Mietvertrag läuft aus

Stadt will kämpfen: Bleibt Novartis in Nürnberg?

28.8.2021, 05:55 Uhr
Blick auf den Firmensitz der Deutschlandzentrale in der Nürnberger Roonstraße. Der Mietvertrag läuft 2023 aus.

Blick auf den Firmensitz der Deutschlandzentrale in der Nürnberger Roonstraße. Der Mietvertrag läuft 2023 aus. © Novartis Pharma GmbH - Nürnberg/Martina Kamphausen, NNZ

Die Anzeichen verdichten sich, dass der Pharmakonzern Novartis seinen Deutschlandsitz von Nürnberg nach München verlagern könnte. Das jedenfalls verlautet aus dem Dunstkreis des Unternehmens in der Roonstraße. Doch was ist dran an diesem Gerücht, dass der Mietvertrag bereits gekündigt wurde, obwohl sich angeblich in einer Mitarbeiterumfrage 70 Prozent der Beschäftigten für einen Verbleib in Nürnberg ausgesprochen haben?

Novartis bestätigt, dass die Gebäude des Nürnberger Standortes in der Roonstraße nur noch bis Anfang 2023 gemietet seien, "der Mietvertrag gibt uns aber Optionen über das Jahr 2023 hinaus", so das Unternehmen. Ein Bekenntnis zu Nürnberg gibt der Konzern jedoch nicht ab: Zu einem neuen Standort oder neuen Standorten gebe es noch keine finale Entscheidung, heißt es weiter.

"Standortfrage ist wichtige Entscheidung für die Mitarbeiter"

Dass eine Umfrage unter den Mitarbeitern stattgefunden hat, dazu äußert sich Novartis nicht, nur: "Die Standortfrage ist eine sehr wichtige Entscheidung für unsere Mitarbeiter, die Familien unserer Mitarbeiter und für Novartis in Deutschland. Dieser Verantwortung sind wir uns sehr bewusst."

Dem Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Nürnberg seien die Überlegungen einer Standortverlagerung hinlänglich bekannt. Leiterin Silvia Kuttruff zeigt sich auf Nachfrage daher auch nicht überrascht. "Wir unterstützen Novartis schon lange bei der Suche eines neuen Standorts. Es gibt auch gute Optionen in Nürnberg." Welche das sind, möchte sie nicht sagen, das sei vertraulich. Letztlich entscheide die Zentrale des Pharmaunternehmens über den Verbleib, das soll laut Kuttruff wohl noch in diesem Jahr geschehen.

"Novartis möchte neue Bürokonzepte umsetzen"

Zu den Hintergründen der Standortsuche weiß sie, dass Novartis neue Bürokonzepte umsetzen wolle und dafür einen anderen Gebäudezuschnitt brauche. "Dass der Mietvertrag ausläuft, hat Novartis zum Anlass genommen, etwas anderes zu suchen. Wir versuchen alles, den Nürnberger Standort zu halten", so Kuttruff.

Die Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken sei operativ nicht eingebunden, sagt IHK-Sprecher Kurt Hesse zu einer möglichen Standortverlagerung von Novartis. "Es ist aber natürlich wünschenswert, dass der Pharmakonzern in Nürnberg bleibt, da er ein wichtiger und großer Arbeitgeber in der Region ist, hochqualifizierte Arbeitsplätze zur Verfügung stellt und regelmäßig ausbildet."

Der Pharmakonzern mit Sitz in der Schweiz beschäftigt rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seiner deutschen Zentrale in Nürnberg und unterhält zehn weitere Standorte in der Bundesrepublik, an fünf wird produziert. Weltweit arbeiten rund 109.000 Menschen aus 140 Nationen für das Unternehmen, zu dem auch Sandoz/Hexal und 1A Pharma gehören.


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Der Blick auf die Geschäftszahlen zeigt: Novartis ist weiterhin auf Wachstumskurs. "Novartis hat ein starkes zweites Quartal verzeichnet, das von der Dynamik unserer wichtigsten Wachstumsmarken geprägt war", sagte Vas Narasimhan, der an der Spitze des Schweizer Konzerns steht, bei der Vorstellung der Zahlen des zweiten Quartals 2021.

Die Pipeline an neuartigen Medikamenten mache weiterhin Fortschritte mit wichtigen positiven Ergebnissen bei Krankheiten mit hohem ungedecktem Bedarf. Dazu zählen dem Manager zufolge verschiedene immunologischen Erkrankungen, Prostatakrebs und spinale Muskelatrophie.

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