gegen die Rotstift-Politik des Warenhauskonzerns. © Foto: Eduard Weigert

Zum Sachwalter wurde Rechtsanwalt Frank Kebekus bestellt. Bei den acht Unternehmen handelt es sich um die Karstadt Sports GmbH, die Galeria Logistik GmbH, die Sportarena GmbH, die Le Buffet Restaurant & Café Gesellschaft mbH, die Dinea Gastronomie GmbH, die Karstadt Feinkost GmbH & Co. KG, die Atrys I GmbH und die Saks Fifth Avenue Off 5th Europe GmbH, wie die Behörde mitteilte.

Kebekus war Anfang April, nachdem Galeria Karstadt Kaufhof ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt hatte, vom Gericht bereits zum vorläufigen Sachwalter bestellt worden. Das Schutzschirmverfahren bewahrt in die Krise geratene Unternehmen bis zu drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger und verschafft ihnen so Luft, sich zu sanieren. Die Geschäftsführung kann die Firma dabei weiter verantwortlich lenken.

Die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH und die Karstadt Sports GmbH haben Insolvenzpläne zur Vorbereitung der Sanierung ihrer Unternehmen eingereicht, so die Behörde weiter. Diese Pläne, die nun geprüft werden, wurden in den vergangenen Monaten erstellt. Um die Warenhauskette, die schon lange auf Sanierungskurs steuert, aus den tiefroten Zahlen zu bringen, will das Management 62 der bundesweit 172 Filialen schließen – darunter das Karstadt-Haus an der Nürnberger Lorenzkirche und die Filiale im Nürnberger Frankencenter. Ein Knackpunkt bei der Frage, welche Filialen eine Zukunft haben, sind die Mieten. Hier setzen das Unternehmen und die Arbeitnehmervertreter auf Zugeständnisse der Vermieter.

Die Gewerkschaft Verdi geißelt die Sparpolitik des Konzerns seit langem als ideenlos und macht dagegen mobil, auch mit Protestaktionen wie jüngst in Nürnberg. Verdi und die betroffenen Beschäftigten setzen bei ihrem Kampf um Arbeitsplätze und Standorte auch auf die Hilfe der Politik. Die Schließung von Warenhäusern würde viele Kommunen – auch Nürnberg – hart treffen, da die Standorte eine Magnetfunktion haben: Sie ziehen Kunden in die Innenstädte. Weniger Kunden aber schaden dem Handel insgesamt. Und dieser Gefahr ist man sich auch in den Rathäusern bewusst.

Wie das Amtsgericht Essen weiter mitteilte, wird der Sachwalter nunmehr die Gläubiger auffordern, ihre Forderungen anzumelden. Eine erste Gläubigerversammlung könnte Anfang September stattfinden.

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