Fünf Anzeichen, dass der Arbeitsmarkt durchstartet

Zehn-Jahres-Rekord! Arbeitslosigkeit sinkt stark

30.6.2021, 10:53 Uhr
Die Wirtschaft lässt die Corona-Krise hinter sich. 

Die Wirtschaft lässt die Corona-Krise hinter sich.  © Jens Büttner, dpa

Kaum hat sich Detlef Scheele die Maske vom Gesicht genommen, entfährt ihm ein seufzendes "Ach". Ein "Ach", das der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, wie er anschließend sagt, keineswegs als Kommentar zum Arbeitsmarkt verstanden wissen will, sondern bloß als Zeichen der Erleichterung darüber, sich seiner Maske - und damit der Ursache für seine beschlagene Brille - entledigen zu können. Denn der Arbeitsmarkt, er bietet in diesen Tagen kaum Anlass für Klagelaute.

1. Die Arbeitslosigkeit sinkt in einer Geschwindigkeit, die historisch selten zu beobachten war.

Binnen eines Monats ging die Zahl der Erwerbslosen um 73.000 zurück - auf nun 2,614 Millionen. "Einen so starken Rückgang von Mai auf Juni hat es in den letzten zehn Jahren nicht gegeben", sagt Scheele, der von einem "bemerkenswerten Ereignis" spricht. Die Aufhebung vieler staatlicher Corona-Einschränkungen hat dazu geführt, dass Branchen wie Handel, Gastronomie und Tourismus wieder kräftig einstellen.

2. Immer weniger Menschen sind von Kurzarbeit betroffen.

Die Kurzarbeit ist der Hauptgrund dafür, dass die Corona-Pandemie in Deutschland nicht in einer neuen Massenarbeitslosigkeit mündete. Inzwischen greifen Unternehmen deutlich seltener auf das Instrument zurück - stattdessen fahren sie die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter wieder hoch. Waren auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im Frühjahr 2020 sechs Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit, sind es derzeit noch gut zwei Millionen. "Wir sind ziemlich sicher, dass wir über den Sommer unter die zwei Millionen kommen", sagt Bundesagentur-Chef Scheele. Immer seltener begründen Unternehmen die Kurzarbeit auch mit der Pandemie - stattdessen sind die Arbeitszeit-Reduzierungen etwa in Industrie und Bau derzeit vor allem auf die Engpässe bei Rohstoffen und Baumaterialien zurückzuführen.

3. Es gibt so viele freie Stellen wie lange nicht mehr.

Viele Unternehmen haben wieder derart viele Aufträge, dass es ihnen nicht reicht, die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückzuholen - sie suchen deshalb verstärkt nach neuem Personal. Fast 700.000 freie Stellen sind Deutschlands Arbeitsagenturen derzeit gemeldet, 123.000 mehr als vor einem Jahr. "Der Bestand steigt stetig", sagt Scheele. Die Zahl der Menschen in sozialversicherungspflichtiger Arbeit hat sich bereits jetzt wieder erholt.

4. Der Sockel an Arbeitslosigkeit, den Corona hinterlassen hat, wird sehr schnell kleiner.

600.000 Menschen verloren wegen der staatlichen Einschränkungen unterm Strich ihre Arbeit, rechnete die Bundesagentur zuletzt vor. Weil viele wieder einen Job fanden, ist der Sockel inzwischen auf unter 400.000 gestiegen. Bis die Arbeitslosigkeit insgesamt aber wieder so gering ist, wie sie vor Corona war, werden noch viele Monate vergehen. Scheele schätzt, dass erst "mit dem Herbstaufschwung 2023 oder der Frühjahrsbelebung 2024" das Vorkrisenniveau erreicht ist.

5. Die saisonübliche Sommerflaute könnte heuer ausfallen.

In normalen Zeiten steigt im Juli die Arbeitslosigkeit meist leicht an. Grund sind die in vielen Bundesländern beginnenden Sommerferien: Unternehmen warten mit Neueinstellungen deren Ende ab; zudem melden sich junge Leute zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn arbeitslos. "Das kann diesmal anders sein", glaubt Scheele mit Blick auf die rasante Aufholjagd am Arbeitsmarkt. Er sagt: "Wenn es nicht nochmal zu einem Lockdown kommt, sind wir über das Gröbste hinweg."