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Blumen für das beste Publikum von allen

Nürnberger Symphoniker - 26.09.2016 18:11 Uhr

Im ältesten Stück des Nachmittags, Edward Macdowells Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 in d-Moll von 1886, zeigen sich diese Rhythmen im zweiten Satz, der an manchen Stellen schon an spätere Broadway-Musicals erinnert.

Die in Kroatien geborene Pianistin Martina Filjak unterstützt ihren Anschlag durch weite Armbewegungen, die es ihr erlauben, ihre Kraft auf die entsprechenden Tasten zu zentrieren. Temperamentvoll souverän interpretiert sie mit den Symphonikern das Konzert des hierzulande ziemlich unbekannten amerikanischen Komponisten, der mal Rachmaninow antizipiert, mal an Liszt erinnert, immer jedoch gefällig bleibt. In einer Zugabe von Alexander Skrjabins Prélude et nocturne für die linke Hand zeigt
Filjak noch, dass eine Pianistin auch einhändig gut klingen kann.

1919 entstand Darius Milhauds
„Le Boeuf sur le Toit“, eine Cinéma-Fantaisie für Orchester. Milhaud stammt zwar nicht aus der Neuen Welt, sondern aus der Provence in Frankreich, verarbeitet aber in seinem „Ochsen auf dem Dach“ die damals in Rio de Janeiro beliebten Karnevalsmelodien.

Es ist eine Herausforderung für die Musiker, im karnevalesken Durcheinander mit etlichen polytonalen Stellen immer wieder zum harmonisch swingenden Thema zusammenzufinden. Das exotische Highlight ist die Kürbisrassel (Guiro), die für den Extraschuss Latino-Flair sorgt.

Den Abschluss des Konzerts bilden Leonard Bernsteins „Symphonische Tänze“ aus der „West Side Story“ (1960). Die verschiedenen Klangfarben der Tänze werden unter Shelley gut herausgearbeitet, und die Symphoniker zeigen sich mal spritzig-flott, mal ganz zart, um das Publikum im Finale in eine geheimnisvolle Atmosphäre der nächtlichen Ruhe eintauchen zu lassen.

Guter Kontakt zum Publikum ist wichtig, und bei den Nürnberger Symphonikern funktioniert er prächtig. Intendant Lucius A. Hemmer lädt das Publikum ein, den beiden an die
Muppet-Show erinnernden Figuren, die für das neue Flexi-Abo der Symphoniker werben, einen Namen zu geben. Publikumsliebling Shelley lobt seinerseits das Nürnberger Publikum als „das beste“.

Letzteres jubelt dem Dirigenten auch in der Disziplin des Weitwerfens zu: Am Ende des Konzerts wirft Shelley nämlich wieder in gekonntem Bogen seinen Blumenstrauß ins Publikum . . . 

Sonja Samberger

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