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Debüt beim "Klassik Open Air": Kahchun Wong ist bereit

Symphoniker-Dirigent bringt seine Favoriten mit zum Luitpoldhain - 03.08.2018 06:41 Uhr

Kaychun Wong bei der allerersten In-Augenscheinnahme des Areals für das Freiluft-Großkonzert am Samstag. Dann bestreiten die Nürnberger Symphoniker das zweite Nürnberger „Klassik Open Air“ im Luitpoldhain. © Foto: Edgar Pfrogner


Gerade ist er aus Japan nach Nürnberg gejettet und hat sich auf etwas Abkühlung gefreut. Denn in dem asiatischen Inselreich hatte es Kahchun Wong mit Erdbeben, Taifunen und einer Affenhitze zu tun. Doch so wirklich kühl ist es derzeit in Zentraleuropa auch nicht gerade.

Nun sitzt er entspannt in einer fränkischen Hotelbar und freut sich wie ein Schnee(!)könig über einen Eiskaffee. "Der ist wirklich sensationell", meint der Musiker. "Bei uns macht man ihn mit Eiswürfeln, aber hier wird er mit richtigem Speiseeis und echter Sahne zubereitet."

Das ist vielleicht ein Tipp für den Pausenservice beim "Klassik Open Air". Denn die Wetterprognosen sehen nicht so aus, als würde es am Samstag sonderlich mit den Temperaturen in den Keller gehen. Ein lauschiger Abend erwartet also die Klassik-Picknicker und dafür hat Wong auch ein ganz apartes Programm zusammengestellt. "Das Motto heißt zwar ,My Playlist‘, weil sich da viele meiner Favoriten finden, aber letztlich ist es doch ein Liebes- und Friedensprogramm geworden."

Berühmtes Liebespaar

Tatsächlich huldigt man dem berühmtesten Liebespaar der Literatur in mehrfacher Weise. Da sind auf der einen Seite die Auszüge aus Prokofjews genialer Ballettmusik zu "Romeo und Julia", aber auch Bernsteins "West Side Story" ist ja nichts anderes als eine moderne Vision der Veroneser Liebesgeschichte. "Und auch das Violinkonzert ,Butterfly‘ von Gan Chen und Zhanhao He thematisiert so eine tragische Lovestory", erzählt Wong.

Gespielt wird die Solo-Violine von der 29-jährigen Koreanerin Bomsori Kim. "Wir haben schon einen kleinen künstlerischen Weg miteinander gehabt", begründet der Dirigent seine Wahl der Solistin. "Außerdem ist mir ganz wichtig, dass wir uns als internationale Wesen begreifen. So unterschiedlich unsere Traditionen und Prägungen auch sein mögen: Uns verbinden die tiefen menschlichen Sehnsüchte nach Liebe und Frieden."

Carmen mal anders

Einer in Liebesdingen sehr erfahrenen und sehr eigenständig denkenden und handelnden Dame wird an diesem Abend im Luitpoldhain auch gehuldigt: Carmencita. Die historische Carmen war zwar Zigarettenarbeiterin in Granada und nicht in Sevilla wie in Bizets Oper und ehelichten keinen desertierten Soldaten namens Don José, sondern einen veritablen Grafen, aber ihr feuriges Temperament war legendär.

Und warum fiel die Wahl auf die "Carmen"-Suite von Franz Waxman? Da gibt sich Kahchun Wong ganz pragmatisch: "Innerhalb von zehn Minuten kommen da alle großen Melodien aus der Oper zum Vorschein". Der gebürtige Oberschlesier Waxman floh als Jude 1933 zunächst vor den Nationalsozialisten nach Frankreich und vor dort in die USA, wo er neben Erich-Wolfgang Korngold einer der wichtigsten Filmkomponisten Hollywoods wurde. Berühmt machte ihn die Vertonung des Horror-Klassikers "Frankensteins Braut" (1935) mit Boris Karloff.

Kinderlied aus Singapur

Der Clou des Freiluft-Abends aber soll aber ein Begrüßungsgeschenk werden. Wong, der Schüler von Kurt Masur und Esa Pekka-Salonen, arbeitet in seiner Heimat Singapur intensiv in der frühkindlichen musikalischen Erziehung. Und so hat er mit Zwei- bis Vierjährigen das alte Kinderlied "Dayung Sampan" aufgenommen und in einen kleinen Marsch umgewandelt. Das Lied handelt von einem Fischer, der mit seinem Boot auf die See hinausrudert.

Am liebsten hätte er seine Schützlinge, die aus allen sozialen Schichten kommen, mit nach Nürnberg genommen. Aber da das nicht ging, wird es nach dem Sparda-Wunschstück, das hier natürlich noch nicht verraten werden soll, eine mediale Brücke von Südostasien nach Franken per Smartphone-App geben.

Beim Blick auf seinen Terminkalender, wird es einem allerdings schwindelig. Der scheint noch praller gefüllt, als bei seinem Vorgänger Alexander Shelley. Ferien? Urlaub? "Das müssen in diesem Jahr Fremdworte bleiben. Es gibt allerdings nach dem Open AIr ein paar freie Tage", ist sicher Wong der dichten Vertaktung wohl bewusst.

Im September und Oktober wird es eine intensive Arbeitsphase mit den Symphonikern geben (u.a. mit Gastspielen in Ansbach und Mailand), dann geht zu den Hamburger Symphonikern, nach Rumänien, nach Tokio, Osaka und Liverpool und zum Jahreswechsel wieder nach Nürnberg. Da tut ein Eiskaffee zuvor sicher gut. . .

Zur Vorbereitung auf Dayung Sampan ("Sunny Island") für den Smartphone-Einsatz: https://klassikopenair.nuernberg.de/konzerte/sound-datei/ und https://youtu.be/JvKaFJpEcFE  

Jens Voskamp

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