Nürnberger Versicherung: Wachstum trotz Krise

14.4.2021, 06:00 Uhr
Nürnberger Versicherung blickt auf ein positives Pandemiejahr zurück.

© Horst Linke, NZ Nürnberger Versicherung blickt auf ein positives Pandemiejahr zurück.

Vorstandschef Armin Zitzmann blickt auf ein sehr positives Jahr 2020 für die Nürnberger Versicherung zurück – trotz Covid-19-Pandemie. „Wir konnten unser Konzernergebnis sogar auf 78,5 Millionen Euro steigern“, sagt er im virtuellen Gespräch mit unserer Redaktion. Das sind 14,1 Prozent mehr als im Vorjahr, als das Ergebnis auf 69 Millionen Euro zugelegt hatte. Der zweite positive Aspekt sei, dass zu Beginn der Coronakrise innerhalb weniger Tage fast alle Mitarbeiter auf Homeoffice umstellen konnten.


So sei er stolz, dass sich kein einziger der rund 60 Corona-Fälle in der Belegschaft im Betrieb angesteckt hat und sehe auch kein Problem darin, dass Mitarbeiter – wenn von diesen gewünscht – wieder ins Büro kommen dürfen. „Wir haben viel Platz, die AHA-Regeln werden gut eingehalten und wir fordern jetzt auch vor Besprechungen Tests an“, erläutert Zitzmann.

Testpflicht ist Frechheit

Er empfinde es aber als Frechheit, dass die Politik den Unternehmen eine Testangebot-Pflicht vorschreibt, zumal die großen Firmen ohnehin schon im Rahmen ihrer Möglichkeiten testen – die kleinen mittelständischen es aber nicht immer leisten könnten. „Ich kann verstehen, dass viele Unternehmen stinksauer sind“, so Zitzmann, der als ehrenamtlicher IHK-Präsident die Nöte in den Branchen kennt und auch weiß, wie der Lockdown vielen zu schaffen macht.


Kunden und Partnern hat das Versicherungsunternehmen bereits zu Pandemiebeginn Hilfe angeboten. Auch bei Leistungen aus der Betriebsschließungsversicherung wurde mit 701 Unternehmen eine Vergleichslösung getroffen. „Wir haben fast 60 Millionen Euro bezahlt, darunter Millionenbeträge an große Hotels und mehrere hundert Euro an Tagescafés.“


Der Betrag stellt das größte Schadenereignis in der Geschichte der Nürnberger dar. „Jetzt schließen alle Versicherungen das Pandemie-Risiko explizit aus, um klar zu stellen, was nicht versichert ist. „Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft diskutiert momentan mit dem Gesetzgeber, ob es eine ähnliche Lösung wie beim Terrorrisiko geben kann. Hier wurde ein Spezialversicherer gegründet, an den die Unternehmen Beiträge zahlen. Zu einem bestimmten Betrag übernimmt dann die Versicherungswirtschaft und darüber hinaus der Staat“, berichtet der 60-Jährige. Bis es in Sachen Pandemie zu einer Lösung kommt, werde es noch ein bis zwei Jahre dauern.

Neugeschäft wächst durch Digitalisierung

Corona brachte dem Nürnberger Konzern – wie einigen anderen Unternehmen – aber auch einen Digitalisierungsschub, der das Neugeschäft voranbrachte: So wuchsen die Geschäftsfelder Lebensversicherung, Krankenversicherung und das Schadensegment. Auch die Mitarbeiterzahl stieg leicht von 4615 auf 4643 an, davon sind 133 in der Ausbildung. Die Aktionäre dürfen sich voraussichtlich auf eine gleichbleibende Dividende von 3,30 Euro pro Aktie freuen.


Um als Marke Nürnberger Versicherung bei jüngeren Menschen zwischen 25 und 45 Jahren auch außerhalb der Region Nürnberg bekannter zu werden, laufen seit 2019 auch wieder Werbespots im TV, aktuell zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung. Zitzmann begründet das mit Erfolgen in früheren Zeiten: „Bei der Zielgruppe in meinem Alter ist die Nürnberger bekannt, weil wir in den 1970er und 80er Jahren viel Fernsehwerbung gemacht haben. Der Slogan ,Schutz und Sicherheit im Zeichen der Burg‘ war in Deutschland sehr geläufig.“


Mit einer Einschränkung blickt der Vorstandsvorsitzende auch sehr positiv auf das laufende Jahr: „Die große Unsicherheit ist, wie es mit der Pandemie und dem Lockdown weitergeht“, sagt er. Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt? Wie viele Versicherungsbeiträge werden ausgesetzt oder reduziert?


Wenn sich Zitzmann von der Politik etwas wünschen würde, dann: dass Politiker bei ihren Entscheidungen Erkenntnisse darüber, wie und wo Ansteckungen mit dem Virus stattfinden, besser berücksichtigen. Aber, und das sei der große Fehler: „Die dazu notwendigen Daten haben wir in Deutschland nicht erhoben. Alles, was beschlossen wird, ist eigentlich Blindflug.“