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Nürnberger H&M-Mitarbeiter sind entsetzt: "Ich fühle mich verraten"

Von Stellenabbau bedrohte Arbeitnehmer kritisieren Personalentscheidung - 24.02.2021 15:10 Uhr

Deutschlandweit will H&M 800 Stellen abbauen, in den Nürnberger Filialen trifft es mindestens jede vierte.

24.02.2021 © Marijan Murat, ARC


"Ich fühle mich verraten" so eine Nürnberger H&M-Mitarbeiterin. Eine der beiden bisherigen Store-Managerinnen, eine Person also, die die Mitarbeiter teils schon seit Jahren kennen, solle bei Kündigungen mitentscheiden und diese auch aussprechen. Für die Angestellte, die ungenannt werden will, bloße Taktik: "H&M setzt bewusst einen Menschen auf diesen Posten, die uns seit Jahren kennt. Die die Namen meiner Familienmitglieder kennt."


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Auch bei der Gewerkschaft sorgt dieses Vorgehen für Irritation: "Die Verdi-Kolleginnen und -Kollegen sind entsetzt und wütend", heißt es in einer Mitteilung. So erschließe sich nicht, dass trotzt Corona-bedingten Sparzwangs offenbar genügend Geld dafür da sei, eine gut bezahlte Kraft ausschließlich mit der Aufgabe zu betrauen, "Menschen auf die Straße zu setzen". Um Kollegen weiter zu beschäftigen, dafür fehle allerdings das Geld.

Konzern dementiert Vorwürfe klar

Die Stellenstreichungen - genaue Zahlen sind für die Region noch nicht bekannt - sind laut H&M eine "notwendige Maßnahme zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit" in der durch die Corona-Pandemie gebeutelten Branche. Auch habe sich das Einkaufsverhalten der Kunden verändert. Weg vom Store, hin zum Onlinegeschäft.

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In der Konsequenz plant H&M deutschlandweit 800 Stellen abzubauen, das entspricht fünf Prozent aller Mitarbeiter. Zwölf der 393 Geschäfte werden geschlossen. Von dem Aus bleiben die Filialen in der Region zwar verschont, vom Stellenabbau allerdings nicht. Laut Verdi trifft es neben der Filiale in der Nürnberger Karolinenstraße auch H&M-Geschäfte in Würzburg, Weiden, Aschaffenburg, Ingolstadt und Schweinfurt.


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Für die Gewerkschaft der falsche Schritt: "Der Personalmangel ist schon jetzt im Regelbetrieb spürbar. Den Beschäftigten, die aktuell in Kurzarbeit sind, graut es davor, wie es nach dem Stellenabbau sein wird" so Jaana Hampel, Gewerkschaftssekretärin Verdi Handel. Die Gewerkschaft fordert H&M daher zu einem Digitalisierungsvertrag auf, den das Unternehmen bisher aber ablehne.


Konzern fordert mehr Transparenz von Gewerkschaft

Der schwedische Modekonzern kontert die Vorwürfe. "Wir können (...) dementieren, dass wir die Kolleginnen, 'für die Entlassungen abgestellt' haben." Vielmehr seien unter anderem die Store-Manager Ansprechpartner für das Abfindungsprogramm, das man den Mitarbeitern biete.

 

 

Der schwedische Modekonzern hatte den Mitarbeitern ein Freiwilligenprogramm angeboten. "Leider", so heißt es seitens des Unternehmens, habe der Gesamtbetriebsrat seine Beteiligung an den Verhandlungen darüber abgelehnt. "Die Notwendigkeit zur Umsetzung des vorgestellten Konzeptes blieb aber leider bestehen und wir haben selbstverständlich weiterhin an der Idee festgehalten, durch ein Freiwilligenprogramm betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden."

Auch kritisiert das Modeunternehmen mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der Gewerkschaft: "Die Inhalte des Digitaltarifvertrags von Verdi wurden uns bislang nicht genannt." Man fordere außerdem den Gesamtbetriebsrat weiter auf, etwa die Prozesse zur Einführung von Click&Collect zu verhandeln. Und damit den stationären Handel zukunftsfähig zu machen.

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