Personal verleihen: McDonalds und Aldi machen es vor

25.3.2020, 18:43 Uhr
Aldi reagiert auf den aktuellen Personalbedarf: Das Unternehmen hat eine Partnerschaft mit McDonalds Deutschland geschlossen.

Aldi reagiert auf den aktuellen Personalbedarf: Das Unternehmen hat eine Partnerschaft mit McDonalds Deutschland geschlossen. © Fabian Strauch, dpa

Amazon sucht. Rewe und Penny suchen. Denn's Biomarkt sucht, DHL sucht auch. Edeka sucht Mitarbeiter, genauso wie Netto. Sie alle brauchen mehr Personal, weil durch das Virus die Nachfrage im Supermarkt, im Online-Handel und in der Paketzustellung stark angezogen hat. Hunderte Stellenausschreibungen sind, auf den Websites der einzelnen Unternehmen, im Netz verstreut - doch alle einzeln. Aldi Nord und Süd wählten nun einen ganz anderen, unkonventionellen Weg: Seit vergangenem Freitag unterstützt McDonalds die Supermarktkette mit einer Personalpartnerschaft.

McDonalds-Mitarbeiter, die von einem eingeschränkten Restaurantbetrieb in ihrer Filiale betroffen sind, können nun in Aldi-Filialen eingesetzt werden. Sie werden nach Bedarf vermittelt und helfen entweder in der Logistik oder im Verkauf aus. Wenn sich die Lage entspannt hat, kehren sie zu McDonalds zurück.

"Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen", erklärte Nicolás de Lope, Sprecher der Verwaltungsbevollmächtigten von Aldi Nord. Eine Sprecherin der Fastfood-Kette unterstreicht, es sei für McDonalds in jedem Fall eine Win-Win-Situation: Zum einen würde eine zustätzliche Option für die Mitarbeiter geschaffen, die von der Krise betroffen sind und arbeiten wollen. Zum anderen sei es ein Anliegen, die Lebensmittelversorgung im Land sicherzustellen. Jeder Franchise-Nehmer einer McDonalds-Filiale könne sich nun direkt mit dem entsprechenden Regionalleiter von Aldi in Verbindung setzen, um abzuprüfen, wie hoch der jeweilige Personalbedarf ist.

Viele McDonalds-Filialen sind derzeit von Beschränkungen betroffen, mancherorts ist beispielsweise am Abend nur der McDrive geöffnet.

Viele McDonalds-Filialen sind derzeit von Beschränkungen betroffen, mancherorts ist beispielsweise am Abend nur der McDrive geöffnet. © Marvin Koss/imago

Insgesamt hat McDonalds einen Pool von 60.000 Mitarbeitern in ganz Deutschland. Vielerorts ist aktuell der Betrieb der Filialen beschränkt, mal hat nur noch der Drive In geöffnet, mal ist die Zahl der erlaubten Besucher begrenzt - das sei ganz unterschiedlich. Durch die Kooperation hat Aldi schnell Zugang zu einer Menge Personal - und muss den Weg nicht über mühsame Einzelbewerbungen gehen.

Edeka ist angetan

Auch Edeka sucht derzeit Mitarbeiter und sieht Potenzial in einer solchen Partnerschaft. Vorteile wären etwa die Schnelligkeit in der Personalakquise - sowie die Menge an potenziellen Mitarbeitern, die plötzlich zur Verfügung stünden. Derzeit gebe es allerdings noch keine dahingehende Strategie, so eine Sprecherin.

In letzter Zeit gingen vor allem Bewerbungen von Studierenden und kürzlich gekündigten Personen ein, heißt es weiter. Der genaue Personalbedarf von Edeka lasse sich kaum beziffern. "Wir müssen jeden Tag neu bewerten, wie viel Personal krankheitsbedingt ausfällt, wie sich das Kaufverhalten der Kunden ändert oder ob Regale aufgefüllt werden müssen". Man denke aber selbstverständlich an das Personal, das bis zur Belastungsgrenze arbeitet: "Hier müssen wir Durchschnaufpausen schaffen."


Hamsterkäufe zwingen fränkischen Handel zu Akkordarbeit


Die Dennree Gruppe, die hier in der Region mit 13 Filialen von Denn's Biomarkt vertreten ist, sucht derzeit ebenfalls Aushilfen in ihren Märkten sowie Mitarbeiter im Lager im oberfränkischen Töpen. Auch dort bemühe man sich laut Personalleiter Uwe Zimmermann um Kooperationen mit anderen Unternehmen, die akut von der Corona-Krise betroffen sind. "Während diese durch die Übernahme der Personalkosten durch uns entlastet werden, sind wir dankbar für die tatkräftige Unterstützung", erklärt er. Man hofft dort, bald auf klassische Auswahlprozesse verzichten zu können, um so "personell schnell auf die Dynamik der aktuellen Situation" reagieren zu können.

Amazon und DHL gaben zu möglichen Partnerschaften keine Auskunft, Anfragen von Netto und Rewe blieben unbeantwortet. Vor einigen Tagen äußerte Rewe-Chef Lionel Souque allerdings, dass auch sein Supermarkt auf der Suche nach Aushilfen sei. So sollen mögliche Personalengpässe in den Geschäften kurzfristig behoben werden.

Souque hofft insbesondere auf Bewerbungen von Studierenden, "die wegen der aktuellen Schließung der Universitäten Interesse haben, bei Rewe oder Penny auszuhelfen." Er ruft außerdem dazu auf, sich direkt in der Filiale zu bewerben, in der man tätig werden will - und setzt dabei wie viele andere Supermarktketten auf Einzelbewerbungen über die Website. Welches Konzept letztlich erfolgreicher ist, wird sich zeigen.

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