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"Open Shutdown": Das Homeoffice spaltet die Arbeitswelt

Bei der Diskussionsreihe blicken Experten auf die Zukunft nach Corona - 21.11.2020 21:00 Uhr

Homeoffice verändert die Arbeitswelt

17.11.2020 © Sebastian Gollnow, dpa


„Die Arbeit geht uns auch nach der Krise nicht aus, sie wird aber anders“, sagt Walwei bei dem von NN-Chefredakteur Alexander Jungkunz moderierten Gespräch. „In Zukunft werden mehr Mitarbeiter keinen eigenen Schreibtisch in den Firmen haben“, meint Debus. Walwei ergänzt: „Dadurch entsteht in den Städten Raum für Wohnungen und der Verkehr wird entlastet.“ Denn: Auch nach der Krise werden die Menschen vermehrt zu Hause arbeiten.

Den Vorschlag von Arbeitsminister Hubertus Heil, dass Arbeitnehmer in Zukunft einen Anspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr haben sollen, bezeichnet Walwei als nicht durchdacht und als stumpfes Schwert. Das sei schwer durchsetzbar, es müsste viele Ausnahmen geben. Das zunehmende Homeoffice sehen die beiden Arbeitsmarktexperten durchaus positiv. Wichtige dabei seien maßgeschneiderte Wege und Regeln. Für Debus sind zum Beispiel Kernarbeitszeiten wichtig.

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Aber die beiden Arbeitsmarktexperten sind sich auch einig: Die schöne heile Homeoffice-Welt gibt es nicht. Debus setzt auf maßgeschneiderte Lösungen. Wer will, kann ins Büro, wer will, zu Hause arbeiten. Walwei meint sogar: „Arbeitgeber müssen nach der Krise versuchen, die Menschen wieder zurück ins Büro zu holen und die Arbeitsplätze interessanter machen.“

Umdenken müssten nicht nur die Arbeitnehmer, die im Homeoffice mehr Freiheit haben und leistungsorientierter arbeiten, sondern auch die Führungskräfte. „Es lässt sich nicht jede Arbeit kontrollieren, es zählt, was am Ende herauskommt“, sagt Walwei.

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Der neue Homeoffice-Trend spalte jedoch auch die Arbeitswelt. „Personen, für die das nicht möglich ist, werden ein bisschen vergessen“, erklärt Debus, zum Beispiel die Pflegebranche. Laut Walwei sei jedoch die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für solche Berufe gewachsen. Jobs im Gesundheitsbereich könnten nicht nur durch eine bessere Bezahlung attraktiver gemacht werden, auch die Arbeitsverdichtung spiele eine große Rolle. Wenn sich Pfleger um weniger Kranke kümmern müssten, würde auch die Zufriedenheit steigen.

Reale Treffen bleiben unersetzbar

Und noch etwas hat sich verändert: Die Art der Kommunikation. Weil Mitarbeiter vermehrt zu Hause arbeiten, wird auch mehr per Videokonferenzen besprochen. „Reale Treffen können dadurch aber nicht ersetzt werden“, ist sich Debus sicher. Auch Dienstreisen sind aus ihrer Sicht weiterhin wichtig. „Man kann zwar auch virtuelle Kaffeetrinken und ein virtuelles Abendessen veranstalten, aber das ist gewöhnungsbedürftig“, meint Walwei. Doch die Experten sind sich auch darin einig: Dienstreisen werden nicht mehr den selben Umfang haben wie vor der Krise.

Die Folge der Reihe „Open Shutdown“ ist hier abrufbar.

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