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Vitesco Technologies: Hauptsitz der Elektrifizierungs-Sparte ist Nürnberg

Stefanie Banner
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Politik und Wirtschaft

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3.10.2021, 08:35 Uhr
Blick auf das Nürnberger Werk in der Sieboldstraße.

Blick auf das Nürnberger Werk in der Sieboldstraße. © Vitesco Technologies, NNZ

Wer das Werk von Vitesco Technologies im Norden von Nürnberg besucht, muss sich erst einmal vorbereiten: Schuhüberzieher, Haarnetz und langer Kittel sind - neben der Corona-Maske - die Grundausstattung. Denn hier wird Hochleistungselektronik hergestellt, für die Staub, Fasern und Haare Gift sind. Hinter Glasscheiben kann der Besucher beobachten, wie in der "Super-Sinter-Linie" Leiterplatten mit Chips, Silberfolie und Drähten bestückt werden. "Die Sinter-Produktion ist von uns entwickelt worden. Hier werden die Chips mit Hilfe einer besonderen Paste auf die Platte gepresst", erklärt Produktionsleiter Daniel Deksheimer das Verfahren. Das alles läuft zwar hochautomatisiert, kontrolliert werden die verschiedenen Schritte jedoch zusätzlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In der Halle darunter werden diese Leiterplatten und weitere Bestandteile zu einem Leistungsmodul verbaut, welches wiederum in das Endgerät montiert wird - in diesem Fall eine Leistungselektronik für Plugin-Hybride. "Wir haben verschiedene Produktionslinien, die zu einem Endprodukt zusammenfließen", sagt Bernd Götz, der die Endmontage leitet. Neben Getriebesteuerungen für alle Antriebsarten wird in Nürnberg auch die Leistungselektronik für hybride und reine E-Fahrzeuge gefertigt. Götz nennt sie liebevoll das "Herzstück" des Autos, es handelt sich um ein hochkomplexes Produkt, das "den Gleichstrom, der von der Batterie kommt, in Wechselstrom für den E-Motor umwandelt", erklärt er.

"Großer Erfahrungsschatz"

"Wir beschäftigen uns seit über zehn Jahren mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs und haben einen großen Erfahrungsschatz", sagt Werksleiter Carsten Czenkusch. Deshalb bezeichnet der 54-Jährige den Standort, der zugleich Hauptsitz der Elektrifizierungssparte und deren Entwicklungstätigkeiten ist, auch als Pionier in Sachen E-Mobilität. Eine spezielle Kompetenz sei auch, dass Fertigungsanlagen und deren Automatisierung selbst entwickelt, gebaut und immer weiter verbessert werden.

Diese Leiterplatten werden mit Chips versehen und in der Leistungselektronik verbaut.

Diese Leiterplatten werden mit Chips versehen und in der Leistungselektronik verbaut. © Daniel Karmann, NNZ

Vitesco Technologies ist die ehemalige Antriebssparte von Continental, die durch den Börsengang am 16. September eigenständig wurde und ihren Hauptsitz in Regensburg hat. Weltweit beschäftigt das Unternehmen etwa 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 50 Standorten; in Nürnberg sind es rund 2600 - "je zur Hälfte im Werk und im Entwicklungsbereich", so der promovierte Maschinenbauer Czenkusch, der seit März neben dem Standort Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz auch das Werk in Nürnberg leitet.

Erst Schrauben, dann Radioteile, jetzt Autoteile

Angefangen hat in Nürnberg alles mit einer Schraubenfabrik im Jahr 1889, die dem Manager zufolge schon in den 1920er Jahren Radioteile herstellte - und da gewissermaßen in die Elektronik eingestiegen war. Nach der Übernahme durch AEG Telefunken wurden 1980 zum ersten Mal Automobilteile gefertigt. Ab 1989 gehörte das Unternehmen zu Temic, einem Hersteller von Halbleitern, das 2001 schließlich von Continental übernommen wurde. 2019 begann dann die Abspaltung von Conti - womit dem Unternehmen zufolge auch die Weichen für langfristige Wachstumschancen mit Zukunftstechnologien in der Elektrifizierung gestellt wurden.

Die Abspaltung von Continental habe Czenkusch zufolge keine Auswirkungen auf das Nürnberger Werk. "Continental hatte das Prinzip, dass an einem Produktionsstandort mehrere Geschäftsbereiche agieren. Hierdurch hat sich an manchen Standorten das Problem ergeben, wie man das Werk aufteilt. Das gab es in Nürnberg nicht, hier haben wir ein reines Vitesco-Technologies-Werk", erläutert Vorstandsvorsitzender Andreas Wolf.

In Nürnberg fallen keine Arbeitsplätze weg

So fallen durch die Abspaltung auch keine Arbeitsplätze weg. "Ganz im Gegenteil", sagt Wolf, "wir mussten in bestimmten Funktionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, die wir vorher nicht benötigt haben."

Dass an manchen Standorten Stellen abgebaut oder Beschäftigten Alternativen angeboten werden müssten, hängt laut Wolf mit der Transformation der Zulieferindustrie zusammen, hier speziell des Antriebsstrangs - weg vom Verbrenner hin zur Elektrifizierung. In Nürnberg sei die Transformation jedoch kaum zu spüren, so Werksleiter Czenkusch, "weil wir hier seit vielen Jahren genau das schon machen. Als wir bemerkt haben, dass der Bedarf steigt, haben wir noch weiter investiert und ausgebaut, so dass wir jetzt bereits in der Lage sind, in Masse zu produzieren".

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